Isabelle Berti, wie weit kann man mit dem Rad fahren?

Intro: Kontaktaufnahme. Der Podcast des Bildungszentrums Nürnberg.
Hannah: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Kontaktaufnahme. Mein Name ist Hannah Diemer und ich freue mich riesig auf das kommende Gespräch mit Isabelle Berti, Weil wir sprechen heute über ein Thema, das wir noch nie im Podcast behandelt haben, und zwar Extremsport und haben eine Extremsportlerin gewinnen können. Das heißt, wir schauen uns das Ganze heute aus einer weiblichen Perspektive an. Ich freue mich sehr, dass du dir die Zeit nimmst, mit mir im Podcast zu sprechen, weil ich weiß, dass du das eigentlich ungern machst und lieber Fahrrad fährst. Deshalb herzlichen Dank, dass du da bist und herzlich willkommen im Podcast.
Isabelle: Vielen lieben Dank, dass ich hier sein darf und ich freue mich auch sehr, hier zu sein.
Hannah: Bevor wir einsteigen in das Thema Extremsport und Fahrradfahren wer bist du denn außerhalb von diesen Extremen?
Isabelle: Mein Name ist Isabelle Berti. Ich bin 38 Jahre alt und ich komme ursprünglich aus der Schweiz und wohne schon ein gutes Stück hier in Deutschland. Und neben dem Radfahren bin ich Modedesignerin, freiberufliche Modedesignerin im Bereich Sport und Strick. Hauptsächlich dazu mein eigenes Label 1400, für das ich handgefertigte Bikepacking Taschen auf Maß nähe in einer kleinen Werkstatt, Büro in einer Fahrradwerkstatt, Moritzberg in Johannes in Nürnberg.
Hannah: Und woher kommt dieser Name, Fourteen hundred?
Isabelle: Fourteen hundred, also 1400 Kilometer. Was mein erstes Rad Event war also ein unsupported Bikepacking Event über 1400 Kilometer.
Hannah: Und wie bist du zum Fahrradfahren gekommen?
Isabelle: Zum Fahrradfahren bin ich gekommen. Eigentlich über den Triathlon. Ich habe mich bei einer Kurzdistanz Triathlon angemeldet. War schon immer eine Läuferin. Schon seit jeher bin ich geschwommen. Nur das Radfahren kam neu mit dazu. Also habe ich mir ein Fahrrad geliehen und mir wurde noch am Tag vor dem Triathlon kurz erklärt, wie ich hier zu schalten hätte. Und ich dachte nur Oje. Und das einzige, was mir geblieben war Schalt nicht links und rechts und da nicht hoch und runter, nicht überkreuz, weil du machst irgendwas kaputt. Also habe ich den ganzen Triathlon nicht ein einziges Mal geschaltet. Finde das Ganze in dem Gang gefahren, wie es drin war, hat aber über diese 20 Kilometer so viel Spaß, dass ich mir am Ende ein gebrauchtes Rennrad gekauft habe, was ich bis heute noch fahr.
Hannah: Und wie ist es dann extrem geworden?
Isabelle: Am Anfang ist es nicht wirklich extrem geworden, sondern ich habe angefangen mit Bikepackingtouren, mit meiner eigenen Bikepacking Tour. Also ich bin solo vor vier Jahren circa 3 bis 4 Wochen unterwegs gewesen, habe ein One Way Ticket gebucht nach Oslo, bin dann ein bisschen mit dem Zug gefahren und bin vier Wochen durch Norwegen, Schweden und Dänemark. Das hat mich selber so sehr inspiriert und hat mir so viel Vertrauen gegeben, dass ich mich somit dann bei einem Bikepacking Unsupported Event angemeldet habe.
Hannah: Was ist ein Unsupported Ultra Rennen?
Isabelle: Man trägt alles und darf keine organisierte Hilfe annehmen, das heißt man ist unterwegs auf dem Fahrrad. Es gibt kein Begleitfahrzeug, es gibt kein Team. Es ist quasi nur erlaubt, was auch allen anderen zur Verfügung steht. Das heißt, was man in Läden kaufen kann, was man in Tankstellen bekommt, Hotels. Man darf nichts vorbestellen, organisieren, sondern man macht es auf den Weg und unterwegs. Das heißt, bei so einem Event von dem Start bis zum Ziel zählt dann aber auch die Zeit, die man für Essen verbringt. Die Zeit, die man zum Schlafen verbringt, zum Reparieren des Fahrrads, wenn etwas kaputt geht. Das heißt, eigentlich ist man dafür zuständig, so klug wie möglich Entscheidungen zu treffen, abseits von gut in die Pedale zu treten.
Hannah: Und die Strecken kennt man die schon vorher?
Isabelle: Also es gibt verschiedene Formate. Das erste, was ich jetzt gemacht habe, war eine vorgegebene Route, die man quasi abfährt. Es gibt Checkpoints auf dem Weg. Genau, die Checkpoints, ist quasi wie eine Stempelkarte, wo man sein Ziel abstempelt und seine Zeit. Natürlich hat man schon ein Zeitlimit, in dem man das Ganze fährt. Das heißt, es ist ein bisschen schneller, als einfach nur Urlaub zu machen. Ja, pusht sich halt ein bisschen mehr.
Hannah: Okay, das heißt, man hat eine extrem lange Strecke. Man muss alles selber planen, ist komplett für sich selber verantwortlich. Warum machst du da mit?
Isabelle: Ich mag die Herausforderung dabei zum einen aber auch, dass man Orte sieht, die man selber nie planen würde oder nie finden würde. Die Rennen, die ich mache, hauptsächlich auch mit dem Mountainbike, sind zum Teil über Berge oder an Berggipfeln entlang. Und da weiß man das da, da kommt kein Auto, da fährt kein Auto entlang und wenn man da mit eigener Kraft fährt und auf der anderen Seite vom Berg wieder runterfährt und man sieht einfach nur eine Weite um sich herum, die man nur mit dem Fahrrad erreichen kann, dann ist das schon was ganz Besonderes. Und das reizt mich daran, einfach diese Orte zu entdecken, die zum Teil auch von der Natur noch so ein bisschen auch unberührt zum Teil sind und einfach abseits von dem ganzen Tourismus.
Hannah: Wenn man da so extrem in der Natur ist, hat man dann auch am Schluss Kontakt zu anderen Menschen oder den Menschen, die da wohnen oder wohnen überhaupt Menschen auf diesen Strecken, wo man unterwegs ist?
Isabelle: Natürlich trifft man auch unterwegs Einheimische und das ist das, was mir auch gut gefällt, weil man nicht wie im Urlaub an den touristischen Orten ist, wo jeder andere auch ist, sondern man trifft die Leute in einem Land, so wie sie sind und wie sie dort leben. Also man hat auch eine sehr, sehr nette Gastfreundlichkeit, weil auch selten die ein Radfahrer sehen, der vorbeikommen. Von daher ist das schon sehr Besonderes.
Hannah: Glaubst du, dass die Menschen das eigentlich wissen? Dass dieses Bike Event jetzt da los ist? Und rechnen die damit, dass jetzt 200, 300 Fahrradfahrerinnen da vorbeifahren?
Isabelle: Im besten Fall nicht. Also wenn die Route auch nicht jedes Jahr die gleiche ist, dann ist es für die natürlich genauso überraschend. Radfahrer in ihrer vollen Montur zu sehen. Genau. Vielleicht auch einfach etwas komisch,manchmal denke ich mir.
Hannah: Und apropos überraschend Was ist mit dem Wetter? Also gibt es irgendwelche Bedingungen, wo diese Rennen nicht stattfinden oder muss man da wirklich einfach jederzeit fahren?
Isabelle: Es gibt schon auch Momente, dass Rennen manchmal verschoben werden um ein paar Stunden oder um einen Tag, weil die Wetterbedingungen sehr extrem sind und sobald der extreme Regen wieder nachlässt, dann begibt man sich dann auf die Route wieder, wenn das freigegeben worden ist. Und klar, der große Teil oder ein Teil dessen ist natürlich auch das man lernt ein bisschen das Wetter zu lesen, dass, je öfter man draußen ist, dass man ja einfach auch die richtigen, die richtigen Klamotten dabei hat Und dann kann das auch einfach mal ganz nett sein, mitten im Regen zu fahren, weil man ist ja eingekuschelt in seine Regenjacke und seine Regenhose stört einen dann auch wieder nicht mehr. Hauptsache man ist halt draußen und ist mit dem Rad unterwegs. Man navigiert. Man schaut aufs Essen. Also es sind so viele Dinge. Es ist nicht nur das Radfahren an sich, was so schön dran ist, sondern wirklich das ganze Drumherum.
Hannah: Und das Ganze könnte ja eigentlich auch auf einen normalen Radurlaub zutreffend und warum bist du denn dann bei diesen Ultraevents dabei?
Isabelle: Ja, ich glaube die Erfahrung, die man bekommt, wenn man sich so wirklich schon auch an sein Limit pusht, die hat man nicht im Urlaub. Also man würde sich selber, glaube ich nicht so so sehr pushen, dass man diese extremen Erfahrungen auch erlebt, dass man an seine Grenzen kommt. Und das ist einfach mehr als nur Radfahren ist. Ja, weil man ist den ganzen Tag draußen. Man ist beschäftigt mit Navigieren. Man schaut, dass man genug ist. Man sucht Schlafplätze. Es geht darum, seinen Energielevel ständig hoch zu halten. Ja, also klar, es kommen irgendwelche Hindernisse, wo man drübersteigen muss, irgendwelche Flüsse, wo man auch mal durch muss, irgendwelche Berge, die man auch mal sein Fahrrad hochschiebt. Und ja, es ist alles sehr anstrengend und steil und man verliert sich aber auch mal einfach mit Gedanken im Wald. Und das sind auch einfach so schöne Naturmomente, aber natürlich auch große Tiefs, die man hat. Also das kann sich von 20 Minuten Takt, wo man sich nur denkt was mache ich hier? Warum habe ich mir das ausgesucht? Bis hin zu Oh wow, also dieser Sonnenaufgang, genau dafür mache ich. Es ist alles dabei. Und ich glaube, dass man sich mit sich selber auseinandersetzt währenddessen ist das, was mir so gut gefällt. Das ist auch so ein bisschen einfach, dass man mit jedem Kilometer, den man da draußen fährt, dass man halt auch einen Kilometer weiter weg vom Alltag, das heißt die Wichtigkeiten, die im Alltag sind, den Druck und die Erwartungen, die man sonst manchmal zu erfüllen hat, sind da draußen, werden weniger und es wird leichter. Am Ende ist man nur sich selbst und eben dieser Moment, den man halt auf dem Fahrrad verbringt. Egal wie sehr es regnet, wie sehr es windet, wie heiß es draußen ist, am Ende macht es einfach irgendwo glücklich und leichter.
Hannah: Es hört sich auch sehr anstrengend an! Wie geht man denn mit der Erschöpfung um? Denkst du dann manchmal ans Aufgeben?
Isabelle: Ich glaube ans Aufgeben eigentlich nicht. Da müsste schon wirklich was Schlimmes passieren, wie ein Unfall, dass ich aufgebe. Aber die Erschöpfung und wenn man wirklich einer seiner tiefsten Punkt ist, die können schon sehr tief auch sein. Und meistens bin ich dann mit dem Gedanken so, dass ich mir denke, dass ich eigentlich sehr stolz sein kann, wie weit ich gekommen bin. Auch wenn es gerade in dem Moment vielleicht sehr schwer ist, einfach auch zu akzeptieren, dass man gerade jetzt eine kleine Pause braucht, vielleicht etwas Gutes essen sollte. Vielleicht auch einfach ein bisschen mehr Schlaf benötigt und geduldig sein soll. Auch wenn die anderen gerade alle an einem vorbei schießen und weiterfahren und man selber denkt Ich bin ganz schön fertig. Was mache ich hier eigentlich? Aber ja, für mich selber hilft es immer zu sagen Das ist sowieso Wahnsinn, dass du, dass dein Körper es erlaubt, so weit zu fahren und so weit zu kommen. Und das alles aus eigener Kraft. Und dass ich da sehr, sehr stolz auf mich sein kann, das auch zu machen und auch ohne Schmerzen zu machen. Bis dahin. Und trotzdem auf mich zu gucken. Auch wenn es sehr anstrengend ist. Und ich glaube, ich habe jetzt auch über die Events hinweg gelernt, dass es auch wichtig ist, auch immer so ein bisschen Selfcare zu haben. Das heißt doch oft genug anzuhalten, wenn die Sonne sehr runter brennt und seine Lippen einzucremen, damit man nicht die Lippen bluten zum Beispiel. Das sind einfach so Kleinigkeiten. Und ja, wenn man das macht, dann kommt auch irgendwo wieder so ein bisschen Zufriedenheit zurück. Und dann fährt man einfach wieder weiter.
Hannah: Die ganzen Strapazen, die man da auf sich nimmt und das viele Alleinsein. Wie ist denn da die Extremsport Szene im Radfahren bei den Frauen? Wie viele Frauen sind dann da dabei?
Isabelle: Ja, leider sind nicht so viele Frauen dabei, wie man es sich manchmal wünscht. Die an den Start gehen. Es sind definitiv keine 50 50 %. Ich habe jetzt die Tendenz gesehen, dieses Jahr, wo ich am Start war, bei dem Atlas Mountain Race, das auf jeden Fall sehr viel mehr Frauen da sind. Ich glaube, dass es auch Spaß macht, wenn mehr Frauen am Start sind, weil man einfach auch ein bisschen mehr gegeneinander fahren kann. Also bei vier Frauen am Start und man weiß, dass man eventuell einer von den dreien sein kann, ist es irgendwie nicht so spaßig, als wenn einfach 50 Frauen am Start sind und so viele Powerfrauen, die auch ihr Allerbestes geben. Das macht einfach viel mehr Laune draußen.
Hannah: Was würdest du einer Frau sagen, die sich überlegt, da mitzumachen?
Isabelle: Ich würde sagen, einfach mal ein bisschen mutig sein und machen. Das Selbstvertrauen bekommt man durch auch vielleicht ein bisschen die Erfahrung heraus. Also ich habe sehr viel Selbstvertrauen, mich da an den Start zu stellen und das zu machen bekommen, dadurch, dass ich alleine auch einfach mal einen Bikepacking Urlaub gemacht habe. Also dass ich alleine zum Ersten Mal draußen geschlafen habe und allein für mich gekocht habe und meine Route geplant habe und auch beim schlechtesten Wetter dann trotzdem weiter gefahren bin und es nicht abgebrochen habe. Und irgendwie hat mich das am Ende alles so ein bisschen stolz gemacht, dass ich gesagt habe Oh wow, ich kann das. Und diese erste Route, die ich damals geplant habe, hatte so viele Höhenmeter auf eine Distanz, die ich mir nicht vorstellen konnte, dass ich das überhaupt schaffe und das dann einfach zu schaffen, gibt einem dann halt auch so ein Vertrauen. Und mit diesem Vertrauen kann man sich auch an eine Startlinie stellen, die sehr viele Kilometer vor sich haben, mit sehr vielen Höhenmetern. Und dann nimmt man das einfach Stück für Stück. Und das ist eine gute Erfahrung, die man macht für sich. Man lernt so oder so dazu. Und es ist auch einfach so schön und bewundernswert, wenn andere starke Frauen mit dir diesen Event bestreiten und man vielleicht daraus auch einfach so nette, tolle Freundschaften knüpfen kann.
Hannah: Lernt man sich bei den Events trotzdem kennen, obwohl man quasi währenddessen eigentlich kaum miteinander sprechen kann?
Isabelle: Man sieht sich immer mal wieder. Also ob es an der Tankstelle ist oder beim Essen oder auch einfach mal ein Berg, den man hochschiebt. Und auch diese Zeit des Hochschieben. Also wenn beide leiden und das Fahrrad kaum überhaupt selber tragen können und man da das Fahrrad Steine hoch hievt und man völlig fertig ist, das bindet einen irgendwie dann schon auch sehr zusammen. Und ja, und man kann auch daraus ganz nette Freundschaften knüpfen. Und das ist natürlich schon mal passieren kann.
Hannah: Also diese Unsupported Bike Races, da gibt es ja nichts zu gewinnen. Am Schluss gibt es dann wenigstens so Community Events am Anfang und am Ende, wo man sich dann trifft und sieht?
Isabelle: Also am Start trifft man sich auf jeden Fall vorab. Man merkt auch so ein bisschen immer diese Nervosität oder man sieht manchmal Leute wieder, die man auch schon von anderen Events sieht. Und das ist immer ganz toll und am Ende sowieso. Also dieses wenn jeder ins Ziel kommt und man sich austauscht und jeder hat seine Geschichte erzählt, was einem auf diesem Weg passiert ist und bei Lass es 900, 1000, 400 Kilometer sein kann jede Menge passieren und jeder hat das ganz anders erlebt. Obwohl wir alle die gleiche Strecke gefahren sind und ja, das sind einfach die schönsten Momente, sind einfach die Leute, die auch mitfahren und davon lebe und zähre ich auf jeden Fall auch. Und wer weiß, dass man sich in einem halben Jahr vielleicht wieder zum nächsten Event sieht und man auch einfach so Freundschaften zu gewinnt, die für manche meiner Freundinnen sagen genauso verrückt sind wie ich? Ja, aber man fühlt sich dann doch irgendwie doch sehr normal unter den Leuten.
Hannah: Was würdest du sagen, Sind die absurdesten Momente oder schönsten Momente gewesen auf deinen Ultrastrecken?
Isabelle: Also einer meiner schönsten Momente ist jedes Mal auf jeden Fall auch der Sonnenaufgang, Weil der Moment, wenn man doch relativ lange auch nachts im Dunkeln fährt und das ist schon auch anstrengend. Und diese kleine Dämmerung und die Sonne aber noch nicht ganz da ist, aber es so langsam hell wird. Es ist jedes Mal sehr emotional für mich. Und ähm ja und wenn der Tag anbricht, dann fällt es einem sowieso wieder viel leichter, weil man die Nacht geschafft hat. Und das sind schon so mit meine schönsten Momente. Ja und ja. Surreale oder lustige Momente sind einfach, wenn man mal drüber nachdenkt, dass man vielleicht einfach auch die Nacht durchgefahren ist und das Beispiel irgendwie 350 Kilometer fährt, mit 7000 Höhenmetern sich denkt ja okay, keine Ahnung, wie ich das gemacht habe. Kommt einem im Nachhinein sehr surreal vor.
Hannah: Und gab es auch schon mal gefährliche Momente oder irgendwelche Momente, wo du zum Beispiel irgendwelchen wilden Tieren begegnet bist auf diesen weit entfernten Strecken?
Isabelle: Ja, also ich weiß nicht, ich sehe immer Tiere. Und ja, das kann ein Fuchs sein, das kann eine Schildkröte sein, das kann eine Schlange sein. Gefährlich oder Angst hatte ich bis jetzt nie. Ob ich mal von Wölfen aufgeweckt worden bin an meinem Schlafplatz, die uns als Paar damals, wo wir gefahren sind, angeknurrt haben. Aber so schnell wie wir uns erschrocken haben, war die dann auch wieder weg. Ich würde eher sagen, dass es eher was besonderes ist, dass ich sowas sehen konnte und erleben durfte. Ja, weil am Ende waren wir irgendwo ja auch in ihrem Gebiet oder Revier unterwegs und die haben sich genauso gefragt, was sind das denn für zwei Komische, die hier bei uns mal kurz schlafen?
Hannah: Jetzt hast du gesagt als Pair unterwegs. Das heißt, man kann diese dann nicht nur ganz alleine fahren, sondern darf sich auch zusammentun.?
Isabelle: Ja, es gibt immer auch die Option, als Team oder als Pair an den Start zu gehen. Das heißt, man startet zusammen und man kommt auch zusammen ins Ziel. Das heißt, auch wenn einer von den beiden aufgeben würde, dann würde man auch aus der Wertung rausfallen. Man kann es natürlich auch noch alleine zu Ende fahren, aber man wäre nicht mehr in der Klassifikation mit drin. Genau, man agiert quasi als Pair von Start bis zur Ziellinie.
Hannah: Und mal zur Einordnung Ich glaube, über Höhenmeter hatten wir noch gar nicht gesprochen, jetzt, bei dem allerersten Event, was du gemacht hast, wie viele Kilometer und Höhenmeter waren das und in welcher Zeit bist du das gefahren?
Isabelle: Ja, mein erstes Event waren 1400 Kilometer mit 24.000 Höhenmeter. Das bin ich noch sehr im Urlaub Modus gefahren. Das heißt, ich habe glaube ich bis Checkpoint sechs auch gar nicht als Rennen gesehen, dass man sich da ein bisschen pressieren muss, sondern ich hatte ein Kilo Zelt dabei, was ich nicht einmal ausgepackt habe und wo ich dann auch festgestellt habe, dass es eine Cut off time gibt, habe ich mich ganz schön pressiert und habe dann hintenraus noch ein paar gute Plätze gemacht und bin mit sieben Tagen dann ins Ziel gekommen. Ja.
Hannah: Das heißt, weißt du, wie viele Kilometer und Höhenmeter man da am Tag so durchschnittlich fahren muss?
Isabelle: Das kommt immer auf den Event drauf an, man hat ja nichts anderes zu tun, als Rad zu fahren. Man fährt früh los. Man kauft sich sein Mittagessen auf dem Weg. Man fährt ja manchmal, keine Ahnung, seine 16 Stunden auf dem Rad und dann schläft man und dann steht man wieder auf und fährt am nächsten Tag weiter. So tut man sich so peu a peu, Kilometer für Kilometer abarbeiten. Ja.
Hannah: Was gibt es denn da so für Ultraevents? Und welche davon bist du schon gefahren?
Isabelle: Ja, die ersten 1400 Kilometer war das Bohemian Border Bash, was hier in Dresden startet und man die alten böhmischen Grenzen abfährt. Das sind eben 1400 Kilometer, 24.000 Höhenmeter und das war das erste, gefolgt dann von The Accursed Race. Das ist quasi 1600 Kilometer im Balkan. Dann bin ich das Hellenic Mountain Race gefahren. Badlands, das ist zwar eher ein Gravel Event in Spanien und dieses Jahr im Februar das Atlas Mountain Race, was ich aber nicht ganz zu Ende gefahren bin, weil ich einen Unfall hatte ab Kilometer 600.
Hannah: Und jetzt bist du ja eigentlich Designerin. Wie fließen denn die beiden Welten ineinander? Also wie fließt denn jetzt bei dir das Design und der Sport zusammen?
Isabelle: Also zum einen ist das Radfahren für mich ein wahnsinniger Ausgleich zu meinem Design und zum anderen Das mit dem Taschenlabel kam irgendwie auch durch den Radsport. Das heißt, mit dem ersten Event und dem Fahrrad habe ich dann auch schnell festgestellt, dass ich ja dafür Taschen brauche und dass die Taschen, die am Rad sind, auch nicht so ganz perfekt passen und ich da eigentlich eine ganze Rahmentasche haben möchte. Und so fing es dann an, dass ich dann halt für Event und Event meine eigenen Rahmentaschen genäht habe und dann auch so Sachen festgestellt habe wie das ich vielleicht auch gerne Trinkblase in meiner Rahmentasche hätte, weil ich einen Rucksack nicht so gern trage, weil mir das einfach weh tut oder nicht bequem genug ist und nicht ganz so zu mir passt. Also habe ich einfach zwei Reißverschlüsse rein genäht, ein extra Fach für eine Trinkblase. Jeder packt so ein bisschen anders und für sich. Und dann will man hier und da vielleicht doch noch ein Beutelchen haben, das eher wasserdicht ist. Also habe ich angefangen, auch kleine Beutelchen zu nehmen, wo ich meine Powerbank reinmachen kann, weil ich auf jeden Fall sicher weiß, dass die Elektronik funktioniert. Und genau aus diesen kleinen Erfahrungen heraus habe ich eben dann das Bikepacking Taschen Label gegründet. Ja. Es ist quasi Radfahren, meine Leidenschaft und jetzt auch mein Beruf.
Hannah: Vielen Dank, dass du uns so einen Einblick gegeben hast in das UltraCycling und in wie du mit diesen Rennen umgehst. Hast du noch Gedanken, den du den Hörerinnen mitgeben möchtest?
Isabelle: Ich glaube, das ist manchmal vielleicht gar nicht so viel braucht, um glücklich zu sein. Zumindest hat mich das Radfahren das gelernt oder die Events, die ich mache. Es braucht einfach ein bisschen Mut, Offenheit, würde ich sagen. Vielleicht auch so eine kleine bisschen Bereitschaft, dafür Dinge zuzulassen, wie sie sind. Also Bikepacking hat mich auf jeden Fall gelernt, dass man manchmal auch einfach nur das Nötigste braucht. Zum einen mit sich zu führen, aber auch in seinem Kopf alles zu sortieren. Für jeden Kilometer, den man so hat, ja, so wie man auch immer wieder aussortiert, was man bei jedem Event mitnimmt und was man vielleicht auch zu Hause lässt. Genauso habe ich das Gefühl, hilft mir, dass meine Gedanken bei jedem Kilometer zu sortieren. Ich bin auf jeden Fall sehr, sehr dankbar, dass ich bei solchen tollen Events mitmachen kann. Und Davon so viel ziehen kann für mich selber und auch für meine Arbeit. Und. Ja, am Ende fühlt sich so ein kleines bisschen an wie Wellness für meine Seele.
Hannah: Wirklich extrem beeindruckend das Ultra Rad Events für dich Wellness sind. Wenn man dich verfolgen will bei diesen Events oder wenn man noch ein bisschen was sehen will. Wo kann man dich denn finden?
Isabelle: Für mich folgt man chezisabelle und den Taschen auf 1400.studio.
Hannah: Und wenn man sich jetzt interessiert für so ein Ultra Rad Event, gibt es irgendeine Möglichkeit sowas zu verfolgen? Also weil das wird ja offensichtlich nicht im normalen Fernsehen übertragen.
Isabelle: Ja, das ist so ein bisschen, wie ich auch zum Langdistanz fahren gekommen bin, war eigentlich, dass ich damals ganz am Anfang Freunden beim Dot watchen zugeguckt haben und Dot Watching heißt, Ist man bei den Events quasi ein GPS Tracker hat und online auf einer Internetseite können sich Familie und Freunde den kleinen dot watchen, den können sie verfolgen, wie der auf der Karte sich bewegt. Wie viele Kilometer, den du quasi mit dem Fahrrad hinter dich bringst. Und das nennt man Dot Watchen. Und das hat mir damals so wahnsinnig viel Spaß gemacht, da meine Freunde zu beobachten. Somit habe ich mich dann auch selber angemeldet für mein erstes Event. Ja.
Hannah: Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, mit mir über das Ultra Radfahren zu sprechen. Und danke, dass du uns so einen offenen Einblick in deinen Kopf gegeben hast.
Isabelle: Ich werde noch dazu sagen, dass ich definitiv keine Profisportlerin bin und die Extreme, also für mich ist das gar nicht so extrem, wie andere vielleicht glauben. Sondern ich einfach wirklich gerne Rad fahr.
Dieses Projekt/Diese Maßnahme/Initiative leistet einen wichtigen Beitrag, Nürnberg schrittweise inklusiver zu gestalten. Es/Sie ist Teil des Nürnberger Aktionsplans zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK). Den Ersten Aktionsplan hat der Nürnberger Stadtrat im Dezember 2021 einstimmig beschlossen. Um die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit und ohne Behinderung in Nürnberg zu verwirklichen, wurden und werden umfangreiche Maßnahmen entwickelt und umgesetzt. Weitere Informationen finden Sie unter www.inklusion.nuernberg.de.

Als Frau 1400km am Stück radeln? Unter Zeitdruck? Ganz allein und ohne Hilfe von außen? Warum Isabelle Berti extreme Rad Distanzen liebt und was man daraus ziehen kann.
Die Modedesignerin Isabelle Berti kam vor wenigen Jahren eher zufällig zum Radsport und hat sich so verliebt, dass sie heute Langdistanz-Fahrradrennen, sogenannte Ultra-Rad-Events, fährt.
Im Podcast spricht sie über die Strecken abseits von Straßen, über Begegnungen mit Menschen und Tieren auf der Route und, wie man trotz der Erschöpfung trotzdem immer wieder weiter fährt.
„Selbstvertrauen kommt durchs machen!“, verspricht die 38-jährige und will mehr Frauen ermutigen an den Start zu gehen. Das Gefühl und die Community unter all den Extrem-Sportler*innen ist einfach unbeschreiblich!
Links:
https://bikepacking.com/events/category/bikepacking-races/
Isabelle Berti: Instagram: @chezisabelle @1400.studio
Moritzberg Fahrradwerkstatt Nürnberg: https://moritzberg.cc/
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Aufgenommen am: 27.04.2026
Veröffentlicht am: 04.06.2026
Moderation: Hannah Diemer
Im Gespräch: Isabelle Berti
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