Stefanie Dunker, kann Soziokultur unsere Demokratie retten?

Ansage: Kontaktaufnahme. Der Podcast des Bildungszentrums Nürnberg. #00:00:10-9#
Katharina Mittenzwei: Herzlich willkommen im neuen Jahr! Ganz herzlich willkommen auch zu unserer neuen Ausgabe des Podcasts Kontaktaufnahme des Bildungszentrums und am allerherzlichsten Willkommen, Stefanie Dunker. Schön, dass du da bist. #00:00:34-9#
Stefanie Dunker: Ja, hallo, Freut mich auch. Danke für die Einladung. #00:00:38-7#
Katharina Mittenzwei: Ich bin sehr glücklich, dass du dir Zeit genommen hast, mit uns zu sprechen. Das ist gar nicht selbstverständlich, denn seit 1. November des letzten Jahres, 1. November 2025, bist du die neue Leiterin des Künstlerhauses Nürnberg. Bevor wir jetzt in ein Gespräch voller Soziokultur und Nürnberger Kulturlandschaft etc. einsteigen, nutze ich die Gelegenheit und stell dich kurz vor und du verbesserst oder ergänzt, falls ich etwas eingeschlichen hat, was nicht stimmt. Du bist von Haus aus Sozialpädagogin und seit 1993 oder ab 1993 warst du beim Amt für Kultur und Freizeit in Nürnberg. Hast 2009 begonnen, eine neue Konzeption und Planung einer Kultureinrichtung in einer ehemaligen Industriebrache zu erstellen. Daraus wurde dann, wir kennen es alle, die Kulturwerkstatt Auf AEG in der Fürther Straße, die ist dann 2016 eröffnet worden. Du hast dieses Haus stark geprägt. Ich hoffe, wir hören davon jetzt noch einiges und bist jetzt, um es ganz kurz abzuschließen, die Leiterin des Künstlerhauses Nürnberg beim Kuckuck im Kunst Kulturquartier und darfst da andere Strippen ziehen. Und ich bin ganz gespannt, was du uns jetzt berichtest. Wie geht es dir, Stefanie? #00:01:59-3#
Stefanie Dunker: Oh, ich bin ganz schön müde im Moment. Es sind wirklich viele Informationen. Man denkt ja. Na ja, 32 Jahre Berufserfahrung in Kulturzentren. Da komme ich von dem einen gehe ich ins nächste. Und dann finde ich doch ein Haus, das noch mal ganz anders tickt. Ich komme auch in ein anderes Amt, muss dann auch dazu sagen ein Amt, was auch gerade viele Umbrüche erlebt, personeller Art und bin da gerade noch habe es unterschätzt, mich da zurechtzufinden an neuen Informationen. Aber genau wenn ich ehrlich bin, wollte ich ja auch die Herausforderung. Ich wollte noch mal eine Konstruktion haben vom Kulturzentrum, die sich abhebt von den Kulturläden. Ich wollte noch mal eine andere Seite der Soziokultur kennenlernen und bin jetzt gerade noch in der Pionierarbeit des Entdeckens. #00:02:46-8#
Katharina Mittenzwei: Was war denn der Punkt an deinem Leben, wo du gemerkt hast Kulturarbeit, das ist mein Raum und mein Spielfeld. Beruflich, da will ich mich austoben. #00:02:54-3#
Stefanie Dunker: Das fing eigentlich schon in der Jugend an, ich war da in so einer Clique. Andreas Oehlert ist heute ein bekannter bildender Künstler. Ewald Arenz und der Schriftsteller waren alle in Wismar, ein enger Freundeskreis, und wir hatten immer wieder selber Kulturaktivitäten, also Filme gemacht oder Sachen inszeniert oder auch einmal eine Baustelle mit einer Performance bespielt. Und ich war so immer ein bisschen gefrustet. Die anderen hatten so wahnsinnig tolle Talente. Und ich dachte immer ja, könnte ich Gitarre spielen oder toll schreiben oder toll tanzen. Was kann ich denn eigentlich? Und dann sagte jemand naja, aber du kannst gut sprechen. Und er hatte so die Rolle der Moderation. Das vermitteln vielleicht auch eine Gruppe. So später meine Aufgabe, Gruppen auch zu führen, Prozesse zu begleiten, also dieses selber kulturell aktiv werden, die Chance bekommen, auch Orte anvertraut zu bekommen, um dort tätig zu werden. Das ist sozusagen eine eigene Erfahrung meiner Biografie. Später dann auch noch, als ich bei einem Notruf für vergewaltigte Frauen und Mädchen gearbeitet habe, den auch maßgeblich mit aufgebaut habe. Da hatten wir schon für Öffentlichkeitsveranstaltungen oder auch für Benefizveranstaltungen zum Beispiel das Künstlerhaus damals noch kaum genutzt. Und jetzt mein letzter Punkt dazu. Dieses Wahrnehmen, was wir in Nürnberg haben, war eigentlich über eine Freundin aus Weißenburg, die immer einen Frauentag auch gestaltet hatte und sagte was habt ihr gut in Nürnberg? Ich muss in Nebenzimmer von der Wirtschaft gehen und ihr habt in Nürnberg hier einfach Orte, wo ihr sein könnt. Und das ist so alles zusammen. Die Erfahrung, wie wichtig es ist für mich in meinem Leben. Aber ich glaube im Leben von ganz vielen anderen und von Menschen, die was bewegen wollen, dass es Orte gibt, die dir das ermöglichen. #00:04:43-3#
Katharina Mittenzwei: Wenn man in der Kultur arbeitet, braucht man ja schon auch einen langen Atem und die Fähigkeit, sich durchzubeißen. Richtig. #00:04:51-0#
Stefanie Dunker: Ach, durchbeißen finde ich vielleicht das falsche Wort, weil ja letztendlich die Kulturarbeit immer was Einladendes ist. Aber man braucht auf alle Fälle einen langen Atem, langen Atem diesbezüglich, Dass Entwicklungen, Wirkungen nicht einfach so schnell eintreten, das sind lange Werbeprozesse, sage ich jetzt. Werben um Menschen für Ideen, sich zu begeistern. Gruppen oder Initiativen über einen langen Weg zu begleiten und zu empowern. Und ich habe jetzt das gerade ja schon wie so ein Labor auf AEG beobachten können in diesen 17 Jahren, wo ich bin, was hat man gesät und wie lange hat es gebraucht, dass es aufgeht? Aber irgendwann geht es auf. #00:05:32-6#
Katharina Mittenzwei: Das ist ein tolles Stichwort. Du sagst, irgendwann geht es auf. Du hast aber ja 2009 begonnen und da war das einfach wirklich noch alles Staub und Beton und musste es dann mit guten Nerven und guten Ideen und vermutlich auch diesem tollen Netzwerk, das du vorher schon aufgebaut hattest, vorher schon hattest. Beruflich wie privat aus dieser Baustelle diesen Kulturort schaffen. Mit was beginnst du, wenn du nur Staub und Beton um dich hast? #00:06:00-5#
Stefanie Dunker: Also das war tatsächlich schon eine große Herausforderung und ich glaube auch, dass es da für mich keine Blaupause gab. Denn in Nürnberg die Kulturzentren, die in den letzten Jahren entstanden sind, die städtischen, zumindestens die Kulturläden, waren ja Umzüge. Also Kulturladen Rothenburger Straße ist auf die andere Straßenseite umgezogen und war dann die Villa Leon und damit umgezogen sind die Mitarbeiter und die Gruppen und die Kurse und Veranstaltungsformate. Ähnlich verhält es sich am Südpunkt. Da ist Kulturladen, Südstadt Laden und Bleiweiß eingezogen. Und jetzt ist das ja immer was, wo du bei Null anfängst. Das fand ich jetzt schon auch eine Herausforderung. Und ich glaube, das erste ist, dass man so einen Stadtteil. Also ich habe mich wirklich aufs Fahrrad gehockt und bin da erst mal rumgeradelt. Wie, wie? Was hat der Stadtteil für eine Energie? Was fällt mir auf? Dann auch zu schauen, wo sind Player? Das können Initiativgruppen sein, das kann eine AWO Seniorengruppe sein. Also wo sind relevante Punkte, wo Menschen, wo Communities sich schon finden? Und da baut man erstmal Verbindungen auf und versucht da gute Kooperation, gute Verbündete zu finden für das Vorhaben, in diesen Stadtteil Kultur reinzubringen, Leben reinzubringen. Und dann heißt es aber auch für mich, ganz viel im öffentlichen Raum zu sein, also im öffentlichen Raum die Menschen zu fragen, was braucht ihr, was vermisst ihr? Was übrigens gar nicht so einfach ist, weil wenn man das nicht kennt oder vieles nicht kennt, kann man auch schlecht sagen, was man vermisst. Da muss man wirklich mit Vorläuferaktivitäten so appetizer in so einen Stadtteil reinbringen und sagen ist dass das, was ihr braucht, was euch Spaß macht, was, was euch gefehlt hat? Das sind einfach auch ein Stück weit Suchbewegung, aber natürlich auch viele Gespräche, viele Analysen, Stadtteilanalysen. Also harte Fakten. Was leben da für Menschen? Aber auch so was. Was braucht diese Stadt? Es geht ja auch nicht nur um den Stadtteil, es geht ja auch um eine kulturelle Grundversorgung. Also was hat diese Stadt an Szenen? Was hat die Stadt an Kulturorten und was braucht oder was formuliert vielleicht auch eine Kulturszene, was noch fehlt und das dann zusammenzubringen, das ist dann die große Kunst. #00:08:15-9#
Katharina Mittenzwei: Ja, und da hat sich ja auch in den letzten Jahren habe ich persönlich den Eindruck, in dem Stadtteil wahnsinnig viel getan. Jetzt haben wir auch das Heizhaus dann irgendwann dazukam, was den Stadtteil ja auch ganz stark geprägt hat und auch immer noch prägt. Wann hattest du denn zum Ersten Mal das Gefühl, dass der Ort so seine eigene Energie hat und sich selbst trägt? #00:08:39-1#
Stefanie Dunker: Das ist eine starke Frage. Also ich glaube, ich würde es jetzt gar nicht an der Werkstatt an dem Haus erstmal festmachen, sondern für mich der Wendepunkt war das Stadtteilfest. Ich habe jetzt ja erst im Oktober auch meinen Abschied gefeiert von dem Stadtteil und merkte, dass dieses Stadtteilfest ein ganz großer, identitätsstiftende Anker war. Und das war von mir auch so gehofft, dass sind wir jetzt wieder bei dem langen Atem. Ich weiß, dass Stadtteilfeste verbinden, dass Stadtteilfeste Orte der Begegnungen sind in einem Stadtteil vor allem, der kaum Orte der Begegnung hat. Da Stadtteilfeste die Möglichkeit bieten, Menschen unterschiedlichen Alters, Herkunft und auch familiären Background dort einen Ort der Begegnung zu schaffen. Und als das Stadtteilfest seinen Namen hatte, nämlich Mugelei und war einmal alles Mugelei war, also Menschen mit T Shirts herumliefen. Wir sind Muckelayer. Der Stadtteil Arbeitskreis war einmal nicht mehr der Westen, sondern Muckelayhis. Dann war klar wir haben was geschafft, was wirklich eine Identität ist, was eine gemeinsame Klammer ist. Und wenn ich dann junge Leute höre, die sagen, ich komme zum Stadtteilfest, weil ich da früher mal im Hort war und das ist dann sozusagen wie die Kirchweih im Dorf, wo man dann immer wieder zurückgeht in die Heimat. Dann wusste ich oder weiß ich, das war eigentlich der Wendepunkt. Da hat der Stadtteil eine ganz neue Gemeinschaft bekommen. #00:10:11-6#
Katharina Mittenzwei: Und lässt sich das aus seiner Perspektive auch außerhalb des außerhalb der Mugelei verorten? In dem Quartier hat sich das Quartier dann so grundsätzlich auch noch mal verändert. #00:10:23-9#
Stefanie Dunker: Das Quartier hat sich natürlich stark verändert durch diese städtebaulichen Transformationsprozesse, die durch den die Insolvenz der Quelle kam. Und gerade wenn sich so ein Quartier so stark verändert, ist es ja umso wichtiger zu schauen wo sind die identitätsstiftenden Merkmale? Wo ist da, wo kann der Stadtteil sozusagen die neu Dazugekommenen einladen? Und was ich damals als Kulturzentrum oder auch als Vorläuferaktivität ja auch begonnen hatte, war eine Geschichtswerkstatt zu gründen, die mittlerweile ruht, aber die damals eine ganz wichtige Funktion hatte, nämlich diesen steten Wechsel in dem Stadtteil. Die Geschichten, die scheinbar verschwunden, verschwinden und zwar täglich verschwinden. Denen noch mal einen Ort der Erinnerung zu geben. Sichtbarkeit. Wertschätzung. Und das ist, glaube ich, auch noch mal sehr gelungen. Auch diese Geschichtswerkstatt war ein großer Treffpunkt für viele Menschen und ihre Lebensgeschichten und ihre eigenen Erfahrungen. Und ich denke auch, ich denke es, ich weiß es, dass die Kulturwerkstatt mittlerweile auch dieser Ort ist für den Stadtteil, wo wirklich die Senioren hinkommen, wo Familien hinkommen, wo die Menschen wissen, das ist der Ort in meinem Stadtteil, wo ich bin. Sei es zum Mittagessen, sei es einfach zum im Foyer zu hocken, die Hausaufgabe zu machen oder sei es vielleicht beim rumänischen Tanzkurs mitzumachen. #00:11:46-2#
Katharina Mittenzwei: Und kannst du uns einen Blick in das Innere der Kulturläden geben? Nürnberg hat ja mittlerweile zwölf Kulturläden. Die Komfortzone als zwölf mehr oder weniger neue Kulturladen kam dann letztes Jahr dazu. Ich habe jetzt den Eindruck, so von außen auch die Vernetzung zwischen den einzelnen Kulturläden in den unterschiedlichsten Stadtteilen, Quartieren und gesellschaftlichen Zielgruppen ist auch ganz, ganz wertvoll. Auch für die für dann die Schaffung dieses neuen Kulturladens gewesen, oder? #00:12:17-2#
Stefanie Dunker: Ja, die Kulturläden haben durch diese Vernetzung ist ihnen gelungen, eine ganz hohe Qualität zu entwickeln. Also da sind einfach Expertisen. Wenn du so ein großes Team vor einem hast, dass ich zwar auf Stadtteile verteilt ist und natürlich immer wieder in Austausch steht und sich gemeinsam Aufgaben setzt, sei es jetzt in dem Bereich Antirassismus, Arbeit, sei es in dem Bereich Nachhaltigkeit, sei es in dem Bereich Stadtteil Kulturarbeit kann man natürlich Qualitäten zusammen erreichen, die eine einzelne Einrichtung allein von der mangelnden Manpower nie erreichen kann. Ich glaube, das ist eine große Qualität der Kulturläden, da dieses Wissensmanagement und die Qualitätssicherung zu haben und auch die stete Weiterentwicklung immer wieder sich weiter zu entwickeln. Ich sage ja auch immer Soziokultur ist work in progress. Das, was vor ein paar Jahren war, muss sich weiterentwickeln, weil die Gesellschaft sich ja auch weiterentwickelt. Die Bedarfe. Wir stützen uns da sehr und tauschen uns aus. Also ich denke, das ist, das ist so eine gesellschaftliche Normalität, glaube ich auch in Nürnberg. Ich finde das ganz verrückt. Ich glaube, wir Nürnberger und Nürnberger können uns Stadtteile ohne Kulturläden in der Form gar nicht vorstellen. Ich bin jedes Mal verblüfft, wenn ich in anderen Städten bin und merke, was da fehlt. #00:13:33-5#
Katharina Mittenzwei: Tatsächlich, Das kommt mir auch immer wieder in den Sinn, wenn jetzt auch von der Zukunft des Kulturreferats gesprochen wird. Es ist unklar, wie das ausgeht, ob das Kulturreferat möglicherweise dem Schulreferat unterstellt wird. Dass es dieses Gerücht ist längst kein Geheimnis mehr, dass stand schon in diversen Zeitungen etc.. Ich denke, auch das wäre ein ganz, ganz großer Verlust für Nürnberg dieses obligatorische, diesen gewonnenen Charakter zu verlieren oder in seiner Bedeutung herabzusetzen. #00:14:03-1#
Stefanie Dunker: Ja, also ich denke, wir hatten die Kulturläden, hatten ja jetzt letztes Jahr 50 Jahre Jubiläum und da sind ja viele Kolleginnen und Kollegen auch aus den anderen, aus dem ganzen Bundesgebiet angereist. Und da gab es wirklich große Wertschätzung, auch große Wertschätzung darüber, dass es städtische Einrichtungen sind. Und ich glaube, dass viele auch davon profitieren können. Und es sind, die Kolleginnen und Kollegen sind ja auch bundesweit immer wieder in guten Netzwerken drin. Was wir in Nürnberg da erarbeitet haben in diesen 50 Jahren und auch weiter arbeiten werden. #00:14:43-1#
Katharina Mittenzwei: Jetzt hast du, wie eingangs ja auch schon erwähnt, den Kulturläden ja mehr oder weniger den Rücken gekehrt hat, sicherlich noch dieses Netzwerk, von dem du stark profitierst. Aber du leitest jetzt das Künstlerhaus und das Künstlerhaus ist für mich so ein Ort mit wahnsinnig viel Geschichte. Also 1910 bereits eröffnet. Dann viele, viele Jahre, dann aber später kennen es ganz viele von uns noch als Komm ist teilweise auch noch sehr an den in der kollektiven Erinnerung durch die Massenverhaftungen 81 wir hatten dazu sogar eine Kontaktaufnahme mit der Christa Putz Mühlen von Omas gegen Rechts, die als Zeitzeugin und auch Verhaftete da sehr intensiv daran erinnert. Es gibt einen Film von der Werkstatt, der das Künstlerhaus noch mal aus der Perspektive beleuchtet, denn der ist nicht ganz aktuell, aber super zu empfehlen. Und jetzt, großer Cut, ist das Haus ganz neu eröffnet worden, 2024, eigentlich 2025. Völlig im neuen Kleide steht es da. Grundsätzlich aber mit einer ganz, ganz geschichtsträchtigen Charisma, das es mit sich trägt. Meine Frage an dich Du hast jetzt neu angefangen. Für was soll dieser Ort auch in Zukunft immer wieder stehen? #00:16:01-8#
Stefanie Dunker: Ich glaube, der Ort, wie ich ihn jetzt gerade erlebe und wie ich ihn natürlich jetzt nur als Kollegin und Besucherin die letzten 30 oder vielleicht 35 Jahre erlebt habe, ist für mich ein Ort, der sich immer wieder neu erfinden darf und kann. Aber der eine Konstante hat nämlich den, dass das ermöglichen. Also ich erlebe den Ort als einen Ort, der unglaublich etwas Einzigartiges hat, nämlich die Werkstätten. Wir haben vorhin über die Kulturläden und die Einzigartigkeit gesprochen. Die Werkstätten im Künstlerhaus, vielleicht weil sie im Keller sind, werden manchmal übersehen, welche Bedeutung sie haben, sei es jetzt vom Werk und aber vor allem auch die offenen Werkstätten, das Selbermachen, das Aktiv werden, selbst auch Verantwortung übernehmen, für diese Werkstatt Zugänge schaffen und gleichzeitig aber auch ein Ort, wo Initiativen selber veranstalten können. Musikverein, Kulturkellerei, aber auch Partner der freien Szene sind also hier ganz stark das Thema ermöglichen, ganz stark das Thema selber aktiv werden. Und das ist ja im Grunde auch vielleicht nicht mehr die Vollversammlung, wie wir sie aus den Anfang der 90er noch erleben konnten, wie so ein Haus sich damals organisiert hat. Aber es ist für mich ein Stück Demokratisierung von Kultur nach wie vor. Und das ist meine Vision. Natürlich bewahren. Also das nie aus den Augen verlieren. Das ist kein Konsumhaus, wo ich hingehe, wo ich auch natürlich hingehe und sage ich hab einen schönen Tag gehabt. Ich habe ein schönes Konzert gehabt, aber es ist erst mal ein Haus der Möglichkeiten. #00:17:39-1#
Katharina Mittenzwei: Ja, du hast es jetzt schon so aufgezählt, dieser Ort, der steht ja wirklich für Heterogenität in der Gesellschaft und für Ermöglichung. Wie gelingt da eine konkrete Zielgruppenansprache und und so eine, so eine barrierefreie Zugänglichkeit, wenn dieser Ort so heterogen ist? #00:17:56-0#
Stefanie Dunker: Da beschreibst du tatsächlich eine Herausforderung. Ich glaube, dass viele Nutzer, die in dem Haus sind, nicht wirklich Einblick haben. Was in dem Haus stattfindet, ist in seiner Vielfalt manchmal vielleicht auch unübersichtlich oder lädt nicht zu allen Bereichen gleichermaßen ein. Ich glaube, das ist etwas, wo ich gerne mit meinem Team daran arbeiten möchte, da auch wieder neue Transparenz reinzubringen, einen neuen Einladungscharakter haben. Und natürlich und das muss sich jedes Kulturzentrum gerade kritisch fragen ist es wirklich? Erreichen wir wirklich alle? Wobei ich das finde ich übrigens der spannendste Diskurs Wer sind denn hier gerade alle? Und können wir den Anspruch in unserer heutigen Zeit überhaupt so erfüllen? Und wollen wir ihn auch so erfüllen? Aber wo sind da die Grenzen? Aber das Haus, wie sich glaube ich, alle Einrichtungen und sogar außerhalb der Soziokultur ja fragen müssen welche gesellschaftliche Relevanz haben wir und wen erreichen wir und wer? Wer kann bei uns partizipieren? Diese kritische immer wieder selbst Hinterfragung. Und das auch genau hinzuschauen und auszuwerten und dann Anstrengungen zur weiteren Öffnung. Ich glaube, dieses das muss ich auch so ein Haus wie das Künstlerhaus auch mit der Geschichte immer wieder fragen. #00:19:11-1#
Katharina Mittenzwei: Ja, hast du denn den Eindruck, dass diese Eklektik aus Subkultur da gibt es du hast es erwähnt, die die Werkstätten, Es gibt ein Kino, es gibt verschiedene Musikveranstaltungen, aber auch der Begriff der Kunst ist ja ganz, ganz wichtig, auch für die Nürnberger Kunstszene. Da steht dieser, diese Subkultur irgendwie auch manchmal der Institution, der städtischen Institution im Wege. Oder andersrum Steht die städtische Institution der Subkultur im Wege, beißt sich diese Vereinigung auch ab und zu? #00:19:44-2#
Stefanie Dunker: Auch das ist eine wirklich sehr spannende Frage. Da hatte ich ich hatte schon fast. Also ich habe mir die Frage auch gestellt, immer wieder. Ich habe sie mir übrigens auch für die städtischen Kulturläden immer wieder gestellt. Warum haben wir in Nürnberg die Konstruktion, wenn Hermann Glaser doch eine Demokratisierung von Kultur wollte? Und wenn ich jetzt an das Künstlerhaus denke, ist es ein Sowohl als auch. Also sowohl auf der einen Seite sage ich Wir haben eine Veränderung im Ehrenamt, wir haben eine Veränderung, dass Menschen in vielen Vereinen nur noch punktuelle Verantwortung übernehmen wollen. Ich glaube, dass sie an der Stelle diese städtische Struktur in dem Haus einen großen Dienstleistungsscharakter hat eine große Beständigkeit und eine Kontinuität gewährleistet. Ich meine, viele freie Zentren, die auf Vereinsbasis sind, haben Probleme, überhaupt noch Vereinsvorstände zu finden. So ein großes Haus, das ist halt auch eine richtig große Verantwortung und es ist eigentlich ehrenamtlich kaum zu stemmen. Also das sind einfach auch Abläufe, Anforderungen an Professionalisierung in den letzten Jahren so gestiegen. Das hat jetzt mit Nürnberg gar nichts zu tun. Das ist bundesweit nichts anderes. Und in der Beziehung stellt sich die Frage einer Selbstverwaltung, wie wir sie vor 30 Jahren hatten, an der Stelle überhaupt nicht mehr. Die Frage aber wo beißen sich manchmal Strukturen? Ich glaube, das ist ja so was, was Kultur immer zu tun hat. Welche Regeln, Regeln sind immer mehr geworden, Auflagen sind immer mehr geworden. Was ist vom Brandschutz, von Sicherheitsfragen, von was auch immer. Und das ist natürlich für ehrenamtliche Aktivität manchmal sehr schwer, sich da einzufinden. Und wenn ich jetzt an unser Haus denke und das Haus ist groß. Aber ehrlich gesagt, das Team ist klein. Wir sind darauf angewiesen, dass alle Abläufe gut laufen, dass da kein Sand im Getriebe ist. Sonst kommen wir da ganz schön ins Straucheln. Auch das ist natürlich. Dann gibt es da schon Reibungen, dass jemand mehr Freiheiten bräuchte, als wir gerade den Raum bieten können. Nicht weil wir nicht wollen, sondern weil es einfach strukturell in den Abläufen nicht leistbar ist. #00:21:45-6#
Katharina Mittenzwei: Jetzt muss man ja sagen, bist du ja eine der Koryphäen der Soziokultur in Nürnberg. Du warst 14 Jahre aktives Mitglied im Vorstand des Bundesverbandes Soziokultur und hast das ja eben wie gesagt auf IG einfach ganz stark vorangetrieben. Kannst du uns einmal erklären, inwieweit sich da jetzt die Dimension von Soziokultur im Künstlerhaus vielleicht anders darstellt? Aus meiner Außenperspektive ist doch möglicherweise ein Kulturladen sehr viel Bevölkerungs Nachbarschaftsnähe als das Künstlerhaus, das als als solches schon als Haus so mächtig dasteht und möglicherweise eine größere Distanz zur Zivilgesellschaft hat und dementsprechend jetzt aus meiner Außen Außenperspektive Soziokultur auf einer etwas distanzierten Ebene lebt. Ist das richtig oder wie? Was sagst du dazu? #00:22:42-1#
Stefanie Dunker: Also dem würde ich jetzt schon widersprechen. Weil was ich in diesen sechs Wochen in dem Haus erlebt habe, ist wirklich auch eine große Vielfalt an Menschen. Es ist natürlich kein Stadtteil Laden, auch wenn vielleicht der Slogan Kultur im Zentrum doch auch einen Ort beschreibt, nämlich dass wir im Stadtzentrum in der Innenstadt sind. Und sicher könnte ich mir auch vorstellen, dass wir das Thema Innenstadt auf alle Fälle auch in dem Haus irgendwo thematisch aufgreifen sollten oder könnten in der nächsten Zeit. Aber wir sind natürlich ein Haus der Vielfalt. Und ich, wir haben vielleicht jetzt keine Mutter Kind Gruppe im Haus, aber wir haben ansonsten eigentlich ganz schön viele Generationen im Haus. Das fängt mit Bergbund an, wo Jugendliche nach der Schule ihre Orientierung bekommen, wo es für sie vielleicht im kulturellen Bereich weitergehen könnte. Es geht weiter bis zum Seniorenchor. Also Spektrum ist da. Und dann hast du natürlich auch die ganzen Partner. Türkei Filmfestival, Griechisches Filmfestival. Also du hast gerade auch in dem Filmbereich sehr viel Kooperationspartner aus dem migrantischen, aus dem migrantischen Communitys dieser Stadt. Also dieser Anspruch kriegt jeder Nürnberger und jede Nürnbergerin die Kultur, die sie möchte. Ich glaube, für diese kulturelle Grundversorgung leistet dieses Haus enorm viel. #00:23:58-3#
Katharina Mittenzwei: Welcher Faktor spielt dabei? Die zufällige Begegnung? Weil diese zufällige Begegnung vielleicht hole ich ganz kurz aus ist für uns als Bildungszentrum ein ganz wichtiger Faktor, um Orte so als soziale und vernetzende Gesellschaftsräume zu ermöglichen. Und unsere Kurse im Bildungszentrum oder auch die Veranstaltungen sollen auch die Möglichkeit geben, überraschende Treffen zwischen Menschen zu ermöglichen, die sonst möglicherweise nicht zustande gekommen wären. Ist das. Spielt das bei euch auch eine Rolle? Und wie kann man das? Wie kann man das möglicherweise auch räumlich beeinflussen? #00:24:35-0#
Stefanie Dunker: Das ist etwas, was ich früher an dem Künstlerhaus immer sehr bewundert habe. Dass es da gerade im Hinterzimmer diesen Ort der Begegnung gab, wenn alle über ihren Schweinebraten saßen. Heute wird es natürlich der Schweinebraten in Zeiten. #00:24:48-2#
Katharina Mittenzwei: Das vegane Schnizel. #00:24:50-2#
Stefanie Dunker: Vegane, ja das wird des vegane Schnitzel sein. Das ist eine gute Frage. Ich sehe in dem Haus immer noch viele Orte der Begegnung. Ich sag mal, dieses Cafe, wo es einen Ort gibt, wo kein Konsumzwang ist. Dieser zwei eins. Ich weiß, dass meine Kolleginnen und Kollegen sich mehr Orte wünschen dieser Art, das ist in dem Haus natürlich, Das aus lauter Fluchtwegen besteht. Manchmal ganz schön schwierig. Wo könnten diese Aufenthaltsorte sein? Ich glaube aber trotzdem, dass es gut tut, da auch immer wieder den Blick darauf zu werfen. Wo könnten diese Orte der Begegnung sein? Wo könnten die Orte sein, die ohne Konsumzwang funktionieren? Und dann bietet natürlich das Haus unglaublich viel Treffpunkte. Sei es jetzt die ganzen Chöre, sei es jetzt Tango Verein, der sich am Sonntagabend zu einer öffentlichen Veranstaltung trifft, wo ja ganz unterschiedliche Leute kommen, aber auch wiederum die Werkstätten als offene Treffpunkte. Aber wo ich dir Recht gebe wir das ist so ein Thema, was mich auch in der Soziokultur allgemein immer wieder beschäftigt und vor allem auch in der Kulturladenarbeit. Solche Begegnungen fallen nicht wirklich vom Himmel. Also da braucht es auch Begleitung. Wir alle neigen ja dazu, dass wir gerne in unserer Komfortzone bleiben, unsere Community bleiben. Ich erlebe das oft, wenn man ein Stadtteilfest zusammen macht oder ein Tag der offenen Tür. Das ist, glaube ich, da auch sozusagen die professionelle Begleitung braucht, dass man Dinge so baut, sei es nun die Organisationsstruktur für ein Event oder sei es ein Ablauf von Fest, das ist halt kein Nebeneinander ist, sondern dass man wirklich sozusagen eine Form findet, wo miteinander an etwas gearbeitet wird. Und wir alle sind ja erst mal in unserer eigenen Blase, was sehr viel bequemer ist. #00:26:31-8#
Katharina Mittenzwei: Ja, das ist ganz klar. Also ich denke auch, dass dieser organisierte Zufall, der der kann klappen muss, aber auch gar nicht unbedingt immer. Und außerdem kann organisierter Zufall ja auch möglicherweise etwas verursachen, was gar nicht unbedingt positiv ist. In den wenigsten Fällen ist das so, aber manchmal passiert das schon. Wir beobachten das, und ich glaube, die Kulturläden, die sehr viel barrierefreier sind als jetzt wir als Bildungszentrum. Zu unseren Kursen muss man sich anmelden und es gibt eine TeilnehmerinnenListe etc. Bei euch in den Kulturläden oder jetzt auch im Künstlerhaus ist das natürlich um einiges barrierefreier. Man beobachtet in unserer Szene, also in der Kulturszene. Ich bezeichne das jetzt mal so ganz allgemein immer wieder, dass wir stark daran arbeiten müssen, eine wehrhafte Demokratie zu bleiben. Gerade wenn so unterschiedliche Menschen aufeinandertreffen mit möglicherweise ganz unterschiedlichen Grenzen, ganz unterschiedlichen Kommunikationsgewohnheiten, mit ganz unterschiedlichen, auch politischen Einstellungen. Wie gehst du da im Künstlerhaus mit dieser Herausforderung um, die immer dringlicher wird? #00:27:40-3#
Stefanie Dunker: Da sprichst du natürlich ein Thema an, wo wahrscheinlich ein Bildungszentrum tatsächlich manchmal noch mehr Vielfalt abspricht, weil ein Englischkurs wollen alle machen oder den Malkurs. Ich denke, dass wir als Kultureinrichtungen aus der Soziokultur kommt, natürlich immer noch, auch nach 50 Jahren. Von manchen Menschen für manche Menschen weniger attraktiv erscheinen. Und doch gibt es Anlässe, wo alle zusammenkommen und wir uns auch bemühen, dass alle zusammenkommen können. Wobei jetzt? Klammer auf. Wer ist jetzt hier alle? Ich glaube, es gibt da auch einen Rahmen, der vorgibt, dass Menschen dann willkommen sind in unseren Häusern, wenn sie sich an die Standards des Miteinanders, des respektvollen Handelns, Miteinanders halten, wenn Menschenrechte eingehalten werden, wenn es keine Diskriminierung oder Herabsetzung von Menschen oder bestimmten Gruppen gibt. Das ist, glaube ich, der Rahmen, der vorgegeben ist. Und in diesen Rahmen, diesen demokratischen Austausch zu gestalten, das ist eine große Herausforderung. Und ich glaube, das haben wir auch in den letzten Jahren auch vielleicht sogar als Gesellschaft verlernt. Anders kann ich mir den Stil des Diskurses, der mancherorts gepflegt wird, nicht mehr erklären. Dass wir es verlernt haben, einen demokratischen Diskurs auszuhalten. Ich glaube, da war früher das Künstlerhaus tatsächlich eine gute oder das KOMM als ein Ort, wo das gelungen ist, dieses Format in der Form auch das breite Spektrum, also die Kollegen haben mir erzählt, da war dann auch die Junge Union bei der Vollversammlung und natürlich auch die Linken und alle möglichen. Diese Orte haben wir nicht mehr so, ich weiß auch nicht, ob es gelingt. Ich glaube nicht, dass wir als einzelne Kultureinrichtungen so einen gesellschaftlichen Trend, den den jetzt umdrehen können. Aber wir können Nischen schaffen, wo wir im Kleinen praktizieren können, wie wir Vielfalt auch aushalten, wie wir mit unterschiedlichen Haltungen aushalten. Und ich würde mich freuen. Ich bin jetzt erst seit sechs Wochen da mit meinem Team oder seit ein paar Wochen da mit meinem Team. Da an dem Thema zu arbeiten und mache mir da auch viel Gedanken. Es gibt ja auch viele Demokratieforen. Es gibt Formate, wo Communitys, Stadtteile oder Menschen, die Interesse haben am politischen Diskurs, miteinander ins Gespräch kommen in der moderierten Form. Ich glaube, wir müssen solche Austausche moderieren, weil wir es verlernt haben, es anständig miteinander auszuhandeln. #00:30:15-7#
Katharina Mittenzwei: Hast du das KOMM erwähnt? Das war ja vor etlichen Jahrzehnten auch einfach ein selbstverwaltetes Jugendzentrum und hatte da auch einfach andere Vorgaben. Jetzt sind wir 2026 und es ist vom sogenannten Neutralitätsgebot die Rede, was ja auch in der Kulturarbeit immer wieder stark diskutiert wird. Wie glaubst du, können wir Programme gestalten, die aber eben diese wehrhafte Demokratie stärken? #00:30:40-6#
Stefanie Dunker: Du sagtest gerade das Neutralitätsgebot, das haben wir als öffentliche, als städtische Einrichtung und das ist auch richtig so, weil ich glaube, es braucht diese Moderatorinnen und Moderatoren für solche Prozesse. Aber wir sind ja nicht wirklich neutral. Also ich habe es ja auch gerade schon gesagt, wir sind uns ja den Menschenrechten verpflichtet, wie sie uns dem Leitbild dieser Stadt verpflichtet. Wir sind uns einem respektvollen Miteinander an der Antidiskriminierung und gegen Volksverhetzung verpflichtet. Das allein ist ja auch schon mal ein Standpunkt. Dementsprechend sind wir nur bedingt neutral. Und ich habe jetzt leider auch gerade keine Antwort, sozusagen als Format. Und damit werden wir das schaffen. Ich glaube, wir müssen viel Anstrengung und ich denke, euer Podcast ist ja auch schon mal so ein Weg. Wie kann ich überhaupt wieder über Inhalte reden, wie kann ich Haltungen oder Standpunkte vielleicht äußern? Vielleicht gibt es da auch noch mal interaktivere Formate, wo man sowas mal ausdiskutieren könnte. Ich habe da jetzt auch noch nicht die Lösung, aber ich wünsche mir manchmal mehr Mut. Ich wünsche mir mehr Mut, dass wir mehr Mut und auch die Zeit, dass wir die Kompetenz entwickeln können, solche Prozesse auch zu moderieren und uns darauf einzulassen. Ich persönlich habe im Moment weniger Angst, Das ist eine, ähm, dass wir von Rechten überrannt werden in den Häusern oder Einrichtungen. Ich habe eher die Angst, dass es uns. Dass es Entwicklungen gibt, wie ich sie zum Beispiel jetzt in Niedersachsen beobachtet habe, wo es dann Anträge gibt, dass die Zuschüsse für die Soziokultur einfach gestrichen werden und dass dann zugunsten von Traditionspflege und Heimatverein verwendet wird. Es war ein Entscheidungsvorschlag im Landtag. Da kam natürlich nicht durch. Aber es zeigt, in welche Richtung es geht. Das macht mir mehr Sorge, dass sozusagen die Grundlage, das gar nicht die Auseinandersetzung mehr. Oder wo ist der wo ist der politische Diskurs das Thema sein wird, sondern wo ist überhaupt noch die Grundlage, dass wir diesen Ort bieten können? #00:32:51-1#
Katharina Mittenzwei: Lass uns doch mal zurückgehen zum Diskurs der Soziokultur. Was können denn klassische Institutionen? Damit meine ich jetzt beispielsweise Museen von Orten der Soziokultur lernen. #00:33:06-6#
Stefanie Dunker: Sie haben ein Fachgebiet. Das ist wirklich mein Fachgebiet. Ich war da eingeladen beim Museumsbund zum Vortrag und genau zu dem Thema, die sich mit dem Thema Resilienz beschäftigt haben und den Bundesverband eingeladen haben, um die Erfahrung der Soziokultur einzubringen. Weil die Soziokultur tatsächlich, was dieses Thema anbelangt, sehr resilient ist. Warum sind sie resilient auf der einen Seite oder was kann man von der Soziokultur lernen? Die Soziokultur ist durch ihre Organisationsformen. Wir reden ja immer von New Work und Agility. Und wir reden jetzt alle auf Augenhöhe. Das hat ja sie Soziokultur schon immer gemacht. Also auch wenn sie vielleicht im Verein als Verein organisiert sind oder als GmbH oder wie als Städtische ist ja das Miteinander vor Ort immer auf Augenhöhe, oder alle werden gehört bei Entscheidungen, die die Arbeitshaltung des Miteinanders. Ist das, was man heute agiles Arbeiten nennt. Es sind flexible und schnelle Entscheidungen möglich. Es ist ein work in progress. Das heißt, wir sind sehr nah dran. Durch die gute Vernetzung, die vielen Kooperationspartner, den vielfältigen Gruppen, die in diesen Häusern der Soziokultur aktiv sind. Sehr nah dran an dem Puls der Gesellschaft. Welche Themen sind da? Stehen da gerade dran? Die stadtteilorientierten Einrichtungen natürlich noch sehr viel näher an den Stadtteilen dran. Aber ich glaube, ich kann jetzt wirklich für alle soziokulturellen Einrichtungen sprechen. Das heißt, man kann Themen sehr viel schneller umsetzen. Ich bin jetzt nicht wie ein Museum oder eine andere Einrichtung oder vielleicht ein Staatstheater, wo ich über ein ganzes Jahr schon irgendwie meinen Spielplan fertig habe. Ich finde, in der Soziokultur bin ich schneller im Reagieren. Ich erinnere mich in der Werkstatt, als der Ukrainekrieg ausgebrochen ist, haben wir relativ schnell einen Benefizabend mit sehr viel Künstlern. Mit einer Liveschaltung zu einer Band nach Kiew mit den russischen und ukrainischen Moderatorinnen organisieren können. Das ging relativ schnell. Warum ging das so schnell? Weil wir unglaubliche Netzwerke hatten in die Communities, auch in die ukrainischen und in die russischen Communities. Das ist übrigens ein schönes Beispiel. Da ist es gelungen, sozusagen Brücken zu bauen. Was kann man noch von der Soziokultur lernen? Im Grunde auch der Anspruch, immer demokratisch zu sein. Also dieses Möglichungsräume schaffen. Dieses selber ausprobieren dürfen. Ich glaube, das ist auch ein Stück weit wirklich eine gute Sicherung für das, was kommt und muss man auch sagen, auch mit prekären finanziellen Situationen zurechtzukommen. Das ist jetzt nichts, worauf man wirklich stolz sein kann, weil man hat es sich ja nicht ausgesucht. Man hätte sich ja auch gern einfacher gehabt und wünscht sich es auch in Zukunft einfacher. Aber die Soziokultur hat von Anfang an damit lernen müssen, mit Not und finanzieller Not oder Ressourcennot auszukommen und hat dann eine hohe Leidensfähigkeit entwickelt, auch mit einer großen Selbstausbeutung, was die Eingruppierung an die Arbeitsbedingungen anbelangt. Aber es könnte jetzt in Zukunft vielleicht auch eine Überlebenschance sein. #00:36:12-7#
Katharina Mittenzwei: Ja, und jetzt Blick auf Nürnberg. Welche Baustellen oder blinden Flecken sprechen wir in Nürnberg immer noch zu selten an? #00:36:20-7#
Stefanie Dunker: Das kann es nur eine persönliche Meinung von mir sein, muss ich an der Stelle ganz deutlich sagen. Ich bin jetzt nicht die Bürgermeisterin und es steht mir auch nicht an, über Kulturpolitik zu urteilen. Ich kann jetzt hier nur Wünsche äußern oder was ich glaube, was ich mir mehr wünschen würde. Ich wünsche mir manchmal noch stärker, das hatten wir in dem Bewerbungsprozess für die Kulturhauptstadt war das Thema kurz mal aufgeploppt. Transparenz in der Förderpolitik. Ich bin jetzt ja schon sehr lange dabei und ich kenne noch den Alternativtopf und ich war. Ich weiß, mit vielen, die damals im Alternativtopf mit mir mit Initiativen waren, war das Thema so was bräuchte es eigentlich wieder. Und damit die junge Generation eigentlich die gleiche Chance hatten wie wir in den Neunzigern neue Initiativen Ideen zu etablieren. Damals ist zwar Geschichte für alle der Frauennotruf, aber auch Kultureinrichtungen damals in diesen Alternativtopf. Und es gab eine wunderbare Vernetzung. Also das würde ich mir manchmal wünschen, dass wir da wieder so ein so ein Forum haben, wo wir jungen neuen Initiativen mehr Raum geben können. Da. Und das Gleiche aber auch, dass es eine Form gibt, wo wir wieder mehr im Austausch kommen, dass diese Szenen weniger separiert sind. Das wäre für mich etwas. Ich bin sehr gespannt, was wir in der Kongresshalle haben als Ermöglichungsraum. Ich denke, das ist schon mal ganz spannend, dass man da wirklich die Rufe der freien Szene da sehr ernst genommen hat. Was wünsche ich mir noch für Nürnberg? Mut. Mut. Gerade im Thema Wie viel Demokratie halten wir aus? #00:38:06-3#
Katharina Mittenzwei: Ja, angenommen, du sprichst jetzt mit einer Person, die gerade anfängt einen Kulturstandort Standort der Soziokultur aufzubauen, Was würdest du dieser Person aktuell raten? #00:38:19-1#
Stefanie Dunker: Ja, Leidenschaft braucht man auf alle Fälle. Und Leidenschaft hat ja immer auch was mit der eigenen Motivation zu tun. Trotzdem würde ich dir raten, habe das Ohr offen für das, was die Leute brauchen. Ich habe zu oft erlebt, gerade bei partizipativen Projekten, dass eine Künstlerin oder ein Künstler eine Idee hat von irgendeinem tollen Mitmachprojekt und dann verblüfft ist, dass die Leute keine Lust haben. Also es sind immer so sozial romantische Vorstellung, dass alle nur darauf warten, dass man jetzt mit einer tollen künstlerischen Idee kommt. Das ist nicht so, sondern wirklich. Geh hin, höre zu, nimm dich mal zurück und guck, was die Leute brauchen. Dann wirst du oder was die Stadt braucht oder was andere Initiativen brauchen, immer zu sagen Ich bin in einem Netzwerk von vielen. Ich bin nicht allein in dieser Stadt. Und das ist schon mal der erste Weg. Ich glaube, um auch viele Mitstreiter und BefürworterInnen zu finden und dann vielleicht auch einen Ort zu schaffen, der eine hohe Akzeptanz hat. Ansonsten sich gut auszutauschen, vielleicht auch, sich zu beraten in der Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultur. Man muss nicht alles selber neu erfinden. Da gibt es eine große Expertise und eine große Bereitschaft, auch in diesem Netzwerk Wissen zu teilen. #00:39:31-9#
Katharina Mittenzwei: Klasse, herzlichen Dank! Jetzt noch ganz zum Schluss. Das Jahr hat gerade angefangen. Wir sind in 2026. Gib uns doch noch mal ein paar Tipps oder lade uns ein ins Künstlerhaus. Was steht an? #00:39:45-9#
Stefanie Dunker: Ja, das Jahr beginnt ja für mich schon mal ganz toll, nämlich mit der großen Sing-in Gala am 10. Januar. Ich hoffe, das schafft ihr alle noch. Dann geht es auch gleich weiter. Mit Art of Chess ist eine Reihe, die monatlich ist, zusammen mit dem Studio. Ich finde die immer ganz toll. Tolle Künstler, Künstlerinnen. Ja, es kommt darauf an, wie alt ihr seid. Es gibt eine ganz großartige Mittagslesung, die wir zusammen mit dem Bildungscampus der Stadtbibliothek machen. Immer Mittwoch, Donnerstag, Freitag, mittags ist. Und dann gibt's natürlich auch im März noch mal ein Klassiker, den gerade die Älteren der Zuhörerinnen und Zuhörer vielleicht kennen. Blues Will Eat. Die 31. Ausgabe dieses Festivals am 28. März. Ja, und wer selber was mit den Fingern machen will, kann ich nur einladen zu den Werkstätten im Haus. Es gibt eine Autowerkstatt, es gibt eine Schmiede, es gibt eine Siebdruckwerkstatt, es gibt eine Töpferwerkstatt, also eine Schreinerei. Es ist wirklich unglaublich. Dinge, die keiner zu Hause zu seinen Hobbykeller haben kann. Dort ist es möglich, mit einer Anleitung keinen Kurs, aber mit erfahrenen Werkstattleitungen, die einfach auch mal einen Tipp geben können. #00:40:52-5#
Katharina Mittenzwei: Wow. Und es wird im nächsten Jahr nicht langweilig. Ganz herzlichen Dank, Stefanie Dunker. Wir haben ganz viele, oder? Ich habe ganz viele Impulse bekommen aus verschiedenen Perspektiven und freue mich tatsächlich auf den einen oder anderen tollen Besuch im Künstlerhaus und bedanke mich ganz herzlich für dieses Gespräch. #00:41:13-6#
Stefanie Dunker: Ja, danke Katharina, danke für die Einladung und gerne lass uns noch weiter über das Thema Demokratie und wir können das Leben nachdenken. #00:41:21-5#
Dieses Projekt/Diese Maßnahme/Initiative leistet einen wichtigen Beitrag, Nürnberg schrittweise inklusiver zu gestalten. Es/Sie ist Teil des Nürnberger Aktionsplans zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK). Den Ersten Aktionsplan hat der Nürnberger Stadtrat im Dezember 2021 einstimmig beschlossen. Um die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit und ohne Behinderung in Nürnberg zu verwirklichen, wurden und werden umfangreiche Maßnahmen entwickelt und umgesetzt. Weitere Informationen finden Sie unter www.inklusion.nuernberg.de.

Kultur braucht Mut: Räume öffnen, Widerspruch zulassen, Demokratie leben – ein Gespräch über das Miteinander und die Ermöglichung
Was passiert, wenn Kultur nicht nur Programm ist, sondern demokratische Praxis?
In dieser Folge von KontaktAufnahme sprechen wir mit Stefanie Dunker, der neuen Leiterin des Künstlerhauses Nürnberg, über Kulturorte als soziale und politische Infrastruktur.
Es geht um das Schaffen von Räumen, in denen Menschen sich begegnen, widersprechen, ausprobieren und gemeinsam Stadt gestalten können.
Stefanie Dunker erzählt von ihren Erfahrungen aus der Soziokultur – von Stadtteilläden, offenen Werkstätten und der Frage, wie niedrigschwellige Kultur Teilhabe wirklich ermöglicht.
Gemeinsam blicken wir auf das Künstlerhaus als Ort mit Geschichte, Transformationskraft und neuem Herzschlag nach der Sanierung. Wie kann ein Kulturhaus demokratische Werte im Alltag leben und welche Rolle spielen Zufälle und Atmosphäre in lebendigen Kulturorten? Was braucht es, damit Kultur auch in politisch raueren Zeiten offen, verbindend und widerständig bleibt?
Ein Gespräch über Kunst, Stadtgesellschaft und die Verantwortung kultureller Räume.
Mehr zum Künstlerhaus
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Aufgenommen am: 11. Dezember 2025
Veröffentlicht am: 8. Januar 2026
Moderation: Katharina Mittenzwei
Im Gespräch: Stefanie Dunker
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Alle weiteren Folgen von KontaktAufnahme – der Podcast des Bildungszentrums Nürnberg finden Sie hier. Jede zweite Woche, immer donnerstags, veröffentlichen wir ein neues Gespräch.
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