Darknet: Waffen, Drogen, Whistleblower

© Fotograf Ralf Ruehmeier / Fotograf Ralf Ruehmeier (Stefan Mey, Autor)

Montag, 11.03.2019, 19 Uhr
Lesung und Gespräch mit dem Autor Stefan Mey
Stadtbibliothek Zentrum, Ebene L1

Drogen, Waffen und politische Utopien in der digitalen Unterwelt – das Darknet hat viele Gesichter.
Die einen verorten im Darknet die Freiheit und die Utopien, die das Internet einst versprach. Andere sehen dort alles Schlechte im Menschen verwirklicht. Und tatsächlich gibt es beide Seiten der digitalen Unterwelt. Verschiedene Medien wie die Washington Post oder die deutsche Tageszeitung taz haben im Darknet abhörsichere Postfächer für Whistleblower installiert, die New York Times und die taz stellen gleich ihre gesamten Inhalte auch im Darknet zur Verfügung. Auch linke IT-Kollektive und Menschenrechtsgruppen haben das Darknet für sich entdeckt. Es werden aber auch digitale sowie realweltliche Waffen verkauft, und in versteckten Foren kursiert Kinderpornografie.  Zur Zeit ist das Darknet vor allem eine große Einkaufsmeile für illegale Entspannungs- und Aufputschdrogen. Sie werden auf hoch professionellen Marktplätzen gehandelt, die die E-Commerce-Mechanismen von Amazon, Otto oder Zalando imitieren.

Diese auf den ersten Blick verstörende Parallelökonomie bewerten Suchtforscher trotz aller Risiken überraschend differenziert. Ihrer Meinung nach kann Drogenkonsum so sicherer und sauberer werden. Bei diesem „Dark Commerce“ entfällt der Offline-Kontakt mit Dealermilieus, und ein ausgefeiltes Bewertungssystem ermöglicht es, die voraussichtliche Qualität und Sauberkeit von Substanzen zu
beurteilen.

Wie funktioniert das zur Zeit bekannteste Darknet, wer finanziert die dahinter stehende Anonymisierungstechnologie „Tor“ und was weiß die Wissenschaft über die digitale Unterwelt? Die Lesung mit dem Autor Stefan Mey informiert über die spannenden und problematischen Aspekte des Darknet.

Bei der anschließender Diskussion steht die Frage im Raum, ob die digitale Unterwelt als Gegenmodell zum heutigen Internet mit seiner umfassenden Überwachbarkeit taugt und ob sich dort nicht eines Tages vielleicht sogar ein besseres und freieres Internet der Zukunft entwickeln könnte. Die These des Referenten hierzu: Das Internet in seinem heutigen Zustand ist mindestens so besorgniserregend wie das Darknet.

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