Oskar Brabanski, gibt es Spargel mit Schnitzel ohne Ausbeutung?

Oskar Brabanski vom DGB-Projekt „Faire Mobilität“ im Gespräch über (un)antastbare Würde der Wanderarbeiter, moderne Formen der Zwangsarbeit und den zu rettenden Glauben an den Rechtsstaat.

Es gibt in Deutschland zahlreiche Knochenjobs, die Einheimische nicht bereit sind zu tun. Diese Jobs werden von mobilen europäischen Arbeitsmigrant*innen übernommen, meistens unter unvorstellbar schlechten Bedingungen. Scheinselbstständige, Leiharbeiter*innen, Werkvertragsnehmer*innen aus Mittel- und Osteuropa werden mies bezahlt, sind unwürdig untergebracht und arbeiten unter sklavenähnlichen Bedingungen. Die Missstände sind sowohl der Politik als auch der Öffentlichkeit schon seit Langem bekannt. Doch wo die einen leiden, bereichern sich die anderen – und der Rest schaut unbeteiligt zu. Wie ein Vergrößerungsglas brachte der Ausbruch des Corona-Virus im Schlachtbetrieb Tönnies diese unangenehmen Tatsachen ans Tageslicht und zwang die Öffentlichkeit zum genauen Zuschauen.

Das DGB-Projekt „Faire Mobilität“ engagiert sich aktiv gegen die Missstände und das ausbeuterische System und gibt den Menschen ohne Lobby eine Stimme. Wir sprachen mit Oskar Brabanski, einem der zwei Mitarbeiter der neuen Nürnberger Filiale, die auch hier in der Region von Anfang an alle Hände voll zu tun hat. Er und sein Kollege sprechen jeweils Polnisch und Rumänisch und erreichen die Wanderarbeiter auf verschiedenen Wegen – von sozialen Medien bis zu den Feldern des Knoblauchlandes. Brabanski, der Philosophie, Kulturreflexion und Politikwissenschaften studierte, entschied sich gegen die zuerst angestrebte wissenschaftliche Laufbahn, weil „die Theorie zwar interessant ist, aber die praktischen Probleme doch auch gelöst werden müssten“. Er erzählt aus seinem Arbeitsalltag und über die Unterstützungsmöglichkeiten, die ihm zur Verfügung stehen. „Wollen wir wirklich, dass es Mitmenschen gibt, die unter diesen Bedingungen arbeiten?“ fragt er in dem aufschlussreichen Gespräch und appelliert an die Politik und die Zivilgesellschaft.

Die Beratungsstellen des DGB-Projekts Faire Mobilität
MDR-Bericht mit Teilnahme von Oskar Brabanski
Tönnies: Eine Frau hebt den Sumpf aus (emma.de)
So müssen Tönnies-Arbeiter leben
Fleischindustrie: "Eine verseuchte Branche"

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Aufgenommen am: Mittwoch, 1. Juli 2020
 Veröffentlicht am: Donnerstag, 23. Juli 2020
 Moderation: Grazyna Wanat
 Im Gespräch: Oskar Brabanski

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Alle weiteren Folgen von KontaktAufnahme – der Podcast des Bildungszentrums Nürnberg finden Sie hier. Jede Woche, immer donnerstags, veröffentlichen wir ein neues Gespräch.

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