Patricia Litten, wie erinnert man, wenn es weh tut?

Ansage: Kontaktaufnahme. Der Podcast des Bildungszentrums Nürnberg. #00:00:10-9#
Hannah Diemer: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Kontaktaufnahme. Mein Name ist Hannah Diemer und ich freue mich heute wirklich riesig, eine von meinen Lieblingsfrauen aus Nürnberg hier im Gespräch begrüßen zu dürfen, die so unglaublich beeindruckend ist und so ein engagiertes Leben führt, die auch leider würde ich sagen, aus einer sehr spannenden Familie kommt. Und ich bedanke mich ganz herzlich bei Dir, Patricia Litten, dass du im Podcast bist und deine Geschichte heute mit uns teilen wirst. Herzlich willkommen! #00:00:46-9#
Patricia Litten: Ja, Hanna, jetzt bin ich ja schon so beschämt. Muss ich eigentlich gleich nach Hause gehen. Das kann ich ja gar nicht erfüllen. Die Latte hängt so hoch. Ja, ich freue mich auch, dass du mich hier eingeladen hast. Bin auch sehr gespannt und bin tatsächlich auch immer ein kleines bisschen aufgeregt, weil man ja nicht vor seinem hinter seinem eigenen Anspruch zurückstehen möchte. #00:01:09-2#
Hannah Diemer: Wir sitzen jetzt auf der Dachterrasse der Stadtbibliothek an einem ganz fantastischen Märzvormittag. #00:01:15-9#
Patricia Litten: Ja herrlich. #00:01:17-0#
Hannah Diemer: Uns scheint die Sonne an und bevor wir wirklich anfangen, über deine ganze Geschichte zu sprechen und was Kern dieser Familiengeschichte ist, würde ich dich gerne fragen, was das denn für dich bedeutet, Teil von so einer besonderen Familie zu sein. #00:01:32-6#
Patricia Litten: Mir fällt ad hoc wirklich das Wort Bürde und Riesenverantwortung ein, und Auftrag. Und das sind eigentlich schon drei Begriffe, die eigentlich ganz gut beschreiben. Auch wie es mich immer wieder auch überfordert. Ich habe im Grunde genommen auch schon eingangs gesagt, mit dieser eigenen, mit diesem eigenen hohen, hohen Anspruch. Diesem Erbe gerecht zu werden. Gleichzeitig auch Stolz, wenngleich Stolz natürlich ein Wort ist, was ich sofort auch wieder durchstreiche, weil ich kann nicht stolz auf etwas sein, was nicht meine eigene Leistung ist. Ganz klar. Respekt, Ehrfurcht. Ja, und in diesem Polen birgt natürlich, steckt natürlich auch verborgen Gefahren vor Ehrfurcht, Verstummen. Was ist all das? Das ist da schon mit drin. Aber ich glaube, so die ersten Begriffe, so Bürde, Auftrag. Ja, Verantwortung, auch diese Geschichte zu erzählen, daran zu erinnern, an diese ich sage jetzt beiden auch meine Großmutter ist. Ich wäre ihr so gern begegnet, diesen beiden Menschen, dem Hans Litten und der Irmgard Litten. An die zu erinnern, die einfach im Nebel des Vergessens versunken sind, lange, lange Zeit. Und da ein bisschen dazu beizutragen, dass man zumindest irgendwie sie nicht vergisst. Oder ihr Lebenswerk, also das, was sie uns geschenkt haben an Mut, an Rückgrat, an Positionierung, dass man sich das vergegenwärtigt und vor allen Dingen und auch das eben sich bewusst ist, wie dringend nötig wir solche Menschen haben. #00:03:39-4#
Hannah Diemer: Ab wann hast du denn wahrgenommen, dass deine Familiengeschichte eine andere ist als jetzt von vielleicht deinen Klassenkameradinnen früher in der Schule? Wo hast du das bemerkt, dass da doch eine andere Geschichte dahinter steckt? #00:03:53-1#
Patricia Litten: Das ist eine Frage, die ich die die kann ich irgendwie, die muss ich unterschiedlich beantworten, weil es gab ganz bestimmt die unbewussten Momente bei der kleinen Patricia, die 3, 4, 5 Jahre alt war, die da eigentlich schon gespürt hat, ohne den Vergleich zu haben, weil da war ich ja noch nicht im Kindergarten und da war ich noch nicht in der Schule, wo dieses Vergleichen stattfindet oder das Gewahr werden, dass man eine andere Biografie hat. Das ist ja nicht bewusst. Du gehst ja von etwas aus, was gesetzt ist und das hinterfragst du ja auch nicht. Also ich bin in Luzern groß geworden, in einem Disneyland, ja, Pilatus, Rigi, Vierwaldstättersee. Keine zerbombten Häuser in den 50er Jahren. In Deutschland wäre ich da schon mal ganz anders groß geworden und konfrontiert worden. Und ich kann mich erinnern, dass ich irgendwann mal nach den Großeltern, nach den Eltern von meinem Daddy gefragt, der Bruder vom Hans ist. Und dann hat er halt einfach gesagt die sind beide schon im Himmel, da habe ich noch nichts, da habe ich noch nichts Gefährliches oder Bedrohliches, oder? Das war so, das war auch in Ordnung, weil Omas und Opas sind halt dann irgendwann mal nicht mehr auf der Erde. Das war nicht bedrohlich. Es gab vielleicht einen Einschnitt, einen, einen Moment, wo ich ein erstes Mal gespürt habe Es gibt etwas, was mein Vater in eine solche tiefe Verzweiflung stürzt. Da war ich auch ganz klein noch. Wir waren noch nicht in Zürich, wir waren noch in Luzern. Ergo war ich noch keine fünf Jahre alt. Ich kann das auch wirklich immer nur noch so versuchen, zurück zu folgen. Ich saß auf seinem Schoß. Es war unglaublich kuschelig. Es war wohl eine dunkle Jahreszeit, also irgendwie so Winter. Ich saß auf seinem Schoss und wir haben gekuschelt und es war unglaublich zärtlich und innig. Überhaupt habe ich das Glück, dass ich in so einer Familie groß geworden bin, die sehr zärtlich und liebevoll war. Und ich saß da so, und auf seinem Schreibtisch bogen sich die Blätter und die Skripte und seiner Arbeit, und ich saß da, und es war so ein intimer Moment, den man so teilt mit dem Kind als mit dem Papa. Und da gibt es einen Lampenschirm auf diesem Tisch, der stand da immer. Und in diesem Lampenschirm eingewoben sind zwei Fotos gewesen, das eine eine Kohle Zeichnung, das andere ein Porträt von einer älteren Frau. Und ich frag so: Sag mal Daddy, wer ist das eigentlich? Und diese Frage löste ein Temperatursturz aus von gefühlten 80 Grad. Es war eben gerade noch 38 Grad warm und unglaublich ähnlich und es stürzte ab in einen einen Ort in ein, der so, der so unbehaust war. Der so mich überfordert hat. Es traten Tränen in die Augen von meinem Vater. Und er sagte mit einer großen Zärtlichkeit. Das ist meine Mama. Und das ist mein älterer Bruder. Ich fange wirklich jedes Mal. Haut es mich so um, weil das ist. Das war das Gefühl. Mein Vater ist ergriffen worden, gepackt worden, geschüttelt worden von einer Emotion, die so tief war und so erschütternd war und gespeist war von einer solchen Liebe und Zärtlichkeit und Innigkeit zu diesen beiden Personen und gleichzeitig eine solche tiefe Verzweiflung. Und ich hatte einfach als Kind das Gefühl, ich will ihn da nie wieder hinbringen. Ich habe was ausgelöst. Er hat geantwortet. Es ist nicht so, dass er gesagt hat, stell nicht so dumme Fragen oder so. Er ist darauf eingegangen, aber ich hatte das Gefühl, ich löse was aus. Ich will meinen Daddy da nicht hinbringen. ich will ihn nie mehr so traurig sehen und habe keine Fragen mehr gestellt. Nie mehr. Nie mehr. Das war wie Tabula. Das war einfach. Ging nicht. So, und dann wirst du größer. Du kommst in die Schulen. Du kriegst da schon doch mit. Alleine auch schon aus der Situation heraus. Spießige, dann 60er Jahre ländliche Umgebung, inzwischen in Zürich spießig. Alle Lehrer trugen teilweise noch Kittelschürzen. Ich rieche noch die Kreide an der Wand, die abbricht und quietscht und so und die Kinder hießen alle Gabi, Heidi, Urselund ich hieß Patricia. Das war schon ein Alptraum. Ich hätte so gern auch Gabi geheißen oder Ursel oder so, also ich war schon irgendwie. allein schon. Dann waren meine beiden Eltern Schauspieler, deutsche Emigranten, Flüchtlinge, die Deutsch gesprochen haben. Die haben freilich nicht untereinander Schweizerdeutsch gesprochen. Wieso denn auch? Sie haben einen Beruf ausgeübt, der sie dazu führte, dass sie nachmittags um vier, wenn ich Freundinnen mit nach Hause genommen habe, saßen die zu Hause gemütlich in Anführungszeichen. Und es war einfach irgendwie das andere Terrain. Wir waren irgendwie komplett Tiere im Zoo, also irgendwie beäugt, auch bewundert, aber irgendwie auch mit einer großen. Wir waren anders. Punkt. Das habe ich schon gemerkt. Dann gab es Situationen, wo der Lehrer in der Schule irgendwann vierte Klasse weiß ich auch noch Bevière hieß dieser Unmensch, Pädagoge seines Zeichens, irgendwie eine Addition gemacht hat und dann sagte wer weiß das Ergebnis, was weiß ich, was 23 und 11 sind. Ich wollte das sagen, ich bin dran gegangen und hab gesagt 35, woraufhin er sagte: „Das heisst bi üs 35. Hör uf mit dem verfluächte Schwebä, das chasch denn uf dr Bühn mache.“ Also zum Übersetzen. Hör auf mit diesem verdammten schwäbeln, implizierte Scheißdeutsch. Deutsch gleich Ugly German Moffen. Die Moffen in Holland. Les sales boches, die scheiß Nazis! Also hör auf mit dieser Sprache. Das heißt bei uns 35. Und das kannst du dann auf der Bühne machen. Das heißt, es war auch das Bashing meiner Eltern. Es war einfach ein großes Gelächter. Ich war fortan Freiwild. So, also all das. Das heißt, mir war sehr bewusst, ich bin anders. Ich habe über diese Anekdote, das habe ich nie zu Hause erzählt, weil meine Mutter wäre wahrscheinlich in die Schule gerast und hätte den Herrnv so sich vor die Brust genommen. Das wollte ich nicht. Es wäre mir auch peinlich gewesen. Also Anpassung, Anpassung, nicht auffallen, möglichst brav sein, möglichst still sein, unauffällig sein. Das war so die beste Weise, irgendwie in diesem Klima auszukommen. Dann ein anderer Punkt war mein Haus. Meine Familie war ein extrem politisches Haus. Und in diesem Mehrfamilienhaus, wo wir wohnten, damals in den 60er Jahren in Herrliberg am Zürichsee, ländliche Gegend, war noch eine holländische Familie mit vier Kindern, sie Engländerin, Jüdin. Jan, ein Partisan, der noch bei Tito gegen die Antifaschist, gegen die Faschisten gekämpft hat. Das heißt, wir waren komplette Exoten und es war ein solches Glück, in diesem Haus groß zu werden, weil wir waren uns. Wir waren eine, wir haben uns so geschützt und so einen Raum gegeben. Und ich bin natürlich, dass ich auch holländisch, Englisch und was weiß denn ich, was groß geworden, das ist alles nicht mein Verdienst. Es ist ein Geschenk des Lebens. Ich muss es wirklich sagen. Und in diesen politischen Diskussionen, wo immer viel Rotwein floss und es manchmal auch sehr laut wurde und natürlich auch ganz viele Exilanten bei uns am Tisch saßen, wunderbare Schauspielerinnen. Und so weiter und so fort, die alle auch geflohen waren, dann irgendwann hängen geblieben sind, wurde heftig debattiert und nachts flogen immer so ein Sprachfetzen in mein Kinderzimmer. Sie sitzen alle noch in Amt und Würde, diese scheiß Nazis und all das schien ich ja nun auch zu verkörpern. Laut Lehrer Bevière. Ich war ein verdammter Scheiß. Ugly German. Ein Schwabe. Ein Nazi. Und genau das wurde bei uns so benannt. Mein Vater hat nie wieder deutschen Boden betreten. Nie wieder. Weil er sagt, die sitzen alle noch in Amt und Würden. Das weißt du aber nicht einzuordnen als 8, 9, 10 jähriges Kind. Aber als Gepäck ist es angelegt und da wirst du größer und erwachsener. Und dann tatsächlich. Ich mache jetzt und den ersten Moment, wo ich die Dimension dieser Biographie begriff, war zwei Tage nach dem Tod meines Vaters. Schatzilein, ich war 17, war mein Vater gestorben. Es war eh. Es war eh so schlimm, so schlimm. Es war so so ein Verlust für meine Mutter. Und ich entdecke zwei Tage nach seinem Ableben, nach seinem Tod, dieses Buch im Regal meiner Familie. Eine Mutter kämpft gegen Hitler. Auf dem Rücken des Buches stand Irmgard Litten und ich ziehe dieses Buch heraus und sage zu meiner Mutter Mami, sag mal, ist das von der Nonna? Ist das von der Oma? Und dann sagt sie Kind, weißt du das gar nicht? Dann habe ich dieses Buch in diesen aufgerissenen Zustand gelesen. Und Hannah, ich war. Ich würde heute damals den Begriff dieser viel und auch oft missbrauchten Begriff des traumatisiert seins und so, aber ich glaube, das war wirklich so eine Art Traumatisierung. Ich war komplett sprachlos, überwältigt, überfordert. Habe dieses Buch da wieder in diese Ritze gestellt, in diese Lücke und habe dieses Buch jahrelang und diese Geschichte jahrelang in mir versperrt. Unfähig darüber zu reden, weil ich ja keine Fragen mehr stellen konnte. Mein Vater hätte die Fragen beantwortet. Ich habe sie nicht gestellt zu einem Zeitpunkt, wo es noch möglich gewesen wäre. Aus bekannten Gründen. Das Kind zu meiner psychologischen Erklärung. Aber ich habe keine Erklärungen. Und meine Mutter wusste so wenig darüber, weil die hat wahrscheinlich dieses Schweigen irgendwie auch verinnerlicht. Diese was es auch immer ist. Ich wirklich, das ist ja etwas, was ich so wiederholt in den Geschichten von diesen Biografien, dass da so ein Verstummen stattfindet, eine Scham, eine Überforderung, ja und dann ja und dann irgendwann wirklich macht das jetzt so in Zeitraffer. Dann bin ich nach München an die Schauspielschule. Dann habe ich zum Ersten Mal Feindesland betreten. Wirklich, I have to tell you. Ich bin zum Ersten Mal habe ich dieses Sakrileg begangen, wieder zurück nach Deutschland zu gehen, wenngleich auch nur als Studierende auf einer Schauspielschule. Aber dann hat mich mein Weg nie wieder in die Schweiz zurückgeführt. Jedes Engagement war fortan irgendwo in Deutschland und dann absurderweise auch noch nach Nürnberg, in die Stadt der Reichsparteitag des Julius Streicher. Und so weiter und so fort. Und ich ja, und ich verliebe mich auch noch in einen Deutschen, dessen Vater, da kann er genauso wenig dafür irgendwie zu der Edelweißkompanie gehörte, der sagte Willy Brandt, der Vaterlandsverräter. Und ich habe ihn geliebt. Wir haben uns geliebt. Glaubst du allen Ernstes, wir hätten auch nur irgendwann im Ansatz bei den ersten Begegnungen? Was haben eigentlich deine Eltern damals gemacht? Es ist, und da habe ich auch gedacht wie schön, mein Vater hätte ihn geliebt und ins Herz geschlossen, weil er so ein wundervoller Mensch ist. Und weißt du, das sind für mich die Dinge. Genau da geht es eigentlich los, wenn ich sage es hängt doch an uns, wie wir mit Geschichte umgehen. Aber dass wir uns damit auseinandersetzen müssen. Da setz ich einer der wenigen Imperative, weil ich hasse Imperative. Ich finde, sie machen unglaublich eng. Aber das ist einer, den setze ich. Wenn wir uns mit unserer Vergangenheit nicht auseinandersetzen, können wir nicht erkennen, weil nur auf diesem Rückblickstrahl Zeitstrahl kannst du, bist du befugt und bist du, wirst du in die Lage versetzt zu erkennen, an welchen Scharnier Stellen man auch andere Abzweigungen hätte nehmen können, wenn das weißt du oft nicht. Wenn du in diesem ich nenne es immer im Sturm Auge bist, wenn du im Strudel bist, das meine ich. Das mache ich auch niemandem zum Vorwurf. Es ist so wahnsinnig einfach. Aus der wohlgenährten privilegierten Lage, in der wir uns hier befinden. Die Sonne scheint. Es ist ein wunderschöner Tag, hier zu sitzen und immer alles so wahnsinnig besser zu wissen. Zu sagen, ich hätte nicht und ich wäre. Ich möchte nicht für mich die Hand ins Feuer legen. Wirklich nicht. Ob ich so mutig wäre, wenn siehe Iran. Wenn es das Leben kostet. Wenn es das Leben deiner Familie kostet, wenn du die bedrohst. Wenn ein Satz fällt wie in der DDR auch durchaus. Da werde ich auch gleich wieder gebasht, weil man sagt Du kannst das Dritte Reich nicht mit irgendwas anderem vergleichen, sage ich: Nein, vergleichen eins zu eins. Nie,m das ist unlauter. Aber im Vergleich setzen muss man es. Wenn in der DDR dir jemand die Frage stellt, sag mal liebe Hannah, du hast doch einen kleinen Bruder, der will Medizin studieren. Und dir bewusst wird, dass dein kleiner Bruder für deine politische Haltung abgestraft wird. Bist du dann noch so mutig und sagst es mir scheißegal, das ist sein Leben, ich muss das machen. Diese Fragen müssen wir uns stellen. Ich weiß es nicht. Und deswegen ist für mich das wirklich innerste und dringendste Bedürfnis, einfach zu sagen, also lass uns bitte jeder Einzelne alles dafür tun, dass wir diese Demokratie nicht verlieren, wie mangelhaft sie auch immer sei. Dass die verbesserungswürdig ist, gar keine Frage. Aber wir haben sie, also lass sie uns doch bitte nicht einfach aufs Spiel, aufs Spiel setzen. Das ist nichts in Stein gemeißelt. Das ist eine Errungenschaft, die so fragil ist. Und das ist, glaube ich, der Grund, warum ich immer wieder mich in diese dieser Aufgabe stelle. #00:19:28-5#
Hannah Diemer: Würdest du uns in die Vergangenheit mitnehmen und uns von deiner Großmutter und von deinem Onkel erzählen, von Irmgard Litten und von Hans litten? Was ist denn deren Geschichte? #00:19:39-0#
Patricia Litten: Ja, gerne. Soweit ich das halt auch nur recherchiert habe aus dem Buch meiner Großmutter und aus Erzählungen meiner Familie Irmgard Litten, die ihre stolze Mama von drei Söhnen, wovon der Kleinste der Jüngste, mein Daddy ist oder war, stammt aus einer Tübinger Pastorenfamilie, aber sie wuchs in Halle auf und hat dort den Fritz Litten kennengelernt. Friedrich Julius „Fritz“ Litten, der dort in Halle auch gelebt hat. Und die haben sich wahrscheinlich irgendwann auf einer dieser Abendgesellschaften kennengelernt. Weiß ich nicht. Und dieser Friedrich Litten, Fritz genannt, war Jurist und wurde dann nach Königsberg berufen und hat dort eine unglaubliche Stelle bekommen. Er war Dozent der Universität in Königsberg, Professor der Jurisprudenz, schrieb Berichte für die preußische Regierung, Analysen. Gesellschaftlich war er wirklich ein blitzgescheiter, hoch angesehener Mensch, hat in dem Ersten Weltkrieg, hoch, hoch, wie nennt man das? Dekoriert, gedient, war streng deutsch, national. Das war kein Nazi, aber das sind diese Leute, die die Steigbügelhalter waren zur Machtergreifung der Nationalsozialisten, ein großer Verehrer des Kaiserreichs, der preußischen Disziplin etc. pp. und in diesem, in diesem Milieu wuchsen diese drei Litten Söhne auf, sehr privilegiert. Dienst, Personal etc. pp. es wurden in diesem Haus. Mein Vater hat schon ab und zu. Gab schon Gespräche immer. Dass er sagte im Litten Haus, im Hause Litten. Das war die Diktion der Söhne, das Wording der Söhne, die das Haus, des Litten Haus mit großer Ironie und großer Distanz so benannt haben. Wenn im Hause Litten eine Abend Gesellschaft gegeben wurde, waren die ganzen Honoratioren im einfachen Deutsch die mehr besseren, die wichtigeren. Die Leute, die das Gefühl hatten, sie gehören zur Autorität, zum wie nennt man das? Zum Establishment, zum Elite, zum was auch immer, waren extrem erpicht, auf diesen Gästelisten zu stehen. Die sind dort ein und ausgegangen. Man gibt auch diese bezaubernde Anekdote, die ist verbrieft, dass meine Großmutter in diesem Kontext dann irgendwie auch mal als Gastgeberin im Hause Litten und so auch mal eingeladen wurde zu einem Damenkränzchen. Das war so üblich damals. Wir reden ja so von 1903, 1904, 1905, 1906, 1907, also noch vor dem Ersten Weltkrieg wurde sie eingeladen zu einem Damenkränzchen. Und dort ging es darum. Sie sollte einen Vortrag halten über prominente Frauen oder so, und sie hielt einen Vortrag über Rosa Luxemburg. Sie wurde nie wieder zu einem Damenkränzchen eingeladen. Also das heißt, es gab in dieser Familie schon auch Dissens, aber mit Sicherheit auch Liebe. Mein Vater hat seinen Vater gehasst, das weiß ich, weil er nur vom alten Litten sprach. Wie ich dann, als ich das Buch gelesen habe, von meiner Nonna Jahrzehnte später gelesen habe, dass sie das auch so der Alte Litten vom Litten. Sie hat nie von ihrem Mann gesprochen. Das hat aber mit Sicherheit dann auch mit der mit dem Einbruch der Geschichte in das Leben von Menschen zu tun. So. Er war also extrem angesehen und war ja arriviert. Jemand, der angesehen wurde, eine durchaus wichtige Person. Jetzt kam dieser erste Weltkrieg und meine Großmutter, die ich gerne Mimi nenne, so wie mein Vater sie auch genannt hat, Irmgard, Mimi oder Nonna, das italienische Wort für Oma. Die Mimi hat in diesen vier Jahren, als sie alleinerziehend war, während der Mann abwesend war, im Ersten Weltkrieg ihre Söhne versaut. Sie hat Kunstgeschichte, Philosophie, Geschichte, Musik. Das waren ihre Werte. Und das, alle drei Söhne sind restlos und hoffnungslos auf diese Schiene gesetzt worden. Bloß der Hans als Erstgeborene war, als dann der Vater zurückkam, 15, das heißt Pubertät und hat sich komplett politisch anders orientiert. Jugendgruppen. Es gab diese wahnsinnige Zeit der Jugendbewegungen auch damals schon. Die nannten sich schwarze Haufen anliegend an die. Wie heißen denn diese im 15. Jahrhundert, diese Bauernkriege, wo es eben auch um Macht gegen Machtpositionen ging. Die Waren in der Kurischen Nehrung haben Sonnwendfeier gefeiert, waren nackt, sind die ins Meer, in die Ostsee baden gegangen? Der Bürgerschreck schlechthin, und zwar der älteste Sohn, von dem Fritz Litten. Also das war schon irgendwie ganz früh politisiert, aber eben auch in diesen Wochenenden. Mit Sonnwendfeuer wurde Gottfried Benn gelesen, es wurde Nietzsche gelesen, es wurde gelesen, darüber wurde diskutiert, das musste jeder lesen. Und es war Lyrik, wurde zitiert und über Musik und Kunst wurde gesprochen. Und das alles führte dazu, dass der der arme Hans aber nichtsdestotrotz, der wollte natürlich, wie die beiden jüngeren Brüder auch, eher Kunstgeschichte Theater machen, studieren. Aber sein Vater hat es ihm aufgezwungen als Erstgeborener, dass er Justiz Jura studieren muss. Und dagegen hat er sich nicht getraut aufzulehnen. Das war einfach, das ging nicht. Ich habe irgendwie das Gefühl, das ist auch ein Vater Sohn Konflikt, der sagt: Okay, Papa, ich studiere Jura, aber du wirst dich nicht darüber freuen." So, das ist so mein Gefühl der Interpretation. Er wurde der Anwalt der kleinen Leute. Er hat kein Geld damit verdient. Er hat keine Karriere gemacht als Wissenschaftler, als keine Universitäts Karriere gemacht. Und dann kamen die Nationalsozialisten an die Macht. Und der Fritz hat alle seine Privilegien verloren. Seine Rente, seine Privilegien. Eine Person non grata, das heißt, sein missgeratener Sohn, hat ihn ins Unglück gestürzt. Aus der Perspektive. Ich finde auch das so tragisch. Und aus meiner jetzigen Perspektive, weißt du, vor 20 Jahren oder 30 Jahren vielleicht noch, hätte ich das vielleicht sehr viel strenger bewertet. Heute denke ich mir wie tragisch ist das alles. Der hat ja auch sein ganzes Lebenswerk ist zerstört geworden. Das ist doch eine Scheiße. Also, wo man auch so diese familiären Konflikte plötzlich so sieht. Ach, das ist so super interessant finde ich an so einer Geschichte, weil man plötzlich sie so nahe heranlässt und sagt ja, wow. Er hat auch die Karriere seiner Brüder auf dem Gewissen, in Anführungszeichen auf dem Gewissen. Da sind wir wieder. Es wäre aber schief gelaufen, weil spätestens mit den Rassengesetzen eines Julius Streicher wäre klar geworden, dass der Fritz Litten ja ein konvertierter Christ ist und kein Christ, kein nach den Rassengesetz. Das heißt, er hätte das sowieso verloren, aber verschärft und antizipiert und beschleunigt wurde das durch dieses Kreuzverhör. Durch diesen Prozess, den Hans gewagt hat, gegen Hitler zu wählen. #00:27:34-9#
Hannah Diemer: Dieser Prozess ist bekannt als Edenpalastprozess von 1931. Weil da hat der Hans nämlich was gemacht, was vor ihm, glaube ich, noch keiner so gemacht hat. Der hat Hitler in den Zeugenstand gerufen und versucht schon frühzeitig davor zu warnen, was Hitler eigentlich für eine Person ist. Was hat er denn da genau gemacht? #00:27:57-2#
Patricia Litten: Ähm, ja, also Hans muss man dazu sagen. Wie gesagt, 1931. Hans war gerade mal 27 Jahre alt. Zwei Jahre vor der Machtergreifung. Es wäre alles noch vermeidbar gewesen, wenn die Leute die Augen und die Ohren geöffnet hätten. Noch mal ein Imperativ. Was ich damit sagen will, ist nicht zu überhören. Lasst uns bitte aufwachen. Wir haben noch die Zeit, das zu verhindern. Wir sind sehr spät dran. Also Hans hat. Und zwar muss man natürlich auch mal sagen, man muss es kurz noch mal erklären 1931 in welcher Verfassung war denn die Weimarer Republik? Es war nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg hohe Reparationszahlungen verschuldet, Arbeitslosigkeit, Wohnungsnot, eine Misere. Es gab ja nicht wie heute soziale Abfederung. Wirklich nicht. Und man muss sich auch mal vor Augen halten das sage ich auch immer den Schülerinnen, wenn ich in Schulen Lesungen mache. Das Stadtbild war geprägt von Menschen, Vätern, Männern an allen Ecken, die mit amputierten Gliedmaßen da saßen, verloren im Ersten Weltkrieg. Das waren die sichtbaren Verheerungen, dass diese Männer Brüder, Väter, Brüder, Papas usw, die, wenn sie denn leben, zurückgekommen sind. Auch Kriegstraumatismen hatten. Von posttraumatischen Belastungssyndrom hat damals ja noch kein Mensch gesprochen. Das heißt, es herrschte in den Familien auch oft extrem exzessive Gewalt im Kontext mit dieser ganzen finanziellen Perspektivelosigkeit. Das sind ja alles, das ist ja ein Nährboden auf dem solchen, solches Gedankengut. Wir brauchen jetzt eine starke Hand. Irgendwie verständlich ist das Bedürfnis nach wir müssen. Und warum reite ich darauf rum? Weil wir heute wieder in einer anders gelagert, in einer Zeit sind, die ja wirklich zu Recht auch Angst macht man, was gerade uns alles um die Ohren fliegt. Es ist verständlich, dass man sagt das muss doch jetzt mal einfach jemand ran, der das alles richtet. Das Bedürfnis ist wirklich Verständnis. Also in diesem Setting war Hans Rechtsanwalt. Und auf welche Seite hat er sich geschlagen? Auf die Seite derer, die. Rechtlos waren. Die keine Anwälte sich leisten konnten. Die zunehmend angegriffen wurden von marodierenden Rollkommandos. Schlägertrupps, die im Wedding, in Moabit, in Berlin ich rede jetzt von Berlin. Wahrscheinlich war das in Hamburg nicht unähnlich, aber Berlin war da schon wirklich Extrem niedergeknüppelt worden. Und der Tanzpalast, der Eden Palast war ein Tanzpalast, das würde man heute sagen. Ein Club. Ja, um es auch heute wieder so heutig zu machen, zu sagen Tanzpalast hat so was nach Teatime. Nein, es haben am Wochenende dort junge Menschen gefeiert, Party gemacht ja und haben haben Filme gesehen. Es wurden Diskussionsrunden gestartet und das war ein Ort, wo vor allen Dingen die Arbeiterschaft, die Sozialisten und die Kommunisten ein und ausgegangen sind. Es war ihr Place und ihr Space. Und der wurde, ich weiß jetzt nicht mehr an welchem Tag, auf jeden Fall 1931 oder sogar schon 1930 von Rollkommandos ganz gezielt gestört, aufgemischt. Und es gab zahlreiche Tote in diesem Tanzpalast an diesem Wochenende. Es wurde einfach vorsätzlich. Die haben den Krawall gesucht. Sie haben versucht, die Gesellschaft zu spalten. So, und da hat der Hans eben, der war bekannt dafür, dass er wirklich unglaublich recherchiert hat, Tag und Nacht gearbeitet hat für solche Fälle und Arbeiter vertreten hat, als Nebenkläger, als Anwalt. Und in dieser Position hat er den grandiosen Gedanken gehabt, Hitler vorzuladen, nämlich um ihm und allen, die an diesem Tag anwesend waren, in diesem Gerichtssaal in Moabit. Und der Saal ist fast aus dem Leim gebrochen, weil seine ganzen Fans waren da die Turmstraße, das ist die Straße, die zu diesem Gericht führt, bohrst aus dem Leim. Die Leute haben wirklich, die wollten ihr Idol Hitler sehen. Der musste durch einen Seiteneingang rein, weil der wäre gar nicht in diesen Gerichtssaal gekommen und wurde dort von diesem jungen Anwalt so auseinandergepflückt. In Widersprüche verstrickt. Offensichtlich. Das kann ich jetzt wirklich nur zitieren von Anwälten und Anwältinnen, die heute noch sagen, das ist für uns angehende Juristinnen eine Blaupause. Der muss eine so unglaublich begnadete Rechtsprozessordnung gehalten haben. Es muss ein begnadeter Anwalt gewesen sein, mal jenseits von seiner Integrität und hat diesen Typen Adolf Hitler vor seinen ganzen ihn verehrenden Fans in solche Widersprüche geführt. Er wollte im Grunde genommen beweisen, dass er entgegen seines Eids des Legalitätseids, den er noch ein paar Wochen vorher in Leipzig vor Gericht geleistet hatte, nämlich nur mit legalen demokratischen Mitteln an die Macht zu kommen. Das wollte er ihm sozusagen. Er wollte ihm vorhalten, dass das doch mitnichten der Fall ist und hat ihn konfrontiert mit Zitaten aus der Parteifibel der Nazis. Das war eines mit der größten Auflage. Es wurde überall gelesen, es lag überall auf. Und er hat den einfach konfrontiert mit so Sätzen wie den Gegner zu Brei zerstampfen Herr Hitler, oder und so weiter und so fort. Das sind doch aber Aufruf zur Gewalt. Wie sehen Sie das? Hat er gesagt? Was da drin steht, habe ich keine Ahnung, oder? Das ist. Das müssen Sie Herrn Goebbels fragen. Ich habe damit nichts zu tun. Er hat sich. Es war so, wenn du zum Beispiel so einen Satz. Ich muss jetzt wirklich springen, wenn ich so und sage, den Gegner zu Brei zerstampfen. Was bitte ist das anderes als ein Satz von Herrn Gauland 2017? Als 2017 war das, als die AfD das erste Mal im Bundestag landete, sagt er ab jetzt, Frau Merkel, ist die Jagd eröffnet. Wir werden sie jagen oder der Herr Trump, der zum Sturm auf das Kapitol aufruft und dann sagt nein, das habe ich natürlich so nie gemeint, das haben die missverstanden. Also das heißt, die Vergleiche sind schon zulässig. Und Hans hat es geschafft, einfach nichts anderes zu tun, als zu sagen danke, okay. Was wir jetzt damit machen, ist unsere Sache. Und diese Schmach, diese persönliche Demaskierung, dieses Vorgeführt werden, dieses Italiener sagen dazu so schön, keine bella figura gemacht zu haben, einfach nur ausgetickt zu sein, auch im Gerichtssaal, so dass auch der Richter ihn irgendwie mal zur Ruhe sagt. Herr Hitler, Sie befinden sich hier in einem Gerichtssaal. Einfach so die Contenance verloren hat, hat er ihm wirklich nicht verziehen. Und er hat damals nach einem ganzen Tag, einem ganzen Tag. Verhör, Kreuzverhör. Hat er den Gerichtssaal verlassen mit den Worten: Sobald es in meiner Macht steht, lösche ich diese Familie aus. Und das hat er gemacht. #00:36:04-6#
Hannah Diemer: Wenn wir weiter nach vorne gehen, ist dann, wie wir alle wissen, Hitler an die Macht gekommen und hat dann tatsächlich deinen Onkel ins KZ geschickt und über quasi den Kampf, den deine Großmutter geführt hat mit diesen KZ Aufsichtsbehörden, Aufsichtsmännern. Darüber geht dann ihr Buch, mit dem "Eine Mutter kämpft gegen Hitler". Wie ist es denn dann weitergegangen? #00:36:29-2#
Patricia Litten: Ja, da muss ich noch mal sagen. Also tatsächlich, du hast natürlich recht, er ist und zwar ist der Hans wirklich noch in der Nacht des Reichstagsbrandes. In der Nacht wurden die ganzen Oppositionellen kaltgestellt. Mühsam, Ossietzky, Hans Litten, viele andere auch. Das muss man hinzufügen, ohne dass Hans je eine Anklage erlebt hat. Komplett im rechtsfreien Raum. Er ist nicht einmal. Es gibt keine Anklagepunkte. Er ist einfach weggesperrt worden, weil man das kann. So, meine Großmutter hat versucht und das ist natürlich wiederum interessant anzuknüpfen an diese ganzen Königsberger Honoratioren, die inzwischen viele von denen steile Nazi Karrieren gemacht haben. Herr von Blomberg war Reichswehr Luftminister, keine Ahnung. Der ist ein und ausgegangen in Königsberg in dem Haus. Es sind viele Leute und sie hat daran erinnert, dass die doch dermal einst extrem erpicht waren, mit ihm in Kontakt zu sein, sie wirklich angefleht, was für den Hans zu tun. Und sie hat es geschafft in diesen fünfeinhalb Jahren bis zum Tod vom Hans, da komme ich ja noch drauf. Versucht diese Seilschaften auszunutzen. Es hat alles nichts genützt. Sie ist vorgelassen worden von Menschen, die sie nicht persönlich kannte, von Furtwängler, dem Dirigenten, der Hitler verehrte. Also nicht Furtwängler, verehrte Hitler, sondern Hitler, verehrte Furtwängler. Das ist so, wie wenn man heute von Barenboim spricht. Nur Barenboim bezieht Stellung. Heute wird auch von Künstlern verlangt, Sie müssen Position beziehen. Furtwängler hat in seinen Möglichkeiten Leute geschützt. Auch da, die Arroganz von uns, zu sagen, wir wären alle ganz anders gewesen als er. Hüten wir uns mal vor dieser Hybris. Ich weiß es aber nicht. Lange Rede, kurzer Sinn, Sie wurde auch von Furtwängler empfangen. Sie wurde von Frau Sohnemann empfangen, die Frau eine berühmte berühmte Schauspielerin der damaligen Zeit. Wirklich jeder Mensch kannte Emmy Sonnemann und sie ist auch von der empfangen worden. Das war die Frau von von Göring, von Hermann Göring. Und mit dem war sie zusammen. Sie wurde von Leuten empfangen, und die haben auch alle. Tja, Frau Litten, das ist wirklich schrecklich. Wir müssen irgendwie gucken. Aber es konnte. Es ging nicht. Sie wurde von Freisler empfangen. Na Wahnsinn. Das ist der Mensch, der auch Sophie Scholl und so, also der, der kannte natürlich Hans auch. Es war ja ein Kollege von ihm letztlich, der schon auch. Nichts tun wollte für den, für diese rote Bazille, für diesen Unmenschen, noch dazu den Juden. Er hat selbst Freisler hat sich ja wahrscheinlich mal im Bekanntenkreis irgendwie versucht einzusetzen, hat gesagt, es wird niemand was für Litten tun können. Hitler ist fast ausgeflippt. Er hat gesagt wer immer sich für Litten einsetzt, wird dasselbe Schicksal erleben. Also Hans war rotes rotes Tuch und er musste all das so unvorstellbar ausbüssen. Es gibt Zeugenberichte von Leuten, die dann rausgekommen sind aus den Konzentrationslagern, die das überlebt haben, die wirklich Zeugnis abgelegt haben. Keiner wurde so malträtiert wie Hans und nach fünfeinhalb Jahren Konzentrationslagern Plural es waren über fünf, hat er sich in Dachau 1938, am 5. Februar 1938 das Leben genommen, weil er nicht mehr konnte. Man kann es auch als letzten Akt des Aufbegehren sehen. Wie auch immer. Und das alles lange vor der Reichskristallnacht. Ich sage immer noch lieber Kristallnacht, weil ich höre förmlich die Lüstern zerbersten, als dass er offen öffentlich an den Pogromnacht alles noch vor der Pogromnacht, alles noch vor Kriegserklärung. Man hätte so vieles verhindern können und die Welt wusste, was in Deutschland geschieht. Und auch da ist wieder so eine Aktualität. Appeasement, oh Gott, nein, nicht schon wieder. Es war ja auch gerade der erste Weltkrieg hinter den. Und die hatten keinen Bock mehr Verständlicherweise auf Intervention. Aber die Dissidenten, die Emigranten haben sich nichts sehnlicher gewünscht als greift ein, beendet das. Wir können das nicht von uns aus mitmachen. Das ist was. In mir verschieben sich Erdplatten tektonische Erdplatten. Ich bin zutiefst in meinem Innersten wirklich hundertprozentig davon überzeugt, dass Krieg noch nie eine Lösung war. Es sind immer Zivilisten, Kinder, Tiere, die Leidtragenden. Aber es gibt Situationen, wo ich nicht weiß. Wirklich nicht mehr mir so sicher, ob das in bestimmten Situationen die richtige Haltung ist. Ich muss mir selber eingestehen, dass ich erschrecke darüber, verzweifle darüber. Aber ich fürchte, sonst machen wir uns irgendwie mitschuldig, das alles auszuhalten, zuzugucken und nicht zu reagieren, weil es einfach ja auch unbequemer ist. Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht. Das sind die Fragen. Ich habe so viel mehr Fragen als Lösungen und Antworten. Ich finde es wahnsinnig schwierig. #00:42:16-2#
Hannah Diemer: Du gehst mit dem Buch deiner Großmutter auf Lesungen und bist da teilweise auch in Schulen unterwegs. Und es geht ja dann genau um diese Widersprüche und um. Wie leiste ich denn Widerstand? Was entstehen denn da für Gespräche? Was fühlst du denn da für Konversationen mit den Besucherinnen, die zu den Lesungen kommen. #00:42:37-3#
Patricia Litten: Also ich muss gestehen, das ist etwas, was mich wirklich jedes Mal wieder aufs Neue komplett zum Staunen bringt und beglückt und mich ermutigt weiterzumachen, weil ich zunehmend wirklich von dem momentanen Gefühl fahre. Es ist eh alles so sinnlos. Ich gebe es zu, das würde ich den Kindern nie sagen. Ihr hört jetzt nicht hin. Nein, es ist die Art und Weise, dass in das Gespräch gehen. Ich glaube, was die Räume öffnet. Und da noch mal, das ist auch ein Imperativ, den ich jetzt setze. Wenn wir nicht aufhören, die Räume zu schließen und die Diskursräume zu verengen, auch übrigens in unseren Gruppierungen, sondern in die offenen Fragestellungen gehen, indem ich auch sage Ich weiß auch nicht, wie ich damals. Lass uns mal darüber reden. Und wenn man das so nah ran bringt, sind die Kinder auch in einer Situation, wo sie sich nicht wieder als die ewigen wir haben Schuld, wir haben Schuld auf uns geladen, wir haben Schuld. Wir müssen uns diese Erinnerungskultur. Das ist für mich alles nicht relevant. Es ist relevant, sich zu erinnern, weil wenn man sich mit der Vergangenheit nicht auseinandersetzt, gibt es keine Gegenwart und schon gar keine Zukunft, weil wir alle tangiert und damit noch wir hängen da dran. Jeder. Ob das ein Flüchtling ist, der so viel Schreckliches erlebt hat, wird das Transgenerativ weitergeben. Wenn er, wenn wir das nicht aufarbeiten. Jeder hat so was. Wir müssen uns auseinandersetzen. Wir müssen uns auch mit unseren eigenen Dämonen auseinandersetzen, weil wir geben sie sonst unreflektiert weiter und es wird nie was ändern. Das sind so die Dinge, wo ich anhand dieser Geschichte das ist eher so wie eine Blaupause. Man kann anhand dieser Geschichte so wahnsinnig viele Dinge ins Heute nehmen. Dieses Herz, diese Empathie. Räume zu öffnen, führen dazu, dass Kids sich nicht vor den Kopf gestoßen fühlen. Auch nicht im Sinne von was, das wisst ihr nicht? Das ist ja wie habt ihr nicht aufgepasst oder wie? Ende. Sondern zu sagen Nein, wisst ihr nicht, was der Reichstagsbrand ist, könnt ihr gar nicht wissen. Ich erzähle es euch mal! Was ist denn der Reichstag heute? Was ist denn der Reichstag heute? Parteisitz? Parlament? sage ich ja, super. Also der Ort, wo die Parteien sitzen. Der Regierungssitz. Ja, cool, sage ich, wie werden. In welcher Verfassung wären wir denn, wenn wir heute Nacht erfahren hätten, dass der Reichstag in Berlin brennt? Ganz abgesehen davon, dass es heute im Sekundentakt der Liveticker und im Handy Pushnachrichten immer noch Glutnester, noch nicht ganz gelöscht usw. in welcher Verfassung werden wir dann kommen? So langsam Panik. Da sag ich ja super, super, super und was noch? Ursachenforschung sag ich genau. Was? Was ist denn? Es könnte ja auch ein Mäuslein ein Kabel durchgezockt haben. Und dann stellt sich das. Ursachenforschung? Ja schon Beschuldigung? Sag ich. Super. Wer wäre denn heute reflexartig an vorderster Stelle? Und dann dämmert es denen. Was soll ich sagen? Wir gehen jetzt in die Geschichte zurück. 1933. Wer glaubt denn, war damals sofort im Verdacht, diesen Brand gelegt zu haben? Die Juden? Die Kommunisten? Sage ich okay, jetzt gehen wir in die Geschichte zurück von meiner Nonna. Der erste Satz ist, mein Sohn wurde in der Nacht des Reichstagsbrand verhaftet. Da gehen die Räume auf und sie wissen plötzlich, wie solche Autokratien funktionieren. Sie funktionieren nämlich überall auf der ganzen Welt nach demselben Strickmuster marginalisieren, kriminalisieren, Angst schüren, othering, Grenzen setzen zwischen dem vermeintlichen Wir und dem vermeintlichen Ihr da, die da. Und das ist so einfach, das zu bedienen. Und das spüren die Kids. Und sie fühlen ich. Und dann sage ich ja und jetzt? Was können wir tun? Sag ich, Ich weiß es auch nicht. Oder doch vielleicht uns meinen Arm nehmen? Vielleicht mal fragen. Hey, du siehst traurig aus. Was ist los? Magst du es mir mal sagen? Empathie füreinander. Zu neugierig, aufeinander zu sein und gar nicht den Raum der Angst. Und das weißt du? Ich weiß es wirklich nicht. Ich glaube, das sind die einzigen Chancen und Möglichkeiten, die wir haben, ist, aufeinander zuzugehen und uns zuzuhören und zu verstehen. Und die mal alle anzuhören und dann vielleicht auch. Zu kommen, dazu zu kommen, zu sagen Ich teile sie nicht unbedingt, aber ich habe dir zugehört und ich kann ein Stück weit verstehen, woher das kommt. #00:47:34-6#
Hannah Diemer: Du bist nicht nur engagiert in den Lesungen mit deinem, also mit dem Buch von Irmgard Littner, sondern du bist auch aktiv in der Vereinigung von den Juristinnen von Nürnberg. Was macht ihr da? #00:47:50-3#
Patricia Litten: Das ist eine tolle, tolle, tolle. Ich muss wirklich sagen, da bin ich wirklich begeistert. Das sind Juristinnen, komplett Richterinnen, Anwältinnen, Kanzleien, also wirklich alle, die aus diesem Beruf und das ist eine eine. Christine Roth ist die treibende Kraft und auch die, die, die das ins Leben gerufen hat. Christine Roth hat eine lange Biografie, ist eine Anwältin, eine tolle Frau, von der Herr Maly einmal gesagt wenn man von Christine Roth eine Einladung bekommt, doch die Schirmherrschaft zu übernehmen, kommt es einer, wie heißt es in der Justiz?, Vorladung. Sie ist so, dass man dem kaum auskommt. Sie wird wahrscheinlich lachen, wenn sie das hören würde. Christine Roth war damals durch die Stopp Strauß Plakette. Sie trug als noch nicht Abiturientin. Sie war kurz vorm Abitur in Regensburg eine Stopp Strauß Plakette und wurde deswegen von der Schule geschmissen. Das hat ihr im Grunde genommen eine wirklich große Justizkarriere auch gehen. Sie ist trotzdem Anwältin geworden, aber sie könnte nie Staatsanwältin sein. Bis zum heutigen Tag nicht. Also die Zeiten gab es schon immer dieses canceln. Auch das ist nichts, was heute nur gerade mal so passiert. Es passiert immer wieder. Wir müssen einfach aufpassen. So, Christina Roth hatte die Idee, zusammen mit Maede Soltani, das ist die Tochter des Menschenrechtspreisträgers der Stadt Nürnberg von Abdul Fatah Solani, ein iranischer Rechtsanwalt, Menschenrechtsaktivist der zusammen mit Shirin Ebadi, Nobelpreisträgerin in Teheran, vor ich weiß jetzt nicht, wie vielen Jahren das Menschenrechtszentrum in Teheran gegründet hat. Guess what happened to him? Er landete im ewigen Gefängnis, mehrfach, etc. pp.. Hat den Menschenrechtspreis der Stadt Nürnberg bekommen, und das war ursprünglich der Anlass für diese Juristin Christine Roth ist. Dieser Beruf der Anwaltschaft ist einer der höchst gefährdetsten Berufe nebst Journalistinnen auch. Leute, die wirklich Zeugnis ablegen, die versuchen Menschenrechtsverletzungen aufzudecken oder so und habe gesagt lass uns doch mal, und es gibt seit 1978, glaube ich, und die Jahreszahlen, hoffentlich stimmt es jetzt. gibt es den am 24. Januar, den Internationalen Tag des verfolgten Anwalts, der eben zurückzuführen ist auf einen Übergriff in einem madrilenische Anwaltskanzlei, wo am helllichten Tag Anwältinnen in ihrem in ihrer Kanzlei nebst allen Mitarbeitenden von Neofaschisten von Francoanhängern niedergemetzelt wurden mit Maschinengewehren. An diesem 24. Januar 1978, weil Anwältinnen wirklich hoch gefährdet sind, auch heute noch. Auch Herr Trump setzt wieder Anwälte aus. Der Internationale Strafgerichtshof, die Anwälte, die dort einen guten Job machen, werden mit Sanktionen belegt. Es ist wirklich gespenstisch. Es braucht sehr viel Mut und sehr viel Aufrichtigkeit. So, und da hat sie gesagt Lasst uns doch diesen Tag begehen, immer am 24. Januar einen Anwalt/Anwältin in den Fokus nehmen, der wirklich weggesperrt wurde. Der bedroht ist, der was auch immer. Und dann hat sie irgendwann mal was. Sie hat irgendwie von mir gewusst, wusste aber nicht, dass ich in Nürnberg lebe und hat mich aufgespürt. Sie ist da sehr hartnäckig und hat dann gesagt, als ich sagte wir können uns ja auch gerne mal treffen. Das klingt spannend, ich bin aber keine Anwältin, hat sie gesagt. Nein, aber du hast. Sie haben doch einen berühmten Anwalt in ihrer Familie, sag ich: Aber ich bin doch da gar nicht berufen. Doch lange Rede, kurzer Sinn Maede Soltani und Christine Roth und ich sind Gründungsmitglieder dieses Tags des verfolgten Anwalts und seit auch da wieder Jahreszeit, ich glaube seit 2015. Seit elf Jahren machen wir Benevole mit viel Arbeit und viel Herzblut immer am Tag des verfolgten Anwalts eine Veranstaltung, die inzwischen weltweit. Türkische Anwältinnen, chinesische Anwälte. Jetzt, dieses Jahr 26, war der Internationale Strafgerichtshof haben wir in den Fokus genommen, weil der ist hochgradig bedroht. Also auch Institutionen sind inzwischen bedroht. Ja, und natürlich hat das was mit der Tradition zu tun, dieser Familie. Also ich denke, dass der Hans Litten heute auch wieder einer dieser Anwälte wäre, der entweder im Knast wäre oder umgebracht worden wäre oder würde oder in eine Schmuddelecke getrieben würde. Der würde sich ganz bestimmt positionieren zu ganz vielen Themen heute. Ja. #00:53:04-5#
Hannah Diemer: Du bist selber keine Anwältin geworden, sondern bist in die Fußstapfen deiner Eltern getreten und bist auch Schauspielerin. Wie beeinflusst denn da deine Familiengeschichte die Arbeit, die du als Künstlerin machst? #00:53:17-9#
Patricia Litten: Es hat lange gebraucht, also sträflich lange gar nicht. Subkutan? Ja, was ich ja schon gesagt habe, Subkutan immer. Ich glaube, da bin ich wirklich tatsächlich Kind meiner Familie. Und vielleicht auch explizit. Ja, Nonna, ich habe ein, es hört sich jetzt auch so eitel an, aber ich habe wirklich ein so tief tiefes Gerechtigkeitsempfinden. Also Ungerechtigkeit ertrage ich nicht. Und ich glaube, dass das lange Jahre auch übrigens am Theater. Ich habe mich immer wieder so daneben benommen und mich auch in die Position gepusht, wo ich dann auch bin, irgendwann mal freischaffend zu sein, weil ich so viele Leute möglicherweise auch in meinem Heißsporn damals wirklich vor den Kopf gestoßen habe, weil ich das war wie so ein Geysir, der aus mir herausschwappt. Den kann ich dann nicht mehr steuern. Der macht "wach-wach" und ist dann auch ungerecht und selbstgefällig manchmal gewesen. Und erst als ich mich sehr, sehr, sehr spät, erst 2011. Es gab Gründe, warum ich das so da so verorten kann, wirklich angefangen habe mit meiner Familiengeschichte auseinanderzusetzen und auch Therapien hinter mir habe, ist mir zunehmend bewusst geworden, dass ich, seit ich auch da. Was für eine Befreiung! Wenn man sich mit den eigenen Dämonen und den Vergangenheit auseinandersetzt, ist mir bewusst geworden, dass ich über so viele Jahre von was getrieben wurde, was größer war als ich und was so. Bootsmäßig dann manchmal aus mir herausgebrochen ist. Das ist auch nicht ungefährlich. Vielleicht auch meine Vorsicht inzwischen wirklich ernsthafte Vorsicht, Vorsicht, Vorsicht, nicht feige, aber genau bitte. Und dann hat es eine andere Stoßkraft. Dann ist man auch nicht so angreifbar mit der Auseinandersetzung mit dieser Familie. Und in der Kombination meines Berufes war übrigens auch lange ein Hindernis, weil ich es extrem als Geschmäckle empfunden habe, als Schauspielerin mich dieser Geschichte zu stellen. Ich dachte immer, es müssten andere tun. Es ist so eitel. Ich will mich nicht mit dieser Geschichte brüsten. Ich habe keinen Anteil an ihr. Wirklich nicht. Es gibt keinen Grund. Ich habe vorhin ganz kurz vorher gesagt, ich bin stolz drauf. Deswegen habe ich es auch wieder durchgesetzt. Ich habe keinen Anteil an dem Mut und an dem Leid dieser Familie auch nicht was mein Vater durchgemacht hat. Wirklich nicht. Ich bin so privilegiert groß geworden und ich habe nur jetzt einfach das Gefühl, es ist wirklich. Es gehört sich so, es gehört sich so in der Tradition dieser, dieser Tradition der universellen Werte. Da werde ich sehr pathetisch, meine Stimme zu erheben und dieses Erbe weiterzutragen, als Staffel weiterzugeben. Mit vielen Fragezeichen, vielen Fragezeichen. Und da kommt mir mein Beruf entgegen, weil ich bin schon, glaube ich, auch das hört sich jetzt so eitel an, aber ich merke es einfach. Du bist anders in der Lage, Herzen zu bewegen. Auch wenn du ein Bachmann Gedicht liest, kommen Leute nach einer Lesung zu dir und sagen Was ist das denn für ein toller Text gewesen? Und ich sage das war Bachmanntext, ein Bachmann Text. Das muss ich jetzt direkt mal wieder lesen, weil das ist ja auch deswegen haben wir diesen Beruf ja auch gelernt. Es ist was anderes, eine Partitur zu lesen und sie zu interpretieren. Das ist und und so kann ich auch vielleicht mit diesem in Kombination. Inzwischen empfinde ich es als Glück, dass ich Schauspielerin bin. Es gab mir lange Zeit, wo ich das ganz schrecklich fand. Das ist so ein scheiß elitärer, überflüssiger Beruf. Was soll das? Und jetzt denke ich nein, wenn man das jeder an seinem Platz weiß, jeder an seinem Platz. Ob das der Bäcker ist, der seine Brote vielleicht auch mal an Leute verteilt, die sagt nimm es mal mit, okay? Oder ob das ein Journalist ist oder eine Lehrerin ist oder? Ja, ich denke jeder an seinem Platz. Meine Profession ist dieser eitle Beruf. #00:58:01-4#
Hannah Diemer: Liebe Patricia, ich danke dir so herzlich, dass du uns einen Einblick in deine Geschichte gegeben hast und dass du das so leidenschaftlich mit uns geteilt hast. Vielen Dank, dass du da warst. #00:58:13-6#
Patricia Litten: Ich danke dir sehr fürs Zuhören und ich hoffe nicht, dass ich das Format jetzt gesprengt hab. #00:58:19-2#
Hannah Diemer: Nein, überhaupt nicht. Hast du noch Sachen, die dir noch ganz besonders wichtig wären? Die du noch anbringen willst? #00:58:24-7#
Patricia Litten: Schaut euch an, nehmt euch mal in die Arme. Ihr Menschen, Margot Friedländer: "Seid Menschen". Es lohnt sich. #00:58:37-1#
Hannah Diemer: Vielen Dank! #00:58:40-2#
Dieses Projekt/Diese Maßnahme/Initiative leistet einen wichtigen Beitrag, Nürnberg schrittweise inklusiver zu gestalten. Es/Sie ist Teil des Nürnberger Aktionsplans zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK). Den Ersten Aktionsplan hat der Nürnberger Stadtrat im Dezember 2021 einstimmig beschlossen. Um die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit und ohne Behinderung in Nürnberg zu verwirklichen, wurden und werden umfangreiche Maßnahmen entwickelt und umgesetzt. Weitere Informationen finden Sie unter www.inklusion.nuernberg.de.

Bürde, Mut und Erinnerung: Patricia Litten über Familiengeschichte, Widerstand und warum Demokratie uns alle angeht.
Was bedeutet es, mit einer Geschichte aufzuwachsen, die zugleich Bürde, Auftrag und Verantwortung ist? Patricia Litten erzählt von einer Kindheit zwischen Schweigen, Zärtlichkeit und unausgesprochenem Schmerz – und davon, wie sie erst spät die Dimension ihrer eigenen Familiengeschichte begreift. Im Zentrum stehen ihre Großmutter Irmgard Litten und ihr Onkel Hans Litten, der als junger Anwalt 1931 im sogenannten Edenpalast-Prozess Adolf Hitler in den Zeugenstand rief und ihn öffentlich in Widersprüche verwickelte. Ein mutiger Akt, der für ihn und seine ganze Familie Konsequenzen hatte.
Eine Folge über die Frage nach Mut und Verantwortung – damals wie heute. Patricia spricht offen darüber, wie sich Geschichte über Generationen hinweg fortsetzt, wie Schweigen prägt und warum Auseinandersetzung mit der Vergangenheit kein Selbstzweck, sondern eine Voraussetzung für Gegenwart und Zukunft ist.
Mehr zu Hans Litten: https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Litten
Familie Litten: https://www.hans-litten.de/seine-familie/
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Aufgenommen am: 02.03.2026
Veröffentlicht am: 05.03.2026
Moderation: Hannah Diemer
Im Gespräch: Patricia Litten
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