Luca Mackeldey, wie ist es, jung eine Krebsdiagnose zu bekommen?
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Intro: Kontaktaufnahme. Der Podcast des Bildungszentrums Nürnberg.
Marie : Hallo und herzlich willkommen zur Kontaktaufnahme. Ich bin die Marie Distler und heute sitze ich hier mit Luca Mackeldey. Wir kennen uns aus einer Selbsthilfegruppe und zwar für junge Menschen, die Krebs haben oder hatten, oder? Na ja, ich meine, es geht so richtig nicht mehr ganz weg als Identität. Und wir wollten heute mal ein bisschen über das Thema sprechen. Weil Krebs passiert auch, wenn man jung ist und kann ziemlich scheiße sein, aber auch anderes dann mit sich bringen. Und darüber wollen wir heute mal eintauchen. Ich sag nur als kleiner Caveat dazu. Ich stelle dir heute ein paar vielleicht privatere Fragen. Wir haben das vorher abgesprochen. Du bist freiwillig im Podcast. Wenn ihr jemanden in eurem Umfeld habt, fragt vielleicht mal nach, was ihr fragen dürft. Seid ein bisschen vorsichtig. Nehmt mich jetzt hier nicht so als Vorbild mit absolut persönlichen Fragen anzufangen, aber ich fange vielleicht einfach einmal an mit Willst du dich kurz vorstellen?
Luca: Natürlich sehr gern. Hi, also ist ja gerade schon genannt worden. Ich bin der Luca. Ich bin 31 Jahre jung oder alt. Das darf immer jeder so für sich entscheiden. Gerade fühle ich mich recht jung und ich bin wegen dem Thema da, was wir angesprochen hatten. Ich habe nämlich tatsächlich eine Krebsdiagnose. Und ja, wir haben uns genau dort kennengelernt über die Deutsche Stiftung Junge Erwachsene mit Krebs. Da gibt es extra eine Stiftung und das ist auch sehr, sehr wichtig. Da gehen wir, denke ich, noch drauf ein. Und vor Ort haben wir uns kennengelernt. Ist gar nicht allzu lange her, sogar ich glaube, vor einem Dreivierteljahr. Ja.
Marie : Ja, ziemlich genau. Ja. Willst du uns vielleicht ein bisschen erzählen, wie das mit der Krankheit, dem Krebs bei dir war? Was du gemacht hast, Wie du davon erfahren hast? Klar. Welche Sorte?
Luca: Auf jeden gibt.
Marie : So viel Auswahl.
Luca: Ja, also, ich würde sagen, beginnen müssen wir im Jahr 2019. Da hatte ich gerade meinen 25. Geburtstag und ich war in so einer relativ stressigen Lebensphase, hatte einige Prüfungen zu erledigen. Und in dieser Zeit habe ich aus heiterem Himmel Zahnschmerzen bekommen. Und diese Zahnschmerzen haben mich logischerweise zum Zahnarzt geführt. Die haben alle immer nichts gefunden, Antibiotika gegeben, genommen. Es ist aber nicht besser geworden. Stressbedingt vielleicht. Eine Knirschiene ist auch nicht besser geworden und dann hat man die Entscheidung getroffen. Wir brauchen da ein CT vom ganzen Schädel, weil wir müssen mal die Kieferhöhlen abchecken, vielleicht ist da ja eine Zyste von. Und so ging der ganze Spaß los. Ich war zu der Zeit ganz normal berufstätig, habe dann die CT Termine gebucht oder den CT Termin, bin da hingegangen und die haben quasi dort feststellen müssen, dass ich ja eine Kieferhöhle Zyste habe. Dass das aber nicht mein Problem ist, sondern mein Problem, sitzt viel weiter hinten im Schädel, nämlich im Gehirn. Dort hat sich eine sogenannte Raumforderung gezeigt auf den CTbildern. Das heißt, dass da irgendetwas ist, was, wie der Name schon gibt, Raum einnimmt, Raum fordert. Und das gehört da eigentlich nicht hin. Also kam die Empfehlung, ich solle bitte dringend ein MRT machen, damit man das genauer abklären kann. Und in diesem MRT, was einen Schmarrn zwei Tage später ausgemacht wurde, was schon zeigt in unserem Gesundheitssystem, wie eilig und dringend es war. Da kam eben raus, dass diese Raumforderung eindeutig auf einen Hirntumor hindeutet. Das kann man dort nämlich immer schon relativ gut erkennen. Und dann ging dieser dieser Diagnose wie quasi los.
Marie : Bleiben wir noch mal vor dem Diagnoseweg. Wie ging es denn dann so in dieser ersten Phase mit ärztlichen Fachbegriffen? Vielleicht merkt man selber okay, in meinem Körper ist irgendwas anders. Es wird ernst genommen, aber man hat ja noch keine Diagnose. Ja.
Luca: Also ich muss sagen, das war bei mir ziemlich verrückt, weil es aber auch eine sehr spezielle Situation war. Es war nicht so, dass mir ein Arzt das mit der Raumforderung gesagt hat, sondern die Praxis, die das CT gemacht hat. Die hätte an meinen Arzt den Arztbrief schicken müssen, und zwar per Fax. Also einfach durch Faxen, Dann hat man das einen Tag später. Ja, da dürfte man kennen. Das Problem war, dieses Fax ist anscheinend nicht durchgegangen und das den gesamten Tag. Ich habe mehrmals telefoniert. Die haben immer wieder gesagt, sie haben es gefaxt. Der Arzt hat gesagt Nein, hat er nicht. Und dann bin ich kurzerhand hergegangen und war so dreist und habe denen meine Faxnummer gegeben im Büro. Und dann habe ich quasi das Fax direkt selber entgegengenommen. Und jetzt muss ich dazu sagen, ich habe eine medizinische Ausbildung, ich bin Notfallsanitäter. Das bedeutet, ich konnte mit über 90 % der Begriffe darin natürlich was anfangen.
Marie : Und du hast auch verstanden, was dann da drin stand.
Luca: Ganz genau. Das war im ersten Moment. Ich sage das auch immer ganz bewusst So so 30 Sekunden habe ich die Luft angehalten. In meinem Kopf war eine gewisse Leere, weil ich. Ja. Irgendwas ist passiert, aber ich konnte es nicht greifen. Ich wusste ja, jetzt wird mein Leben auf jeden Fall ein bisschen anders werden. Außer es ist ein mit 0,000 % Wahrscheinlichkeit ein Messfehler im MRT vorgefallen und im CT. Das ist sehr unwahrscheinlich. Und ja, diese 30 Sekunden Schockstarre, die waren wichtig, glaube ich im Nachhinein. Gott sei Dank. Und ich weiß nicht warum, hat mein Gehirn direkt danach umgeschaltet und ich bin in so einen Straight Forward Modus gegangen. Mir war klar, ich muss mich jetzt um Dinge kümmern. Ich muss jetzt zu einem Arzt. Ich brauche dringend Termine, damit das abgeklärt wird. Ich muss an meine Zukunft denken, nicht nur beruflich, sondern Wie geht es denn weiter? Sollte irgendwie eine Chemotherapie, eine Bestrahlung auf mich zukommen? Kryokonservierung ja, also damit vielleicht eine Familienplanung noch stattfindet. Ich war damals verlobt und das alles kam urplötzlich, als als wäre es immer da gewesen, so als wäre es das Normalste auf der Welt. Na klar. Ich gehe jetzt zum Doc und wir machen hier Termine. Und ich mache Kryokonservierung und ich mache eine Chemo und es war irgendwie schon da, obwohl ich ja noch keine Diagnose hatte. Und das habe ich dann auch in die Tat umgesetzt. Ich bin dann von meinem Büro ein Stockwerk tiefer. Da sitzen nämlich auf der Arbeit bei uns die Ärzte und habe gesagt Ich habe hier ein Problem, ich bräuchte heute noch einen Arzttermin. Dann meinte der Herr an der Anmeldung Nein, heute nicht mehr, weil keiner mehr da, keiner mehr frei. Und dann habe ich gesagt doch, wir haben jetzt die Möglichkeit, ich gehe einfach hinter oder du begleitest mich und meldest mich kurz an, weil ich hier ein Problem habe, habe das Fax dabei gehabt und dann hat er mich begleitet und wir sind zur Ärztin, zu der Chefin, auch in der Einrichtung. Und ich habe dann vor dem ja vor dem Arztzimmer quasi gewartet auf einem Stuhl und habe schon durch die Tür so ein bisschen gehört, was da gerade passiert. Ich habe gehört, es wurde telefoniert, hin und her, bin dann reingekommen und die Ärztin hat sich erstmal mega dafür entschuldigt, wie das abgelaufen ist, weil das ja nicht der normale Weg ist, dass der Patient selbst das Fax entgegennimmt. Nein. Und hat mir mitgeteilt, dass sie sich jetzt sofort darum gekümmert hat, dass ich am nächsten Tag an Halloween 2019 den Termin in dem Bundeswehrkrankenhaus in Ulm habe, in der dortigen Neurochirurgie. Die wollen nochmal diverse Untersuchungen, nochmal MRT etc. machen und mit mir besprechen, wie es weitergeht.
Marie : Und dann hat so deine Behandlungsreise genauere Diagnose und weiteres begonnen.
Luca: Quasi. Also wie gesagt Halloween. Dann sind wir hingefahren, gleich in der Früh und ich muss ja sagen, zu dem Zeitpunkt waren die Leute auch vor Ort. Mega. Das war eine überragende Erfahrung, gerade im Hinblick auf diese nicht so überragende Situation, denn der dortige Arzt war super nett. Das Anmeldepersonal war super nett und die haben mich einfach sehr schnell aufgeklärt, was jetzt einfach passiert, dass man nochmal einen Kontrolltermin macht, dass man mit mir darüber reden möchte, was die ersten Hinweise einfach sind.
Marie : Einmal kurz eine Zwischenfrage, weil wir sind voll in dieser medizinischen Lingua drin. Ich glaube, das haben viele Patienten und Patientinnen, die das auch durchgemacht haben. Aber vielleicht einmal ganz dumm gefragt noch mal Was ist denn eigentlich ein MRT? Die sind so noch.
Luca: Nicht völlig logisch, das ist ja ganz klar. Also ein MRT, ausgeschrieben oder ausgesprochen ist das Magnetresonanztomographie? Das ist wie kann man sich das vorstellen? Wie eine wie eine kleine Röhre, in die man diverse Körperteile reinschieben kann und dann wird aufgrund eines Magnetfeldes noch tiefer. Kann ich es leider auch nicht beschreiben. Wird quasi ein Scan geguckt, wo man auch in die Weichteile reingucken kann und einfach sehen kann, wie jetzt bei mir im Schädel. Was ist da drin eigentlich neben dem Gehirn? Oder ist es doch bloß das Gehirn? Und das CT im Vergleich dazu? Das funktioniert wiederum über Strahlung, also ähnlich wie beim Röntgen, was man ja dann denke ich schon so kennen dürfte. Ist nur die Strahlung höher und man hat wiederum andere bildgebende Verfahren da integriert. Der Vorteil beim MHD ist, dass es für so eine Diagnose wie bei mir völlig ausreicht bzw für die Kontrollen dann und man die Strahlung komplett einspart. Beim CT hat man ja immer Strahlung und das ist einfach nicht gut für unseren Körper.
Marie : Danke nur nochmal, weil ich dachte mir mit so ein bisschen medizinischem Hintergrund. Es hilft einfach. Man ist schnell in diesen ganzen Fachbegriffen drin.
Luca: Sowohl als Patient und dann auch noch, wenn du diese Ausbildung hast. Sorry an der Stelle, aber wir reden dann ja.
Marie : Bleiben wir noch mal bei dir. Und das große Ereignis? Du hast eine neue Diagnose. Es fängt so Es wird ja erstmal alles im Leben über den Haufen, oder? Beruflich und privat. Das geht ja nicht sozusagen im Alltag erst mal weiter.
Luca: Ja, tatsächlich. Also wie gesagt, so in diesem ersten Moment hatte ich das. Mir war klar, das wird jetzt alles sich verändern. Aber wie genau und vor allem was es mit dir macht, das kommt dann erst auf den Weg. Aber mir war sehr schnell klar, dass die Verlobung zum Beispiel auf dem Spiel steht, dass die Kinderplanung, in der wir gesteckt haben, definitiv auf dem Spiel steht, dass mein Job unheimlich gefährdet ist von heute auf morgen. Ich war damals relativ, ja, ich will jetzt nicht sagen gut in meinen Job, aber ich stand einfach gut auf der Karriereleiter da. Ich hatte Ziele und all das war so in dieser Sekunde weg, das war mir schon klar. Wie sich es dann genau entwickeln würde, das hätte ich nicht vorhersehen können. Ja.
Marie : Ja, dann frage ich doch mal gleich wild und so ein bisschen neugierig nach Wie hat es sich denn entwickelt.
Luca: Wie hat es sich entwickelt? Also nachdem dann eine Biopsie, das bedeutet eine kurze Operation an meinem Gehirn gemacht wurde, um ein bisschen Gewebe zu entnehmen und überhaupt zu gucken, was ist es denn, was wir da drinnen feststellen? Ja, dann. Da blieb gar nicht viel Zeit, um sich noch mehr Gedanken darüber zu machen, wie es sich entwickeln würde, weil es sehr schnell in Richtung Therapie ging. Letzten Endes lief es darauf hinaus, unabhängig davon, wie die Therapie etc. lief. Meine Verlobung hat in einer Heirat geendet, was mich erst sehr gefreut hat. Natürlich, was man im Nachgang sagen muss, war vielleicht übereilt, weil aufgrund der Situation. Mittlerweile sind wir geschieden, schon auch schon lange genug her und das so im Rückblick. Damit hatte ich natürlich vorher nicht gerechnet und ich glaube auch für meine Exfrau das sagen zu können. Auch sie hatte das so nicht auf dem Schirm, weil man das nicht wissen kann. Ich weiß heute, nach einigen Jahren Erfahrung, wie es so ist als Patient. Ich sage aber auch immer ich weiß nie wie es ist für andere um mich herum und auch noch die liebsten Menschen, die einen jeden Tag erleben, wie sie leiden, wie sie die Übelkeit, das Übergeben, das Mitfühlen. Also ich will es mir gar nicht ausmalen. Das Erleben hat dann auch irgendwo was für sich. Und das bedeutet also schon mal der erste große Lebenseinschnitt. Heirat, Scheidung Und beruflich wurde sehr schnell klar, dass das nicht mehr so werden wird wie früher. Ich habe direkt nach der allerersten Behandlungsphase, auf die wir dann vielleicht noch eingehen können. Ich bilde mir ein, es waren ein oder zwei Tage später nach dem Ende, dass ich wieder auf die Arbeit gegangen bin. Und ich hatte schon diesen Ehrgeiz, also zu sagen, ja, ich gehe das zu 100 % wieder an und ich werde definitiv so drauf sein wie vorher, weil was soll das? Ich bin doch immer noch der gleiche Mensch. Ja, Nein, definitiv nicht. Ich würde es heute auch so nicht mehr machen. Also mit der Erfahrung. Es war interessant zu erleben, wie sich der Körper, wie sich der Kopf, vor allem der Geist, das Mentale verändert hat. Und ich spreche wirklich von so Kleinigkeiten, dass man gerade jetzt wie bei mir bei einem Hirntumor, um den es ja geht, plötzlich Einbußen hat in Dingen, die man vorher beherrscht hat. Sei es die Konzentration, das Erinnerungsvermögen oder nicht. 100 Mal am Tag gegen den Türstock zu laufen, das ist ja nicht Usus. Und das sind so diese Kleinigkeiten, von denen ich spreche. Wenn dann der Chef zu einem kommt und sagt Hey, pass mal auf, du kümmerst dich jetzt um den Part der Ausbildung, passt es und du denkst dir klar passt es. Habe ich ja schon hundertmal gemacht und währenddessen merkst es, oder? Nein, das passt gar nicht mehr. Also ich konnte meinen Job nicht mehr adäquat ausführen und das festzustellen und so selber festzustellen. Also nicht nur, dass ich den offiziellen Anforderungen nicht genüge wurde, ich wurde auch meinen eigenen Ansprüchen nicht mehr genüge. Das war schmerzhaft, weil ich ja dort eigentlich mir eingestehen durfte. Und es war auch wichtig, dass ich nicht mehr derselbe Mensch bin wie vor der Diagnose und vor der Behandlung.
Marie : Ich weiß immer nicht, wie ich es genau formulieren soll. Es gibt ja so diesen Satz und dann ist man dem Tod gegenübergestellt und muss sich damit auseinandersetzen. Und dann sieht man das Leben ganz neu. Und bei mir war es jetzt auch nicht so, dass ich ein anderer Mensch war, oder? Ich weiß auch nicht, ob du es so in diesem raten. Also es verändert sich was, aber manchmal verändert sich eher was, was man eigentlich gar nicht will, dass sich auch noch verändert. Genau. Also bei mir war es viel. In der Phase auch. Es verändert sich ganz viel. Ich muss damit leben und ich merke erst danach, was auch die positiven Veränderungen waren.
Luca: Also es ist immer so ein.
Marie : Prozess haftes und ich würde auch zumindest für mich, meine Persönlichkeit oder meinen Blick aufs Leben hat sich jetzt auch nicht komplett verändert. Ich weiß nicht. Manchmal wirkt es so, als wäre man dann plötzlich ganz unartig, weil man sich einmal damit auseinander beschäftigt, mit sich selbst. Und es ist auch so ein Blick von außen.
Luca: Also ich glaube, ich hatte einen Riesenvorteil, dass ich mit dem großen Thema, was in der heutigen Zeit ja auch nirgendwo zu kurz kommen darf Persönlichkeitsentwicklung. Da hatte ich meine Erfahrung und das ist auch was. Tatsächlich, auch wenn ich das gerade ein bisschen sarkastisch ausgedrückt habe, das fasziniert mich und ich habe mich da auch immer auf diese Wege eingelassen und Dinge probiert. Da bin ich heilfroh, denn ich konnte dann relativ schnell zum Beispiel auch positive Veränderungen durch die Krebserkrankung sehen, wahrnehmen und auch annehmen, was ich finde für die Bewältigung ein essentieller Schritt war. Also gerade für mich kann da nicht für jeden sprechen. Und ich würde jetzt auch nicht hergehen und sagen ja, urplötzlich habe ich die Weisheit mit Löffeln gegessen. Nein, auf gar keinen Fall. Aber was so eine Diagnose auch im Positiven mit sich bringt und wenn man das annehmen kann oder sich auf den Versuch einlässt. Das ist schon bemerkenswert. Wie gesagt, es ist jetzt nicht so, dass jeder Tag hier himmelhochjauchzend und ich hier mit offenen Augen durch die Welt geht. Und Mensch, habe ich ein Glück und das nicht. Zumindest nicht jeden Tag. Aber es ist deutlich bewusster geworden. Das kann ich definitiv feststellen und so meine vorherige Einstellung, die ich schon sehr viele Jahre mit mir herumgetragen habe. Die hat sich dadurch eher gefestigt. Das muss ich auch so konstatieren.
Marie : Ja, ja, ich glaube, es ist ja auch so, gerade so dieses junge alter oder so mittlere Alter im Sinne von man hat zwar schon so einen Lebensweg eingeschlagen, mal ist vielleicht ein Studium oder Berufsanfang. Wie gesagt, Verlobungen, Familienplanung. Das sind ja gerade auch in der Altersgruppe junge Menschen mit Krebs noch mal andere Dinge als man dann vielleicht in Behandlung oder. Früher hatte ich so viele Infos darüber, wie man früher in die Rente abbiegt und nicht so Ja, aber ich ich habe noch nicht mal mit der Berufskarriere angefangen und natürlich über wirft diese Dinge ja auch noch mal und stellt vielleicht auch Dinge, die man sich vorher so als das macht man so das ist der Weg in Frage.
Luca: Ja, auf jeden Fall. Also ganz kurz bevor ich auf diesen abschweifenden Regelweg was ich eingehe Ich hatte auch so ein ganz großes Erlebnis in innerhalb der ersten Chemotherapie, weil ein Onkologe, es war ein Vertretungsonkologen mittendrin im Gespräch zu mir gemeint hat Ja, aber Sie wollen doch nicht mehr arbeiten, oder? Und ich kann dir gar nicht sagen, was das gefühlsmäßig mit mir gemacht hat. Also urplötzlich habe ich mich auch so gefühlt wie Ach so bin ich jetzt der, der hier mit die die Krankheit nutzt, um aus dem System auszubrechen? Oder bin ich der Faule oder. Also ich habe mich total also gar nicht gesehen gefühlt, weil für mich immer klar war, ich will wieder arbeiten. Definitiv. Nichtsdestotrotz man bekommt schon einen neuen Blick darauf, auch da, wenn man sich darauf einlässt. Und ja, man fragt sich dann schon Wow, ich habe jetzt bei mir waren es halt soundso viele Jahre da reingesteckt in meinem Beruf und wollte da aufsteigen und habe da für mich reingehangen, Freizeit geopfert, auch vielleicht mal die eine oder andere Überstunden mehr gemacht, die man nicht bezahlt bekommt oder wie auch immer. Und da, da denke ich mir mittlerweile, das hätte ich. Also ich würde es so nicht mehr machen. Ich bereue es nicht. Gar nicht, weil es hat auch Spaß gemacht. Aber es gibt für mich persönlich so viel wichtigere Dinge. Sei es Zeit mit der Familie, mit Freunden, mit den Liebsten, sei es irgendwelche tollen Hobbys, Aktivitäten, irgendwas was, was einen so ein bisschen bereichert. Also das würde ich auf jeden Fall wesentlich mehr in den Fokus stellen.
Marie : Ihr habt so ein paar tolle Hobbys, Dinge, wo du sagst das ist für dich was, wo du wieder auftankst.
Luca: Ja, also mittlerweile andere als ich noch krank wurde, als ich krank wurde, weiß ich noch, innerhalb der ersten Chemo bin ich Fallschirmspringen gegangen. Also wirklich, ich habe zwölf Sprünge gemacht und das war für mich damals so ein richtiger Energieauffüller, kann ich sagen. Wow, Abenteuer pur, Adrenalin, das ist es. Und heute ist es was ganz anderes. Das ist jetzt ein bisschen fast traurig. Ich spiele Bridge. Also ja, das Kartenspiel, von dem man immer sagt, das spielen doch nur die älteren Damen und hin und her. Aber das, also wirklich, das füllt mich ganz schön aus. Und es ist auch, glaube ich, ein ziemlich wichtiges Mittel. Da gibt es auch andere. Aber gerade bei meiner Diagnose, weil es hält das Gehirn dann doch irgendwo fit oder man kann da das trainieren. Ich wollte schon sagen den Muskel trainieren, aber es ist kein Muskel. Aber man kann das Gehirn trainieren. Und das macht mir sehr viel Spaß.
Marie : Noch mal zu einer etwas radikaleren persönlichen Frage. Hattest du Angst zu sterben mit der ganzen Diagnose Behandlung?
Luca: Nein. Tatsächlich? Nicht ein einziges Mal, Weil. Da haben wir wieder die. Den Weg, den ich einfach schon vor der Diagnose für mich gegangen bin. Oder auch natürlich durch die Hilfe anderer. Und dieser Weg ist sehr stoisch, geprägt durch viele, auch bekannte Persönlichkeiten zu der damaligen Zeit. Heute würden wir das alles Resilienz nennen. Und das Witzige an unserem Leben ist ja, dass wir da nicht lebend rauskommen. Ob ich jetzt Krebs habe oder nicht, ist dabei vollkommen irrelevant. Das bedeutet, mit meiner eigenen Sterblichkeit hatte ich mich schon lang auseinandergesetzt. Es war und auch wenn ich gefragt werde, ich war nie traurig darüber, dass das jetzt vielleicht früher eintritt oder wütend. Es ist eher Ich habe so ein Gefühl von. Das ist aber schade. So habe ich es mir mal nicht vorgestellt. Ich hatte ja eine andere Vorstellung. Es ist schade. Also Angst hatte ich nicht.
Marie : Und wie war es so im Umfeld? Familie? Freunde? Es ist ja ein Thema, was dann nicht nur dich betrifft, sondern vielleicht auch Ängste oder auch andere Reaktionen weckt.
Luca: Ja, also da war und ist die Angst schon präsent. Nicht, dass es jetzt oh Gott, wenn ich bei meiner Familie sitze, wird nicht geweint. Die ganze Zeit überhaupt nicht. Aber gerade am Anfang, das war für mich auch das Schwerste an der Situation, das meinen Liebsten sagen zu müssen. Weil also das darf natürlich jede Person für sich entscheiden, aber für mich war es immer der Weg. Ich gehe damit offen um nach draußen und innerhalb meiner Familie, Freundeskreis. Da werde ich das auf jeden Fall aushalten. Und ich weiß heute noch, wie ich an dem Tag, wo ich das mit der Raumforderung erfahren habe, da bin ich nach Hause gefahren worden. Ich durfte nicht mal mehr Auto fahren, obwohl ich es mir zugetraut hätte. Aber hey, total lieb und nett von den Kolleginnen und Kollegen. Und dann war ich in meinem Elternhaus und ich war alleine. Ich wusste, mein Vater würde jetzt dann gleich von der Arbeit heimkommen und ich habe die ganze Zeit daran gedacht, Wie sage ich das jetzt dem, Was mache ich? Weil das wird nicht eine Begrüßung wie sonst. Und das war auch, also im und dann eine halbe Dreiviertelstunde später meiner Mutter das zu sagen, das war mit das Schlimmste, was ich persönlich für mich in meinem Leben machen musste. Denn die Menschen, wie in meinem Fall sehr innig harmonisch zu denen ich aufschauen, die ich liebe, denen sagen zu müssen Hey, pass mal auf, ich habe hier was, was mir vielleicht das Leben kostet und vielleicht auch früher als geplant. Das war hart. Vor allem die Reaktion zu erleben. Und ja, hat dann auch tatsächlich dazu geführt, dass ich in dieser ersten Zeit mehr für meine Familie da war als umgekehrt, was völlig in Ordnung ist. Das ist gar kein Vorwurf, denn irgendwann dreht sich das auch. Und ja, im Freundeskreis, da habe ich es ausgewählten Personen einfach gesagt, so da, wo ich wirklich sage, das sind Freunde und die sind sehr cool damit umgegangen. Also wirklich in der Regel schon. Man hat so ein paar Bekanntschaften eher verloren, würde ich sagen. Dadurch, weil nicht jede Person, jedes Individuum damit gleich umgeht, was auch wieder völlig wertfrei sein soll. Aber die Menschen, die mir wichtig sind und damals auch waren, die haben das wirklich toll gemacht. Also die haben einfach dagesessen, haben gesagt Ja, scheiße, aber hey, wir sind da, wir gehen den Weg irgendwo mit. Und das war so viel wert. Und die Familie das Gleiche.
Marie : Das ist wirklich auch schön zu hören, dass es dann das Umfeld auch gibt.
Luca: Voll. Also allein, wenn ich an meine Familie und meine beiden Geschwister denke. Das ist der Wahnsinn, was ich von denen für einen Support bekomme. Die stehen wirklich hinter mir, die sind da, wenn es mir mal auch nicht so gut geht. Was ja auch mal vorkommen darf. Dann bin ich nie alleine. Never.
Marie : Bei mir hat es tatsächlich in vielen Freundschaften zu so einem radikalen Ehrlichkeitsding geführt. Im ersten Moment zu erzählen ist irgendwie so ein Puh. Ich war auch die erste im Freundeskreis. Es ist ja jetzt nicht so, die anderen haben so angefangen Babys zu bekommen. Ich sage Hey Leute.
Luca: Ich habe da auch was.
Marie : Die Bildgebung ist ein bisschen anders, aber Dadurch, dass ich mit viel Offenheit an das Thema herangegangen bin. Ich musste neu lernen, darüber zu sprechen, wie es mir geht. Aber ich muss sagen, es hat viele Freundschaften bereichert.
Luca: Das ist schön. Das ist auch schön zu hören. Ich überlege gerade, weil ich könnte jetzt gar nicht sagen, dass das ist die Freundschaft indirekt bereichert hat, weil wir oder zumindest von meiner Warte aus ich schon immer sehr ehrlich und direkt kommuniziere. Aber ja, bei der einen oder anderen Freundschaft durfte ich auf jeden Fall feststellen, dass eine andere Dynamik da reinkam. Ich weiß nicht, wie es dir da ging, aber da hat sich auf jeden Fall was verändert. Primär würde ich auch sagen zum Positiven. An ein oder zwei Stellen eher so, wo ich mir gedacht habe Hey, ich bin immer noch der Luca. So Ja, ich habe Krebs. Okay, aber ich ich bin nicht der Krebs. Du brauchst jetzt nicht so mit einem mit jemandem reden, der wirklich gerade am Sterbebett liegt. Das können wir uns noch aufheben. Ich denke, das wird noch kommen. Irgendwann. Und dann heben wir uns das dafür auf. Ansonsten die innigen Freundschaften. Die sind konstant gut geblieben. Ich bin auch sehr froh darüber.
Marie : Es ist schon mal angesprochen, wie verschieden die Reaktionen sein können. Ob das jetzt wahrscheinlich manchmal auch gut gemeint oder auch nicht unterstützend ist. Ich glaube, es stecken teilweise auch eigene Ängste. Oder noch mal wie gehe ich mit so einem Thema um, wenn ich das jetzt irgendwo im Umfeld erfahre? Klar hast du da ein paar Tipps für Leute, die vielleicht auch eine Diagnose irgendwo im Freundeskreis haben hören?
Luca: Ja, definitiv. Also was ich eigentlich immer gerne mitgebe, sei es jetzt, wenn ich auf Workshops bin oder wenn ich zum Beispiel über die DGHO jungen Ärztinnen so ein bisschen die Patientenperspektive näher bringe. Und da eben diese Tipps gibt, was ich ein unheimlich mächtiges Instrument innerhalb der Kommunikation finde, sind Fragen und vor allem offene Fragen. Allein die Frage Möchtest du jetzt gerade darüber reden? Also das ist doch super, oder? Auch die Frage Was darf ich dir heute zumuten? Was ist? Wie geht's? Was geht heute in dir vor? Ja, was ich schwierig finde, ist, wenn man so merkt, die Person möchte da vielleicht gar nicht drüber reden, sondern fühlt sich eher gezwungen, jetzt nachzufragen Wie geht es dir? Da würde ich dann den Tipp geben einfach sparen. Das ist überhaupt nicht schlimm. Aus meiner Warte zumindest. Man muss nicht immer eine Floskel raushauen Hey, wie geht es dir? Nein, wenn es ernst gemeint ist, immer klar. Aber dann muss man natürlich auch mit der Konsequenz leben können. Weil ich werde dann schon auch offen und ehrlich reden und sagen Du, heute war Kinotag, Mir geht es heute richtig mies. Habe mich achtmal übergeben. Ich bin fünfmal gegen den Türrahmen gekracht. Ich habe eigentlich gar keinen Bock, heute hier zu sein. Aber hey, schön, dass du da bist. Das kann dann halt auch mal kommen. Aber ja, wichtigster Tipp Fragen und sich immer wieder so einfach dieses das Gegenteil von gut ist. Gut gemeint ist ein ganz bekanntes Zitat, das sich einfach mal zu Herzen nehmen. Das kann passieren. Ja, und dann mit der Reaktion vielleicht einfach ein bisschen mehr Verständnis haben.
Marie : Du hast gerade schon Workshops erwähnt. In welchem Rahmen oder wie machst du das?
Luca: Durch das, was ich ja gerade auch nicht arbeitsfähig bin oder nicht arbeitsfähig geschrieben bin, ist es so, dass ich das alles ehrenamtlich mache und beispielsweise das über die deutsche Gesellschaft, Hämatologie und Onkologie. Da wurde ich angefragt über die Stiftung. Ich hatte mich damals gemeldet vor. Ich bilde mir ein, zwei Jahren oder letztes Jahr kann ich gar nicht mehr genau sagen. Und ich fand das einfach super bereichernd. Und auch das Feedback von den Patienten. Patientinnen sage ich schon den Ärztinnen, die danach zu mir kamen und einfach sich bedankt haben. So diese Offenheit. Auch weil sie später in ihrem Job ja den die Zeit gar nicht mehr haben, auch mal kritische Fragen zu stellen. Ja, manchmal traut man sich nicht. Und dann steht da aber urplötzlich ein junger Kerl, der sagt Frag trau dich einfach. Und es ist völlig egal, was ich sage, schon, wenn irgendwas zu viel ist. Aber das würde eh nicht passieren. Und vor allem in diesem Rahmen. Und das andere so Workshops halte ich dann nicht, oder das ist so, so, so ein Mix, Das ist dann tatsächlich über eine Pharmafirma auch, die da in dem Bereich Hirntumoren auch einfach viel aktiv ist, die eine ganz, ganz, ganz tolle Internetseite rausgebracht haben in Zusammenarbeit mit uns Betroffenen. Tatsächlich? Die heißt Leben mit gliom.de. Und wenn ich dann sowas sehe, so ein Ergebnis und ich mir denke Boah, wenn ich noch mal 25 wäre, diese Diagnose bekommen hätte und so eine Internetseite präsentiert worden wäre, da wären so viele Fragen gar nicht aufgetaucht. Also in diesem Kontext findet das quasi statt. Und das ist ja sowohl für mich bereichernd und ich kann immer nur hoffen, dass es für meine zuhörenden und aktiven Leute dann auch bereichernd ist.
Marie : Da sind wir doch gleich beim Thema andere Patienten und Patientinnen mal kennenlernen. Wir haben uns auch bei den Treffpunkten kennengelernt für junge Menschen mit Krebs. Dieses Gefühl von okay, ich bin nicht die einzige Person, der das passiert. Ich habe so ein ganzes Set an neuen Vokabeln und Erfahrungen. Vielleicht tut es auch mal gut, sich mit Menschen auszutauschen, die was ähnliches. Gleiches. Ich meine, es gibt so viele Krebsarten, das ist nie ganz gleich, aber vielleicht auch mal böse Witze drüber machen können, ohne dass der ganze Raum betroffen schaut. Also sowas passiert ja auch in den Gruppen. Willst du dazu ein bisschen erzählen?
Luca: Ja, sehr gern. Ich kann da jetzt natürlich auch nur aus der eigenen Erfahrung und aus der eigenen Gruppe, in der ich bin, quasi sprechen. Das ist eben die Stiftung Junge Erwachsene mit Krebs, die deutschlandweit über 40 dieser Treffpunkte hat. Und wir sind dort in einer Altersgruppe von 18 bis 39 und jetzt haben wir dort einfach einen geschützten Raum. Alle von uns haben auf die eine oder andere Art und Weise Krebs oder Krebs gehabt. An der Stelle vielleicht auch mal gesagt Das ist ja auch total geil, das sagen zu können, weil von uns Jungen über 80 % wieder geheilt werden können. Ja, also das darf man immer nicht vergessen. Das möchte ich mal eingeworfen haben. Und das ist natürlich ein wahnsinnig schönes Erlebnis, das darf ich so sagen, denn man ist und sollte sich immer wieder vor Augen führen, man ist immer okay, so wie man ist. Das ist nicht der Punkt. Nur wenn man von seiner Gesellschaft um einen herum immer wieder Feedback bekommt, ob bewusst oder unbewusst, dass du eben nicht mehr so ganz und straight läufst, dass du nicht mehr ganz in der Spur bist. Da ist es sehr angenehm. Ja, also zum Beispiel, was sehr vielen Krebspatientinnen und Patienten so geht, ist der Autonomieverlust. Also heißt die Selbstständigkeit, die urplötzlich weg ist, weil Dinge von außen geregelt werden, weil du Therapien machen musst, weil du Einschnitte hast, aufgrund deiner Diagnose, die dir Sachen wegnimmt, wie bei mir zum Beispiel die Koordination. Das Vergessen, was viel mehr wird. Das nimmt dir immer wieder ein Stückchen mehr deiner Selbstständigkeit. So, und jetzt stellt euch einfach vor, ihr seid in eurem Freundeskreis. Alles ist wie immer, nur bei dir nicht. Du vergisst was, was ihr gerade vor zwei Minuten besprochen habt. Und mit Vergessen meine ich wirklich, es ist weg. So? Ja, Und dann wirst du komisch angeguckt. Das hinterlässt immer so ein dumpfes Gefühl. Und das meinen die nicht böse? Gar nicht. Das ist völlig normal. Ja. Hätte ich diese Diagnose nicht, würde ich auch erstmal irritiert gucken und sagen Hey, da hatten wir doch gerade zwei Minuten drüber geredet. Und jetzt bin ich in diesem geschützten Raum und es geht einfach jedem so! Nicht unbedingt, dass die das vergessen zu haben, aber die haben andere Dinge und das sieht man, das merkt man, das spürt man. Und durch die Tatsache, dass die das selber für sich wahrnehmen, nehmen die dich ganz anders wahr. Und das ist einfach schön daraus. Ich sag das auch immer Man ist da nicht, um dort krasse Freundschaften zu finden, wenn es so ist. Wunderschön. Aber es geht darum, dass du einfach mit einer Menschenmenge zusammen triffst, die die gleiche Schnittmenge mit dir hat. Und das ist sehr erleichternd manchmal.
Marie : Genau. Danke.
Luca: Ja, gerne.

Luca: Die deutsche Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs. Die haben den Hauptsitz in Berlin. Und die organisieren diese Treffpunkte für junge Menschen mit Krebs. Es gibt online auch ein junges Krebsportal, da machen sie auch viel Beratung. Also es ist tatsächlich einfach eine Stelle, wo man sich wenden kann. Wenn ich jetzt sage, okay, ich habe eine Diagnose, was ist denn mit meinem Studium in meinem Beruf und was muss ich mich kümmern? Ganz genau. Ich kann ja Schwerbehinderung beantragen. Was bedeutet das? Was ist mit einem geplanten Kinderwunsch? Und was muss ich mich da kümmern? Was ist juristisch, wenn dann irgendwas in Beruf oder anderen Dingen passiert? Es gibt tatsächlich, auch wenn man eine andere Diagnose bekommt, die vielleicht nicht ganz so fröhlich Ausblicke hat, auch Hilfe in dem. Welche Schritte gibt es da? An wen kann ich mich wenden, wenn ich mir dann um Tod oder Sterben oder auch Hospiz Gedanken machen muss. Das alles vertritt die Stiftung aber auch so Dinge wie Ausflüge für die Leute in den Treffpunkten. Dann mal was Schönes machen, andere medizinische Unterstützung, aber auch viele einfach Informationen verteilen, Leute aufklären. Und wenn ihr mehr dazu wissen wollt, dann guckt im Internet nach der Deutschen Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs sehr gerne.
Marie : Also schaut da wirklich drauf. Das ist. Also für mich war das wirklich wie so ein Türöffner auch noch mal, das muss ich ganz klar sagen. Denn wenn ich so zurückblicke ich war bei einer ersten Reha beispielsweise in einer neurologischen Reha, was ja auch prinzipiell wo man dran denkt. Hirntumor ergibt ja vielleicht irgendwo Sinn. Da war ich nur mit Menschen zusammen. Der nächste in meinem Alter war Mitte 50. So? Ja. Und allein das ist ja schon mal ein riesen Gap, der da entsteht. Und dann war ich auch der einzige mit einem Tumor dort. Zumindest von den Menschen, die ich kennenlernen durfte. Und das war. Ich habe mich da nie so richtig richtig gefühlt. Tatsächlich und allein da zu wissen, dass es gezielte Rehaeinrichtungen für junge Menschen mit Krebs gibt oder mittelalte Menschen mit Krebs, das ist der Wahnsinn. Und so was erfahrt ihr da zum Beispiel auch.
Luca: Das ist auch noch mal ein sehr guter Punkt, weil tatsächlich ich glaube, oft ist in der Behandlung im Krankenhaus. Man sitzt dann in diesen Räumen und fühlt sich so ein bisschen jung.
Marie : Anders total. Also wenn ich so an die Chemotherapien, die ich bekommen habe, sind ja dann doch schon drei Stück zurückdenke, gerade in der letzten. Ich saß in einem Raum voller Menschen, die deutlich älter waren als ich und ab und an war mal jemand da, der ähnlich alt war. Da habe ich dann auch meistens angesprochen, allein schon wegen dem Treffpunkt und weil ich das auch gerne viel früher schon gewusst hätte, dass es so etwas gibt. Und auch das macht was mit einem, wenn man es so sieht. Ich bin hier wirklich irgendwie so. The way out. Das ist ein bisschen komisch.
Luca: Ich glaube, rein statistisch bekommt jeder zweite Mensch irgendwann in seinem Leben Krebs. Aber meistens passiert es halt in einem höheren Alter. Richtig. Und dann? Für Kinder mit Krebs gibt es auch noch mal so eine ganze Gruppe. Viel. Und dann so ab dem jüngeren Alter ist da ist man erwachsen, da kann man es selber händeln. Man wird anders noch mal auf Familie zurückgeworfen. Einfach hat noch mal ganz andere Themen als der durchschnittliche Krebspatient.
Marie : Du steckst ja in einer ganz anderen Lebensphase. Ja, und das klingt immer so dreist. Aber der. Selbst wenn Mitte 50, Ende 50-jährige oder die Ende 50-jährige, da ist es oft so, dass die Familienplanung abgeschlossen ist. Sei es allein schon wegen dem Alter oder weil einfach schon Kinder da sind. Meistens ist es so Thema Wohnung, Hausbau, das ist auch alles gelaufen. Meistens ist Ausbildung auch schon gelaufen, Studium gelaufen. Das ist bei uns ja alles mittendrin. Das erfasst uns ja wirklich genau in diesen sehr sensiblen Lebensphasen. Und das ist verdammt wichtig, dass man die nötigen Stellen hat und dann auch die Unterstützung bekommt. Denn das ist ja das nächste Thema Autonomieverlust auch wieder, wenn einen urplötzlich überfordert, ein Formular auszufüllen. Das ist ganz komisch und da braucht man dann Hilfe, Unterstützung. Sei es jetzt von Organisationen, Patienten, Organisationen, sei es von der Familie, Freunden, Wie auch immer. Das bleibt meistens nicht aus.
Luca: Das sind dann aber auch alle Lebenswege oder Situationen. Wieder so ein bisschen unterschiedlich. Aber man muss sich mehr auf andere verlassen.
Marie : Ich kann es nur empfehlen. Ja, ich mag das Wort müssen nicht, weil man muss ja Gott sei Dank sehr wenig im Leben, aber es ist ratsam und es ist auch allein das zu wissen, dass es in Ordnung ist, um Hilfe zu bitten, dass man nicht derjenige ist, der hier völlig planlos durch die Welt geht, hilflos durch die Welt geht. Nein, überhaupt nicht. Es ist in Ordnung und es ist auch in Ordnung, sich von Banalitäten, vermeintlichen Banalitäten überfordert zu fühlen. Das vielleicht mal an der Stelle.
Luca: Ich finde es auch immer.
Marie : Sehr schön, dass du auch immer gleich noch mal diesen Raum aufmachst, um ganz viel Unterschiedliches sein. Wie viel Vermögen, wie viel Kraft habe ich an dem Tag einfach existieren zu lassen? Und du hast ja auch im Treffpunkt und bei manchen Treffen schon so ein bisschen Gesprächsführung übernommen. Und ich glaube, du hast auch eingeführt, dass man. Wir machen am Anfang immer so eine Runde mit Hey, auch mal was Positives sehen.
Luca: Das war mir sehr wichtig von Anfang an. Bei dem Treffpunkt hatte ich auch die Chance mit in die Organisation zu gehen und habe da schon versucht, ein bisschen ein, sagen wir mal, ein Konzept aufzustellen. Aufgrund einfach meiner Erfahrungen, aber auch meiner Schulungen, die ich schon hinter mir habe in meiner Qualifikationsebene. Und wie du sagst, wir beginnen immer mit dieser klassischen Dankbarkeitsrunde. Also wir machen immer ein Blitzlicht mit Dankbarkeit, wo man einfach mal sagt wo stehe ich denn gerade, was ist gerade so los und wofür bin ich dankbar? Und immer ganz wichtig Warum bin ich dafür dankbar? Und wir schließen auch das wieder mit einem positiven Tagesrückblick, wo man den Tag einfach mal reflektiert Was war heute eigentlich positiv und warum? Das sind so die zwei Dinge. Kommt aus der positiven Psychologie, egal ob krank oder nicht. Ich kann es nur jedem wärmstens empfehlen. Das ist ein ganz, ganz nettes Tool und je häufiger man das macht, das ist so Glück oder die Wahrnehmung für positive Energie, das multipliziert sich in der Anwendung. Wir haben ja immer Wir sitzen zu Hause und denken uns auch Heute geht es mir aber nicht so gut. Warum habe ich kein Glück? Und ich glaube, da liegt schon der Hund begraben. Mit der Frage kommen wir nicht weiter, sondern lieber auf das Fokussieren. Und ich sage das auch immer gerade wenn ich eine Chemo mache oder so, dann ist das Dankbare oder auch das Positive des Tages. Vielleicht mal das Zähneputzen, weil ich es heute geschafft habe. Das reicht. Da geht es nicht darum, dass man den Lotto Jackpot gewonnen hat, dass man in der Arbeit eine Beförderung bekommen hat. Überhaupt nicht. Es geht um die kleinen Dinge.
Marie : Danke schön. Dann gehen wir noch mal tatsächlich vom Allgemeinen direkt zu dir. Ich frag mal, du bist jetzt schon eine Weile in Behandlung, aber hast doch gesagt, du bist noch nicht ganz wieder zurück im Arbeitsding, sondern immer noch in diesem Patientenstatus. In gewisser Weise ja. Wie geht es dir damit zurzeit?
Luca: Also zurzeit kann ich mich überhaupt nicht beschweren, das muss ich sagen, weil man sich natürlich jetzt, wenn man schon in Anführungszeichen so lange krank ist wie ich. Man gewöhnt sich daran. Man findet sich auch. Und dann, je schneller man in dieses Akzeptieren auch kommt und Annehmen der Situation, desto leichter ist der Umgang damit. Also gerade finde ich es wirklich okay. Ich habe auch das vollkommen akzeptiert und annehmen dürfen, dass diese Diagnose einfach nicht gehen wird. Das ist wirklich eine ja letzten Endes palliative Situation, in der ich ja stecke. Also nach aktuellem Stand der Schulmedizin ist dieser Krebs nicht heilbar und wird auch leider Gottes irgendwann zum Versterben führen. Und auch da, wenn man das annehmen kann und es gelernt hat, das macht auch was positives mit einem. Deswegen geht es mir da ziemlich gut.
Marie : Aber es ist jetzt nicht einfach so, dass deine Behandlung Chemo war und dann haben sie es rausoperiert und jetzt ist alles weg.
Luca: Nein, gar nicht. Das war von Anfang an klar, dass diese Tumor nicht operiert werden kann. Weil er a zu tief ist und b es sehr flächig. Man hat oft bei diesen Gliomen, also bei mir, das nennt sich einfach so diese Art des Tumors im Kopf. Das ist ein niedriger Grade, ein Oligodentroglio und die kann man oft sehr gut rausschneiden, weil die vor allem ganz gerne auch mal an der Oberfläche sitzen vom Hirn. Bei mir nicht. Es ist auch ein diffuses Man nennt es diffus, wenn man so die Ränder gar nicht mehr abgrenzen kann, sondern wenn das ins gesunde Gewebe so übergeht. Und das ist bei mir einfach der Fall. Das heißt, eine OP kam gar nicht erst in Frage, weil die Areale, in denen er sitzt, dadurch, dass das so viele sind. Ich wäre danach definitiv nicht mehr wirklich lebensfähig gewesen. Das heißt, man hat sofort mit einer Chemotherapie und vorher noch mit einer Bestrahlung gestartet und danach heißt es tatsächlich warten. Man hofft immer, dass diese Chemotherapie und dass die Strahlentherapie, dass das so weit reduziert, wie es geht. Bei Gliomen ist man einfach auch froh und dankbar, wenn die zum Stillstand kommen. Man bremst sie quasi aus. Und ich hatte in meinem Leben dann noch ein Rezidiv. Das wurde Ursprungs leider Gottes zu spät erkannt und auch an die falsche Stelle geschickt. Das kann leider passieren. Wir sind alles Menschen und wir machen nun mal Fehler. In dem Fall leider Gottes von ärztlicher Seite. Und deswegen hat sich meine zweite Chemotherapie sehr weit hinausgezögert und dann hat die auch noch nicht gewirkt. Das kann auch noch mal passieren, weil wir haben bei Hirntumoren einfach noch nicht diese Bandbreite an Therapeutika, sondern in dem Fall sind es sehr wenige Mittel und das hat nicht angeschlagen. Und die dritte Chemotherapie? Die hat dann wieder angeschlagen. Die haben wir auch durchgezogen, die ist bis Mai letzten Jahres gegangen. Und jetzt sind wir eben wieder an dem Punkt, dass ich einfach regelmäßige Kontrollen mache. Das ist aktuell so alle drei, vier Monate und wird maximal halbjährlich dann hinausgezögert. Und an dem Punkt sind wir oder bin ich. Ich spreche immer von mir. Das bin ich. Und da fühle ich mich ganz wohl mit. Tatsächlich?
Marie : Was macht das so mit deiner Lebensplanung? Mit Ideen über Zukunft träumen?
Luca: Mir gefällt, dass du gerade Ideen gesagt hast. Ich bin nicht so der größte Fan von Träumen. Das darf natürlich auch wieder jede Person entscheiden. Ich mag Ideen und ich habe viele Ideen. Viel zu viele. Aber das Schöne ist für mich an diesem Ideenkonzept. Ideen kann man jederzeit verwerfen. So sich von einem wirklichen Lebenstraum zu lösen, ist mir immer schwer gefallen. Das habe ich so gemerkt. Und eine Idee? Ja, meine Ideen, die sind vor. Ich kann es dir gar nicht sagen. Also was, was ich gerne machen würde, ist auf jeden Fall Ich will Heilpraktiker noch werden. Ich will eine Familie gründen, sofern das Glück einfach da ist. Sofern das klappen würde. Und ob diese Ideen dann in die Tat umgesetzt werden, das hängt ja nicht nur von mir ab. Aber ich werde wie immer alles in meiner Macht stehende tun, damit sich das in Erfüllung geht.
Marie : Sehr positive Einstellung.
Luca: Wie schon gesagt, man ist immer. Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied. Ich bin nicht unbedingt der Fan von diesen ganzen Sprüchen, aber es ist schon so, dass wir uns zu einem gewissen Grad auch einfach entscheiden können, ob wir heute zufrieden, glücklich sein wollen oder nicht. Und wenn ich so einen Blick schon in der Früh beim Aufstehen einfach habe, dann lebt es sich doch schöner. Und wer dann hergeht und zu mir sagt Ja, du redest dir deine Situation aber arg schön. Dem entgegne ich zwei Sachen. Erstens Für mich fühlt es sich nie an, als würde ich mir irgendwas schönreden und zweitens Selbst wenn dem so wäre, dann sterbe ich doch lieber mit einem Lächeln im Gesicht als weinend, schreiend oder fluchend. Also auch dagegen, finde ich, spricht nichts. Ja.
Marie : Dann bleiben wir doch noch mal bei Sachen, die du erzählt hast. Wie fühlt sich denn eine Chemo für dich an?
Luca: Das ist ganz spannend, weil jede Chemotherapie, die ich bisher gemacht habe, sich anders anfühlt. Dazu muss man ja auch vielleicht mal an der Stelle ein bisschen aufklären. Chemotherapie ist nicht gleich Chemotherapie. Das ist ja auch etwas, was durch Film und Fernsehen immer ein bisschen verzerrt dargestellt wird. Leider Gottes, oder was die Menschen so im Kopf haben, wie wenn man sagt, man hat Krebs, ist für die Leute klar okay, der ist tot, was einfach nicht stimmt. Und genauso ist Chemotherapie eben nicht Chemotherapie. Bei mir war die allererste Chemotherapie, das waren Tabletten, also super angenehm, rein vom Einnehmen her. Und da war es auch so, dass die ersten drei Zyklen und so ein Zyklus ging über sechs Wochen sehr angenehm. Ich habe es vorhin schon gesagt, ich konnte Fallschirmspringen, also autark, ohne Begleitung. Das war super. Die letzten drei Zyklen waren nicht so schön und auch nicht so angenehm. Und ich habe das den Leuten immer beschrieben. Wie. Ich weiß nicht, ob ihr das kennt, aber wenn man auf einer Baustelle ist und ich rede wirklich von einem Hausbau und die Leute rühren in diesen Zementeimern mit so einem großen Bohrmaschine, mit so einem langen Stab vorne dran, der so alles rum wirbelt, an, so hat sich das angefühlt nur in meinem Bauch. Also als würde man da drin mit diesem Apparat einmal Vollgas rumdrehen. Mir war sehr übel. Es ging mir einfach nicht gut. Die Energie war weg. So aus dem Nichts. Ja, das war ziemlich crazy. Aber alles in allem. Erste Chemotherapie sehr gut überstanden. Die zweite Chemotherapie, die dann auch nicht gewirkt hat. Relativ ähnlich. Also waren auch wieder Tabletten. Das ging ganz okay. Ich habe aber schon währenddessen gemerkt irgendwie, das ist es nicht Und das hat sich dann auch bewahrheitet. Die dritte Chemotherapie, die war nicht schön. Das muss ich wirklich so sagen. Und auch da wieder Wir haben dieses Gefühl, was ich versucht habe, mit der Metapher von dem von der Bohrmaschine zu erklären. Und darüber hinaus habe ich erstens allergisch auf das Mittel reagiert, dass diesmal intravenös, also wie man es kennt, so am Tropf, wie es immer halt umgangssprachlich heißt, in mich reingeflossen ist und wie man es sich vorstellt. Wirklich wie aus dem Medizin Lehrbuch. Ich habe einen Flush bekommen, das heißt ein rotes Gesicht. Mir ist heiß geworden, ich habe eine Brust gespürt, ich habe Atemnot bekommen und erstaunlicherweise ist die Angst bei mir ein bisschen ausgeblieben. Ich hatte so eine. Ich weiß nicht, ob es noch gesund ist, aber eine Neugier, weil es ist urplötzlich. Ich. Ich kann. Ich. Ich kenne sehr viele Patienten, denen das so gegangen ist, denen ich helfen durfte. Gott sei Dank. Urplötzlich habe ich das erlebt und ich dachte mir Ach, da, schau an! So ist das also mit der Atemnot.
Marie : Also mehr so die Erfahrung, dass man selber auch mal Ja.
Luca: Mir ging es natürlich nicht gut, aber es war auch sehr interessant, wie gesagt und darüber hinaus ja ganz schwierig, das zu beschreiben. So eine Chemotherapie fühlt sich auch wieder für jeden anders an, aber es war wie jemand, wie ein Blutegel, der an ihr sitzt und dir die Energie zapft. Also ich sage auch immer, wenn man noch eine Metapher aufbauen will, wenn du, wenn deine Energie quasi ein leeres Glas ist, ein leeres Glas, das du füllen kannst über den Tag, und wenn du oben angekommen bist mit der Flüssigkeit da drin, dann war's das. Dann hast du deinen Energiehaushalt erschöpft und dann ist es in der Chemotherapie oder auch allein mit dieser Diagnose schon so, dass dieses Glas einfach schon zu einem Drittel oder vielleicht zur Hälfte gefüllt ist. Und logischerweise hast du dann nur noch 2/3 oder nur die obere Hälfte noch Platz, um Energie zu nutzen. Und das ist einfach weg und du kannst nichts dafür. Und was auch noch ist, das ging mir auf jeden Fall so Stimmungsmäßig schwankt sehr viel, weil einfach so viel in deinem Körper passiert. Da läuft ja Gift in dich rein. Also Gott sei Dank. Es ist ein Gift gegen diese bösen Zellen, aber es ist letzten Endes Gift. Und urplötzlich wirst du pampig, obwohl es keinen Grund gibt. Gut, die Chemo ist vielleicht der Grund, aber ich meine zu rein. Es hat niemand ins Gesicht geschlagen. Niemand hat dir eine böse Nachricht überbracht. Aber du bist pampig und auch noch zu Leuten, die du echt gern magst. Ich erinnere mich. Mein Papa hat mich abgeholt. Von der Chemotherapie. Von der letzten quasi. Und ich bin raus, hab mich ins Auto gesetzt und er hat mich einfach gefragt Na, wie geht's? Und ich bin wirklich an die Decke gegangen. Wie soll es mir gehen? Ja, mir geht's scheiße. Ich komme gerade von der Chemo und es war überhaupt nicht fair ihm gegenüber. Gar nicht. Ja, das ist vielleicht auch noch so ein kleiner Tipp. Und der ist mit der schwerste als außenstehende Person, sich nicht zu ärgern. Vielleicht, wenn mal die betroffene Person gerade so ein Ausflippen hat oder so, sondern dass es nie oder ganz selten böse gemeint, sondern das ist dann urplötzlich einfach da und muss raus. Und es trifft die Person, die gerade da ist und die hat, die hat das nicht verdient.
Marie : Aber ich glaube, es ist dieses einfach keine Energie mehr auch für diese sozialen Normen oder sich zusammenreißen, manchmal haben und damit umgehen. Ich sage schon wieder müssen, aber.
Luca: Zu lernen.
Marie : Zu lernen ja oder auch was du meintest, wenn dann irgendwas im Gehirn nicht mehr so funktioniert. Es ist ja nie was, was sich die Person ausgesucht hat oder beschlossen hat. Oh ja, ich bekomme jetzt Krebs oder geht damit an neue Grenzen. Man kann auch schlecht sagen, das ist passiert, weil du zu viel geraucht, gepaart ist. Man hat halt Pech gehabt bei irgendeinem das gehen teilen irgendwie. So.
Luca: Ich habe neulich mit einem Notfallsanitäter Kollegen gehabt, jetzt auch schon gesagt er hat gesagt Luca, immer noch einer der größten Risikofaktoren für Krebs ist der Zufall. Und er hat einfach recht. Ja, klar gibt es andere Risikofaktoren, die du genannt hast mit Rauchen, Saufen etc. Und das kann, um Gottes Willen ist bewiesen, zu Krebs führen. Aber wie bei uns. Du kannst auch alles richtig machen und Krebs kriegen.
Marie : Ja, das ist wahrscheinlich dieses Junge Leute Thema. Also selbst wenn junge Menschen etwas in die Richtung machen, ist es meistens noch nicht lang genug, als dass das der Auslöser ist. Richtig. Es sind in der Altersgruppe oft eher die Krebsarten, die einfach. Manchmal genetisch bedingt. Zufall? Pech.
Luca: Ganz genau. Wenn man das als Pech ausdrücken möchte. Oder eher den Zufall? Ich finde den immer ein bisschen neutraler. Definitiv. Ich habe es mir mal, Ich bin nicht der beste Mathematiker, gar nicht. Aber ich habe es mir mal zum Spaß ausgerechnet, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist. Und es wäre für mich deutlich leichter gewesen, einen Sechser im Lotto zu kriegen als diese spezifische Diagnose. Und ja, kann man natürlich als Pech sehen oder einfach ja gut, es war halt Zufall. Einfach so ist es passiert. Es passiert leider Gottes einfach und der Weg, wie man damit umgeht, wie man das annimmt. Ich denke, darin liegt für die meisten der Schlüssel, weil den Rest haben wir schon auch zu einem gewissen Grad in der Hand. Wie gehe ich in der Chemo rein? Wie was ist meine Einstellung zu dem Ganzen? Bin ich dem Gegenüber offen? Solche Dinge, aber das Drumherum auch? Kann ich es annehmen? Und wenn ich es annehmen kann, was mache ich dann daraus? Was mache ich mit meiner Zeit? Worauf habe ich Bock? Mit welchem Menschen will ich meinen Alltag verbringen? Solche Sachen?
Marie : Hast du einen so Krebs Klischee? Irgendwas, was man aus den Medien hört. Was ganz viele Menschen damit verbinden, dass du gerne einfach einmal so. Ausräumen, streichen oder verändern wollen würdest?
Luca: Hast du ein Beispiel für mich?
Marie : Was mich irgendwann richtig wütend gemacht hat, war dieser Satz Aber du bist so stark. Also bei mir war das wirklich dieses. Da war bei mir auch diese Trotzreaktion von Ja. Welche andere Wahl habe ich denn? Und das war bei mir so ein also weniger ein Klischee, aber so was, was Leute einem gerne gesagt haben, wo ich mir dachte, es ist irgendwie nicht.
Luca: Ja, da haben wir oft diese vermutete wahrscheinlich Hilflosigkeit vom Gegenüber. Ja, jetzt weiß ich auch, was du meinst zu dem Thema. Auch hat die Stiftung eine ganz tolle Kampagne, so Sätze oder die zehn Sätze, die Krebspatientinnen nicht mehr hören können. Und für mich ist es weniger tatsächlich so was. Damit konnte ich immer ganz gut um. Also selbst. Mir hat mein Arzt zum Beispiel gesagt Naja, in ihrer Situation wollen sie ja eh keine Kinder mehr haben. Wo ich mir auch gedacht habe okay, weiß ich jetzt nicht, wer dir das ins Ohr geflüstert hat. Aber damit komme ich immer ganz gut klar. Eigentlich, weil ich mir diese Hilflosigkeit oder Überforderung einfach vors Auge vors innere Auge rufe. Was mich eher nervt und das ist generell, wenn es um medizinische Themen und Krankheiten geht, wenn es um so Realityserien. Wenn da Dinge einfach völlig falsch dargestellt werden wie jetzt. Du hörst einfach Krebs und erinnerst dich sofort an das Bild aus dem Fernsehen, wo diese sterbende, leidende Person daliegt. Das ist ja nicht nur Krebs. Krebs ist so viel mehr und eben auch so viele andere positive Dinge. Es ist nicht nur dieses Bild und das ist eher das, was mich nervt. Aber klar, das wird geklickt, das will man gucken, weil da bekommt man Tränen in den Augen und man fühlt mit. Aber das. Also das kann ich ja gar nicht mehr. Ja.
Marie : Da geht es da bei dir.
Luca: Um dieses wie die Person gesehen wird, die die Krankheit hat als schwach. Eigentlich schon weg, oder?
Marie : Ich denke, das ist so eine Mischung aus Erstens stehe ich total auf Realität. Also ich würde mich auch selbst als einen Realisten irgendwo bezeichnen und ich mag es dann nicht, Dinge zu überdramatisieren und aber auch wie gesagt dieses Falsche darstellen. Also wenn ich immer schon sehe, in so manchen medizinischen Serien allein das medizinisch zu nennen, ist schon völlig fragwürdig, dass einfach so Fakten verdreht werden, dass da mit Medikamentennahmen um sich geworfen wird, dass der Zugang eindeutig nicht im Arm liegt, sondern nur ganz, ganz billig hingeklebt wurde. Also solche Dinge, das sind so, da habe ich einfach, ja, da habe ich ein bisschen so das Verständnis verloren. Aber das Schöne ist ja, das darf ja jede Person wieder gucken, die das möchte und ich muss es ja nicht einschalten. Deswegen kann ich mich dem ganz gut entziehen und muss deine Frage dahingehend beantworten, dass ich nicht so den einen Satz oder die eine Situation oder das eine Klischee habe, womit aufgeräumt werden müsste. Da gibt es für viele andere, glaube ich, viel, viel mehr.
Luca: Ja, dann gehen wir zum positiven Ende über. Ja, und ich frag dich noch nach einem Erlebnis, einer Situation oder etwas, was du mitgenommen hast, wo du sagst Hey, dafür könnte ich der Diagnose auch dankbar sein.
Marie : Ja, das klingt jetzt vielleicht kitschig, aber zum Beispiel allein die Situation jetzt hier. Da brauche ich gar nicht lange suchen, sondern dieser Podcast wäre so nie möglich gewesen ohne meine Diagnose. Und da gibt es so viele Situationen. Ich hätte meine jetzige Partnerin nie kennengelernt, wenn ich diese Diagnose nicht bekommen hätte. Klar, man weiß nie, wie das Leben verlaufen wäre, aber ich bin dafür so dankbar, dass ich das erleben darf. Gerade aktuell. Sei es der Podcast, sei es meine Partnerschaft, sei es Dinge, die ich in den letzten Jahren einfach errungen habe für mich. Das macht mich unheimlich stolz und glücklich.
Luca: Schön, dann sage ich Luca, danke, dass du da warst und danke für diese Folge von der Kontaktaufnahme.
Marie : Sehr, sehr gern. Danke, dass ich hier sein durfte.
Luca: Zum Abschluss noch. Du hast gesagt, es wäre okay, wenn wir deine Email mit in die Shownotes schreiben, falls jemand sich an dich wenden will.
Marie : Auf jeden Fall. Also steht in den Shownotes daneben und ihr dürft mir schreiben. Sei es als angehörige Person, als betroffene Person, sei es auch völlig fremd mit dem Thema. Und es ist nicht immer so, dass ich weiterhin die Idee habe, auf ewig krankgeschrieben sein zu wollen, ganz im Gegenteil, sondern ich bin auch wieder dann da, tätig in Workshops, als Heilpraktiker, hoffentlich, wenn das klappen sollte. Und da darf man sich natürlich sehr gerne melden.
Luca: Dann weiterhin viel Erfolg damit, auch andere Leute auf diesem Weg zu unterstützen und dein Wissen und alles, was du auch gelernt hast, weiterzugeben.
Marie : Vielen, vielen Dank.
Luca: Danke.
Dieses Projekt/Diese Maßnahme/Initiative leistet einen wichtigen Beitrag, Nürnberg schrittweise inklusiver zu gestalten. Es/Sie ist Teil des Nürnberger Aktionsplans zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK). Den Ersten Aktionsplan hat der Nürnberger Stadtrat im Dezember 2021 einstimmig beschlossen. Um die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit und ohne Behinderung in Nürnberg zu verwirklichen, wurden und werden umfangreiche Maßnahmen entwickelt und umgesetzt. Weitere Informationen finden Sie unter www.inklusion.nuernberg.de.

Junge Erwachsene mit Krebs: Luca Mackeldey über seinen Hirntumor, die Krebsbehandlung und den Austausch mit anderen jungen Betroffenen.
Was passiert, wenn eine plötzliche Krebsdiagnose das Leben durcheinanderwirft? Wie ist das, wenn es in einer jungen Lebensphase passiert? Luca Mackeldey erzählt von seinem Hirntumor, seiner Diagnose und Behandlung, davon oft der bei weitem jüngste Patient im Raum zu sein, aber auch dem Austausch mit anderen jungen Betroffenen im Treffpunkt der Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs.
Er hat sich gerne für ein paar sehr persönliche Fragen geöffnet und spricht über Veränderungen, Ideen für seine Zukunft und die kleinen Dinge, die in dieser Zeit Freude bringen.
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Aufgenommen am: 02.03.2026
Veröffentlicht am: 07.05.2026
Moderation: Marie Distler
Im Gespräch: Luca Mackeldey
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