Nicolaus-Copernicus-Symposium "Welt, Körper, Geist - Der Platz des Menschen im Kosmos"
Session 1: Geist


Nummer

00502

Leitung

Prof. Dr. John-Dylan Haynes, Prof. Dr. Silke Anders, Prof. Dr. Sabina Pauen

Plätze

frei

Anzahl Termine

1 Termin (4 Einheiten)

Termin

Samstag, 25.03.2023

Uhrzeit

09:00 Uhr - 12:30 Uhr

Preis

25,00 Euro (ermäßigt 19,00 Euro (Jugendliche, Studierende))

Samstag,
25.03.2023
von 09:00 Uhr
bis 12:30 Uhr
0 Kuppelsaal (Nicolaus-Copernicus-Planetarium) John-Dylan Haynes, Silke Anders, Sabina Pauen
Nicolaus-Copernicus-Symposium "Welt, Körper, Geist - Der Platz des Menschen im Kosmos"

Der Kosmos im Kopf: Die Welt ist für uns Menschen das, was wir über sie zu denken in der Lage sind, also das, was wir uns unter ihr vorstellen. Alles, was wir über die Welt wissen oder zu wissen glauben, sammelt sich in unserem zentralen Denkorgan. Das Gehirn steuert Wahrnehmen, Denken und Handeln. Bestimmt es auch, was wir wollen? Oder sind es unsere Vorerfahrungen, die festlegen, was wir wollen? Können wir – wie Schopenhauer behauptete – tun was wir wollen, aber nicht wollen, was wir wollen? Seit den berühmten Libet-Experimenten (Ende der 1970er Jahren) mischt sich die moderne Hirnforschung ein in diesen Streit. Einer derjenigen, die an der weltweit vordersten Front mitforschen ist zu Gast bei unserem Symposium: John Dylan Haynes beginnt den Samstag und die Session „Geist“ mit einem Überblicksvortrag „Gedankenlesen und Willensfreiheit“. Doch ein Mensch denkt nie allen. Können wir wissen, was andere Menschen denken? Die Neurowissenschaftlerin Silke Anders stellt vor, wie das Gehirn als soziales Organ agiert. Die Psychologin Sabina Pauen rundet das Thema ab mit Erkenntnissen zur ontogenetischen Hirnentwicklung – von der frühkindlichen Informationsverarbeitung bis hin zum erwachsenen Kosmos in unserem Kopf.

 

9 bis 9.45 Uhr

Prof. Dr. John-Dylan Haynes

Gedankenlesen und Willensfreiheit: Der Kosmos im Kopf des Menschen

Alle unsere Gedanken, Empfindungen und Gefühle sind untrennbar mit den Vorgängen in unserem Gehirn verknüpft. Mit Hilfe moderner Hirnscanner ist es inzwischen möglich – zumindest zu einem gewissen Grad – zu entschlüsseln, was eine Person gerade denkt, und sogar ihre Entscheidungen vorherzusagen. Dies erfordert von uns Menschen ein Umdenken, denn wir haben meist den Eindruck, dass unsere Gedankenwelt trennbar ist vom Körper und von der Außenwelt. Wenn jedoch unser geistiges Leben abhängig von körperlichen Vorgängen ist, dann ist es gar nicht rätselhaft, wenn unsere Gedanken anhand unserer Hirnaktivität erkennbar sind, und dass der Freiheit unserer Entscheidungen Grenzen gesetzt sind. Trotz der neurowissenschaftlichen Einsichten der letzten Jahre ist das Verständnis unserer Gehirne immer noch sehr begrenzt. Es ist also noch ein weiter Weg, bis die Hirnforschung auch die feinsten Details der menschlichen Gedanken erklären können wird.

Prof. Dr. John-Dylan Haynes ist Psychologe und Neurowissenschaftler sowie Direktor des Berlin Center for Advanced Neuroimaging (BCAN) und Professor am Bernstein Center for Computational Neuroscience (BCCN) der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Entschlüsselung mentaler Zustände anhand von Gehirnsignalen sowie Aufmerksamkeit, Bewusstsein und Entscheidungen.

 

9.45 bis 10.30 Uhr

Prof. Dr. Silke Anders

Das soziale Gehirn: Nicht allein im Universum

Etwa 8 Milliarden menschliche Gehirne gibt es auf der Erde, etwa zehnmal so viele Nervenzellen in jedem Gehirn – warum und wozu das alles? Eine prominente Theorie der sozialen Neurowissenschaften geht davon aus, dass die treibenden evolutionären Kräfte hinter der Entwicklung des Säugetiergehirns die Vorteile sind, die sich aus differenzierten Gehirnen und der daraus resultierenden Fähigkeit ergibt, komplexe Sozialverbände zu bilden. Der biologische Erfolg des Menschen als Art beruht möglicherweise auf seinen sozialen Fähigkeiten, doch die Grenzen dieses Erfolges scheinen sichtbar. In diesem Vortrag sollen die stammesgeschichtliche Entwicklung des menschlichen Gehirns und die Mechanismen und Grenzen sozialer Kognition aus neurowissenschaftlicher Sicht beleuchtet werden.

Prof. Dr. Silke Anders ist Biologin und Neurowissenschaft-lerin. Sie leitet die Forschungsgruppe »Soziale und Affektive Neurowissenschaften« an der Universität zu Lübeck und erforscht u.a. die neuronalen Grundlagen menschlicher Kommunikation.

 

11 bis 11.45 Uhr

Prof. Dr. Sabina Pauen

Hirn im Aufbau: Die Anfänge des sozialen Denkens

Menschen sind von Geburt an soziale Wesen. Sie brauchen andere für ihr Überleben. Schon die Allerkleinsten sind daher von Natur aus bereit, auf soziale Signale aus ihrer Umwelt mit erhöhter Aufmerksamkeit zu reagieren und soziale Information auf besondere Weise zu verarbeiten. Der Vortrag gibt einen Überblick über neueste Erkenntnisse der Säuglingsforschung unter Verwendung spannender Experimente und hirnphysiologischer Messungen. Dabei wird deutlich, welchen entscheidenden Beitrag soziale Erfahrungen nicht nur zur emotionalen, sozialen und sprachlichen Entwicklung leisten, sondern wie sehr auch die geistige Entwicklung von Kindern durch frühe soziale Erfahrungen geprägt wird.

Prof. Dr. Sabina Pauen ist Professorin für Entwicklungspsy-chologie und Biopsychologie und leitet zudem eines von vier zentralen Forschungsfeldern der Universität Heidelberg: Selbstregulation und Regulation. Nach ihrer Promotion in Frankfurt und Forschungstätigkeiten in Tübingen sowie an der Cornell University in Ithaca (USA) habilitierte sie sich in Tübingen und leitete anschließend in Magdeburg eine Nachwuchsforschungsgruppe. Ihr Spezialgebiet ist die Erforschung der frühkindlichen Informationsverarbeitung und ihrer Bezüge zur Gehirnentwicklung. Für ihre Forschungsarbeiten zur vorsprachlichen Kategorienbildung erhielt sie den Charlotte-und-Karl-Bühler-Preis der Deutschen Gesellschaft für Psychologie.

 

11.45 bis 12.30 Uhr

Podiumsdiskussion mit den Vortragenden

 

Weitere Hinweise

Die einzelnen Veranstaltungsteile des Symposiums können unter den Kursnummern 00501 bis 00504 auch separat gebucht werden, die Gesamtveranstaltung unter der Kursnummer 00500.

Information

Foyeröffnung Planetarium: 25.3.23 8:00 Uhr

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