Der zarte Bann der Ungetäuschten - Über den Charme der Magie und die Entzauberung der Welt
Vortrag von Prof. Robert Pfaller in der Reihe 'Vom Reiz der Illusionen'

Kursnummer 00942
Veranstaltungsort

Raum Kuppelsaal 0
1. Termin, Ende Dienstag, 05.02.2019 - Dienstag, 05.02.2019
Zeit 19:30 Uhr
Dauer, Plätze 1 x, 2 Kursstunden, 150 Plätze, beendet
Preis (Info) 7,50 Euro (ermäßigt € 5,00)
Weitere Hinweise Der Teilnahmeausweis gilt als Eintrittskarte.
Information Alle Vorträge der Reihe "'Vom Reiz der Illusionen" können unter der Kursnummer 00940 für 24,00 Euro auch insgesamt gebucht werden.
Termine Als Kalender-Datei speichern (.ics)
Dienstag,
05.02.2019
von 19:30 Uhr
bis 21:00 Uhr
0 Kuppelsaal (Nicolaus-Copernicus-Planetarium)
Beschreibung

Zauberkünstler erschaffen die spielerische Illusion der Unmöglichkeit. Der Zuschauer erlebt Ereignisse in der Realität, von denen er weiß, dass es sie in der Realität nicht geben kann. Dieses Wissen, der Illusion scheinbar magischer Kräfte beizuwohnen, in der gleichzeitigen Überzeugung, dass es diese Magie eigentlich nicht gibt, verleiht der Zauberkunst und verwandten „durchschauten Illusionen“ ihre spezielle Ästhetik. Der österreichische Philosoph Robert Pfaller wirft an diesem Abend einen erhellenden Blick auf die Wirkmacht magischer Illusionen:

 

Das erste Paradoxon der Magie besteht darin, dass sie regelmäßig die Ungetäuschten betrifft. Nicht nur unter sogenannten „Zivilisierten“, sondern auch in den von den Anthropologen untersuchten Kulturen existiert die Magie gerade unter der Bedingung der Abwesenheit eines Glaubens an sie. Dies haben Ludwig Wittgenstein in seinen Bemerkungen zu Frazer sowie Sigmund Freud in seiner Studie über den Fetischismus sowie in „Totem und Tabu“ deutlich gemacht.

 

Darum sind, wie Freud betont, auch unsere üblichen Redeweisen von „Charme“, „Bezauberung“ oder „Magie der Kunst“ keine bloßen Metaphern oder „eingeschlafenen Tropen“, sondern genau die Art und Weise, in der die Magie immer existiert hat.

 

Ein ästhetisches Merkmal der Magie ist der Reiz, den sie – nicht nur auf die nicht Betroffenen – auszuüben vermag. Das Komische in der Komödie zum Beispiel lässt sich als die heitere Kehrseite des Unheimlichen begreifen. Das zweite Paradoxon der Magie besteht somit darin, dass sie das Leben lohnend machen kann. Dies wirft freilich die Frage auf, was von der gegenwärtig verschärften „Entzauberung der Welt“ zu halten ist und in wessen Interesse diese vollzogen wird.

 

Robert Pfaller ist Philosoph und lehrt an der Kunstuniversität Linz. Er bekleidete Professuren und Gastprofessuren u. a. in Amsterdam, Berlin, Chicago, Oslo, Straßburg, Toulouse, Wien und Zürich. Er ist Gründungsmitglied der Wiener Forschungsgruppe für Psychoanalyse „stuzzicadenti“.

 

In Kooperation mit Kortizes - Institut für populärwissenschaftlichen Diskurs und den Nürnberger Nachrichten als Medienpartner.

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