Jonas Miller, wie fühlt es sich an, als Journalist von Rechtsextremen bedroht zu werden?

Im Gespräch verrät der Journalist, wie er in der rechten Szene recherchiert, warum der NSU längst nicht abgeschlossen ist und was die Anti-Corona-Demos so gefährlich macht

Jonas Miller ist Journalist aus Leidenschaft. Er schreibt unter anderem für den Bayerischen Rundfunk und ZEIT Online und recherchiert dafür seit über 15 Jahren in der rechten Szene. “Das Wichtigste ist, dass man sich nicht einschüchtern lässt”, ist Jonas Miller überzeugt. Grund dafür hätte er durchaus. Denn als jemand, der AfD-Funktionäre zum Rücktritt zwingt, indem er sie mit der Verbreitung antisemitischer Verschwörungserzählungen in Chatgruppen konfrontiert, macht man sich nicht unbedingt Freunde. Als Kenner der rechten Szene insbesondere in Nordbayern beobachtete Jonas Miller von Beginn an auch die Aufarbeitung der NSU-Morde. Ganz klar sei, so Miller, dass der NSU in Gänze nicht aufgearbeitet wurde. Das Netzwerk dahinter gäbe es weiterhin. “Die Gefahr, die von Rechtsextremen ausgeht, die ist natürlich omnipräsent.” Auch in rechtsextremen und rassistischen Tendenzen in Polizei und staatlichen Behörden sieht er ein Problem, dass man keinesfalls ignorieren sollte. Nicht überrascht hat ihn, dass das Thema Rechtsextremismus von Anfang an auch bei den Anti-Corona-Demos eine Rolle spielte. “Die Leute, die ich dort getroffen habe, kenne ich aus der rechten und rechtspopulistischen Szene.” Dass viele Menschen sich nicht mehr über die klassischen Medien informierten, sei eine große Herausforderung für den Journalismus, den er in einem starken Wandel sieht. Für Jonas Miller jedoch kein Grund für Selbstmitleid. Umso wichtiger sei es für die seriösen Medien, auch auf nicht-linearen Programm und Plattformen wie YouTube oder TikTok präsent zu sein “und dadurch zu punkten, dass sie einordnen können und dass ein Faktencheck stattfindet, um journalistische Grundsätze zu vermitteln.”

Weitere Informationen:

  • Alles von und über Jonas Miller findet sich auf seiner Webseite
  • Am Bildungszentrum konnte man Jonas Miller als Referent im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Der NSU in Franken – viele offene Fragen“ erleben.
  • Die im Gespräch thematisierte Petition “Für einen 2. NSU-Untersuchungsausschuss im Bayerischen Landtag!” ist auf dem Portal change.org einsehbar.
  • Den Nachrichtenartikel “’Deutscher Volksgenozid’: Bayreuther AfD-Funktionär tritt zurück” von Jonas Miller gibt es zum Nachlesen in der BR-Mediathek.
  • Ein Preprint der erwähnten Studie “Die Verengung der Welt. Zur medialen Konstruktion Deutschlands unter Covid-19 anhand der Formate ARD Extra - Die Coronalage und ZDF Spezial” von den Literatur- und Medienwissenschaftlern Dennis Gräf und Martin Hennig ist auf researchgate.net verfügbar.

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Aufgenommen am: Dienstag, 24.November 2020
Veröffentlicht am: Donnerstag, 3. Dezember 2020
Moderation: Tobias Wildner
Im Gespräch: Jonas Miller

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Foto: BR