Was braucht es, um Antisemitismus und Rassismus den Boden zu entziehen?

Lena Gorelik und Max Czollek
© Lena Gorelik: Charlotte Troll; Max Czollek: Peter-Andreas Hassiepen

Bildungszentrum, 25. November, 19 Uhr

Die Debatte um Erinnerungsformen sowie das Verhältnis zwischen Shoah und Kolonialismus führen in Europa und den USA gegenwärtig zu kontroversen Debatten um den Zusammenhang von Antisemitismus und Rassismus.

Die Anschläge in Halle und Hanau, der Mord an Walter Lübcke, Verschwörungserzählungen im Zuge der Coronaproteste und die gegenwärtigen Ausschreitungen mit Bezug auf die Eskalation des Nahostkonfliktes rücken die Gegenwart des Antisemitismus und Rassismus besonders stark ins Blickfeld.

In welchen politischen Spektren und in welchen Situationen treten Antisemitismus und Rassismus auf und wie ist ihr Verhältnis zueinander? Was sind angemessene Positionen, um die Bestimmung und Bearbeitung beider Ideologien in den Griff zu bekommen? Was braucht es, um Antisemitismus und Rassismus den Boden zu entziehen? Ist eine pluralistische Gesellschaft resistenter gegen diese gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit? Leiden Vielfalt und reflexive Diskussionskultur in der Krise?

Diese Fragestellungen möchten eine Debatte in die gesellschaftlichen Zusammenhänge anregen.

Es diskutieren:

 

► Lena Gorelik, Autorin und Essayistin
geboren 1981 in Sankt Petersburg, kam 1992 zusammen mit ihrer russisch-jüdischen Familie nach Deutschland und lebt heute in München. Gorelik erhielt ihre Ausbildung zur Journalistin an der Deutschen Journalistenschule in München. Anschließend absolvierte sie den Studiengang Osteuropastudien an der Ludwig-Maximilians-Universität München. In den letzten 15 Jahren veröffentlichte sie sieben Romane, die sich immer eines großen Interesses seitens der Literaturkritik erfreuten – und gleichzeitig gesellschaftspolitische Debatten bereicherten. Die Autorin wurde mit dem Bayerischen Kunstförderpreis, dem Ernst-Hoferichter-Preis und dem Förderpreis Friedrich-Hölderlin-Preis ausgezeichnet.

und

► Max Czollek, Publizist und Lyriker
geboren 1987 in Berlin, besuchte dort das Jüdische Gymnasium Moses Mendelssohn. Er studierte Politikwissenschaften und promovierte am Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin. Czollek schreibt für verschiedene Zeitungen, veröffentlicht Bücher und Essays, meistens zu tagespolitischen Themen. Zudem arbeitet er als Ausbilder für das „Social Justice und Diversity Training“, das als berufsbegleitende Weiterbildung an der FH Potsdam angeboten wird. Er ist Mitglied des Lyrikkollektivs G13 und Mitherausgeber der Zeitschrift Jalta – Positionen zur jüdischen Gegenwart. Mit Sasha Marianna Salzmann kuratierte er 2016 den Desintegrationskongress und 2017 die Radikalen Jüdischen Kulturtage am Maxim-Gorki-Theater. Seine zwei Bücher „Desintegriert euch!“ (2018) und „Gegenwartsbewältigung“ (2020, beide bei Carl Hanser Verlag) wurden zu breit und kontrovers diskutierten Streitschriften.

Moderation: Dr. Claudia Globisch, Soziologin
In ihrer Dissertation „Radikaler Antisemitismus“ nimmt Globisch den Antisemitismus im linken und rechten Spektrum der Bundesrepublik nach 1989 bis zur Gegenwart auf Basis eines neuen wissenssoziologischen Zugangs erstmals empirisch vergleichend in den Blick. Globisch studierte Soziologie, Germanistik und Philosophie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen Nürnberg und an der Duke University, North Carolina. Im März 2019 war sie als Gastwissenschaftlerin am Goldsmith College in London. Seit Juli 2019 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung und forscht dort zum Teilhabechancengesetz und den sozialen Folgen der Covid19-Pandemie. An der Universität Erlangen-Nürnberg leitet sie das deutsche Teilprojekt „Sites of Tension - Shifts in Holocaust Memory, Antisemitism and Political Contestation in Europe“ in Kooperation mit der Universität Haifa.
Schon gehört? Claudia Globisch im Podcast des BZ (Folge 13)

Eintritt: 8 Euro.

 

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